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Weihnachten in Russland
© Oksana Fedotova

Weihnachten feiert man in Russland am 7. Januar.

Vor Weihnachten sind 40 Tage Fastenzeit, der strengste Fastentag ist der 6.Januar. An diesem letzten Tag darf man nichts zu sich nehmen, bis der erste Stern auf dem Himmel erscheint. Die Gläubigen gehen zum Nachtgottesdienst, der stundenlang dauert. Der Weihnachtsdienst der Moskauer Patriarchen mit viel Gesang und Lichter-Prozessionen wird im Fernsehen direkt übertragen, daran nehmen viele Politiker und auch unser Präsident teil. Während des Gottesdienstes lassen die Menschen Speisen segnen, die dann zu Hause zum Festessen aufgetischt werden. Viele gehen auch am Morgen zur Frühmesse. Ein traditionelles Essen ist dazu “Kutja” – ein Getreidebrei mit Honig und Mohn, der Hoffnung und Unsterblichkeit symbolisiert.

 

“Koljadki” – eine Weihnachtstradition, wenn eine Gruppe von Menschen (vor allem Kindern) von Tür zu Tür geht und der Familie spezielle Lieder singt, in denen man viel Glück, Erfolg und Gesundheit wünscht. So ein Lied heisst “Koljada”, daher der Name der Tradition. Dafür bekommt man Süssigkeiten, Obst, Gebäck und auch Kleingeld. Es wird geglaubt, man muss den Kindern für ihre Lieder unbedingt etwas schenken, sonst wird dieses Jahr kein Glück im Hause sein.

 

Weihnachtszeit dauert bis zum Epiphanias (19.Januar) und heisst “swjatki” (heilige Zeit). Das ist auch die beste Zeit für das Wahrsagen. Das ist eine sehr alte Tradition, aber auch jetzt versammeln sich die jungen Mädchen, auch in den grossen Städten, um ihre nächste Zukunft zu erfahren bzw. den künftigen Mann zu erkennen.

Das Wahrsagen wurde von der Kirche verboten, aber in diesen zwei Wochen der "heiligen Zeit" muss sich auch die Kirche damit abfinden.

 

Die verbreitesten und bekanntesten Varianten des Wahrsagens in Russland:

 

- Wachsgiessen -

Man schmelzt etwas Wachs in einer Tasse, giesst etwas Milch/Wasser in eine Schüssel und stellt die an die Haustür, dabei sagt man einen Spruch: “Hausgeist, komm, trink Milch, iss Wachs!” Mit diesen Worten löst man geschmolzte Wachs in Milch auf und schaut aufmerksam, welche Figuren Wachs auf der Oberfläche bildet.

Ein Kreuz bedeutet Krankheit im neuen Jahr.

Wenn das Kreuz sich nur zeigen laesst, wird man im Jahr finanzielle Probleme haben, zwar keine ernsten.

Eine Blume zu sehen bedeutet, dass man in diesem Jahr heiratet oder einen Geliebten trifft.

Ein Tier bringt einen Feind mit.

Wachsstreifen bedeuten Reisen, Umzüge.

Sterne – viel Erfolg beim Studium, bei der Arbeit.

Eine menschliche Figur – Freund.

 

- Mit Brot, Ring, Haken -

Man legt auf den Boden einen Ring, ein Stück Brot und einen Haken, bedeckt das alles mit einem Handtuch, dreht sich fünf mal. Dann wird das Tuch schnell weggenommen und man greift nach Gegenständen. Diejenige, die den Ring in der Hand hat, wird einen Geck heiraten; die mit Brot – einen reichen Mann; die mit Haken – einen armen Mann.

 

- Mit einem Schuh -

Ein Mädchen zieht den Schuh vom linken Bein aus und wirft ihn zum Tor hinaus: dabei ist es wichtig, wohin die Spitze des gefallenen Schuhs gerichtet ist – wenn sie auf das eigene Tor zeigt, muss das Mädchen dieses Jahr noch zu Hause unverheiratet bleiben. Andernfalls wird das Mädchen in diesem Jahr heiraten.

 

- Mit Karten -

Vor dem Schlaf legt das Mädchen 4 Kartenkönige unter das Kissen und sagt: “Mein Bräutigam, komm zu mir in meinen Schlaf”. Einen König muss sie dann im Schlaf sehen.

Pik zu sehen bedeutet, dass der künftige Mann älter und dazu eifersuechtig sein wird. Pech gehabt.

Herz – jung und reich

Kreuz – Militärmann/Geschäftsmann

Karo – man wird den gewünschten Mann heiraten

Als Variante: wenn man nichts im Schlaf gesehen hat, zieht man einfach am Morgen eine Karte von den vier hervor, die unterm Kissen liegen.

 

- Um den Namen des Geliebten zu erfahren -

Die Mädchen gehen in der Weihnachtsnacht auf die Strasse und jede fragt den ersten Mann, der ihr begegnet ist, nach seinem Namen. Es wird geglaubt, der zukünftige Mann wird auch diesselben Namen tragen.

 

- Mit dem Ei -

Man macht ein kleines Loch im Ei und giesst den Inhalt in ein Glas Wasser. Wenn das Eiweis gerinnt, kann man seiner Form nach die Zukunft voraussagen:

Kirche – zur Hochzeit

Ring – zur Verlobung

Würfel – zum Tod (bedeutet Sarg)

Schiff – zur Dienstreise

Wenn sich das Eiweis auf den Grund niederlässt, wird ein Feuer im Hause sein.

 

- Mit der Zeitung -

Man zerknittert eine Zeitung, legt sie auf einen Teller, zündet sie an und rückt den Teller zur Wand heran. Dann muss man beobachten, welche Figuren der Schatten auf der Wand bildet. Dabei kann man z.B. das Sternzeichen des künftigen Mannes erkennen etc.

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