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Epiphanias (oder Erscheinung Gottes)
© Oksana Fedotova

Am 19. Januar feiert die orthodoxe Kirche Epiphaniefest oder Erscheinung Gottes.

Während dieses Fest in Österreich vor allem als Dreikönigsfest bekannt ist (dabei gedenkt man der Anbetung der Weisen), steht das Motiv der Taufe Jesu im Jordan in Rußland im Zentrum der Feier.

Nach der orthodoxen Tradition ist der Vorabend (18. Januar) ein Fasttag zum Andenken an das tragische Schicksal von Johannes, der sich dazu entschieden hat, Jesu im Fluß zu taufen, was er mit seinem Leben dann bezahlt hat.

An diesem Tag gehen die Orthodoxen in die Kirchen zum Gottesdienst und holen das Weihwasser, das sie dann nach Hause mitnehmen.

Der Epiphanie-Vorabend gilt im Volk als Zeit, wo die bösen Geister besonders aktiv sind. Darum werden die Wohnungen und Häuser an diesem Tag sorgfältig aufgeräumt und mit dem aus der Kirche mitgebrachten Wasser geweiht (Menschen und Haustiere auch).

Das Wasser kann nur von einem Geistlichen geweiht werden, dabei werden Sondergebete gelesen und das Kreuz wird dreimal ins Wasser getaucht.

In den Gewässern werden zu diesem Zweck Eislöcher im voraus gemacht (in der Regel in Form eines Kreuzes, werden auch “Jordan” genannt). Das Wasser in Flüssen, Teichen, Seen wird gewöhnlich zu Epiphanias nach der Liturgie geweiht, aber schon am Vorabend sind die feierlichen Prozessionen aus der Kirche zu den vorbereiteten Eislöchern möglich. Nach der Weihe können die Menschen schon baden.

Das Baden zu Epiphanias ist ein alter Volksbrauch (das wird von der Kirche nicht verlangt, für die Kirche ist es wichtiger, daß die Gläubigen an diesem Tag zum Gottesdienst kommen). Der 18. Januar ist der letzte Tag fürs Wahrsagen (siehe: Weihnachten in Rußland) und weil das eine heidnische Tradition ist, wollten die Menschen diese Sünde loswerden und gingen darum im geweihten Wasser baden.

In Rußland wird es von alters her geglaubt, daß Baden im Eisloch zu Epiphanias gesund macht. Es gibt keine festgelegten Regeln dafür, man taucht sich dreimal mit Kopf ins Wasser ein, dabei bekreuzt man sich und sagt: “Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes”.

In der Sowjetzeit haben die Menschen in Städten heimlich zu Epiphanias gebadet, jetzt wird es ihnen sogar geholfen – bei diesem Ritual sind Ärzte dabei und Rettungswagen stehen bereit. Dieses Jahr muß es besonders extrem sein (in Archangelsk liegen die Temperaturen derzeit im Jänner 2006 bei –30 Grad!).

 

Volksglaube:

Es wird geglaubt, in der Epiphaniennacht geht jeder beliebige Wunsch in Erfüllung, denn in dieser Nacht öffnet sich der Himmel, er wird zum Himmelstor, das direkt zu Gott führt.

 

Bauernregeln zu Epiphanias:

Helle Nacht mit leuchtenden Sternen bedeutet guten Getreideertrag.

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