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Pineshskij Bezirk: Karpogory Schangas, Teil 1
© Oksana Fedotova

Pineshskij Bezirk: Karpogory Schangas, Teil 1
Pineshskij Bezirk: Karpogory Schangas, Teil 2
Pineshskij Bezirk: Karpogory Schangas, Teil 3
Pineshskij Bezirk: Karpogory Schangas, Teil 4

Pineshskij Bezirk (Пинежский район) liegt im Nord-Osten des Archangelsker Gebietes im Stromgebiet von Pinega (der rechte Nebenfluss der Nördlichen Dwina) und Kuloj. Die Fläche beträgt 32,1 Tausend Quadratkilometer.

Der Fluss Pinega © Oksana Fedotova

Der Fluss Pinega. 14.Oktober 2006
© Oksana Fedotova

Pineshje (so nennt man den Bezirk in der Alltagssprache) ist einmalig. Die Denkmäler der altrussischen Holzarchitektur, die alten Lieder, traditionelle Gewerbe und Handwerke, Tracht und Mundart bleiben hier noch erhalten. Auf dem Territorium des Bezirkes befinden sich zahlreiche Naturschutzgebiete.

Karpogory.

Das administrative Zentrum von Pineshje ist die Siedlung Karpogory (Карпогоры).

1929 wurden 2 Bezirke gebildet: Karpogorskij mit Zentrum in der Siedlung Karpogory (gegründet 1623) und Pineshskij mit Zentrum in der Siedlung Pinega, nach dem Fluss Pinega benannt.

Nach 30 Jahren wurden diese 2 Bezirke zu einem Bezirk vereinigt – Pineshskij Bezirk. Zum Zentrum des neu gebildeten Bezirkes müsste der Logik nach Pinega werden, es wurde aber nach Karpogory verlegt, weil Karpogory im Gegensatz zu Pinega die Eisenbahnstation hat und auf diese Weise mit dem Zentrum des Gebietes – Archangelsk – verbunden ist.

Nach Pinega und andere Dörfer und Siedlungen des Bezirkes kann man nur mit einem Bus oder mit Auto gelangen, was im Frühling und im Herbst sehr problematisch erscheint, denn es gibt im Bezirk meist nur Feldwege, asphaltiert sind nur kurze Strecken in den Siedlungen selbst.

So hat aus die aus zwei Bezirken gebildete territoriale Einheit den Namen des einen und das Zentrum des anderen bekommen.

Karpogory liegt von Archangelsk 217 km entfernt. Der Zug Archangelsk-Karpogory fährt jeden Tag um 16.40 ab und erreicht sein Ziel in 7 Stunden. Dieser Zug wurde offiziell der 'langsamste Zug Russlands' genannt.
Von einer Frau habe ich die Geschichte des Namens Karpogory gehört: viele Toponyme haben in Pineshje das Ende –gory vom russischen Wort „gora“ (гора - das Berg). Es gibt hier natürlich keine richtigen Berge, viele Siedlungen und Dörfer befinden sich aber auf Hügeln, die von den Einwohnern „gory“ (горы - die Berge) genannt wurden, aber im Sinne „Erhöhung“. Und den Hügel, wo später Karpogory entstand, entdeckte nach der Legende der Mann namens Karp, daher wurde er „Karpowa gora“ genannt (Карпова гора - der Berg von Karp). Im Laufe der Zeit übernahm die Siedlung diesen Namen und heißt Karpogory.   

Eines der Hauptsehenswürdigkeiten in Karpogory ist heute die Kirche der Heiligen Aposteln Petr und Pawel /Petrus und Paulus/ (Храм Святых Апостолов Петра и Павла), die für Spendegeld gebaut wird.
Das Kirchengebäude wird nach alten Technologien von den Meistern der Pomoren-Zimmerschule errichtet. Die Konstruktion wird ohne Nägel gemacht, so hat man früher im Norden aus Holz gebaut.

Die Kirche der Heiligen Aposteln Petr und Pawel in Karpogory © Oksana Fedotova

Die Kirche der Heiligen Aposteln Petr und Pawel in Karpogory.
© Oksana Fedotova, 14.Oktober 2006

 

Die Kirche der Heiligen Aposteln Petr und Pawel in Karpogory © Oksana Fedotova

Die Kirche der Heiligen Aposteln Petr und Pawel in Karpogory.
© Oksana Fedotova, 14.Oktober 2006

 

Die Kirche der Heiligen Aposteln Petr und Pawel in Karpogory © Oksana Fedotova

Die Kirche der Heiligen Aposteln Petr und Pawel in Karpogory.
© Oksana Fedotova, 14.Oktober 2006

 

Die Kirche der Heiligen Aposteln Petr und Pawel in Karpogory © Oksana Fedotova

Die Kirche der Heiligen Aposteln Petr und Pawel in Karpogory.
© Oksana Fedotova, 14.Oktober 2006

Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die heutige Lenin-Straße, die früher „Straße der Holzpferde“ («Улица деревянных коней») genannt wurde. 

Gemeint sind die hölzernen Pferdeköpfe, die auf die Dachfirste der Häuser aufgesetzt wurden und das Haus von bösen Mächten schützen sollten. 

Diese Tradition, sein Haus mit Schilderungen und Figuren von heiligen Tieren und Vögeln zu schützen, ist zu uns noch aus Heidentum gekommen.

Bei Ostslawen wurden die Figuren von Huhn als Symbol der Fruchtbarkeit, Bären als Symbol des Reichtums und Pferd als Verkörperung von Leben und Sonne besonders populär.

 

Lenin-Straße in Karpogory, ehem. Straße der Holzpferde © Oksana Fedotova

Lenin-Straße in Karpogory, ehem. „Straße der Holzpferde“
© Oksana Fedotova, 14.Oktober 2006

Die hölzernen Pferdeköpfe auf den Dächern sind im russischen Norden für Pineshje gekennzeichnet. Holzhäuser werden von der Zeit leider nicht geschont, besonders im Norden mit seinem rauen Klima. In Karpogory sind auf der Straße, die früher so poetisch genannt wurde und die Blicke der Einwohner mit schönen Häusern erfreute, heute nur ein paar Häuser mit Pferdeköpfen auf seinen Dächern geblieben.

 

Lenin-Straße in Karpogory, ehem. Straße der Holzpferde © Oksana Fedotova

Ein Haus mit dem Rest eines Pferdchens auf dem Dach. Lenin-Straße in Karpogory, ehem. „Straße der Holzpferde“
© Oksana Fedotova, 14.Oktober 2006

 

Und nur ein Haus kann auf sein Pferdchen stolz sein, weil es hier sehr gut erhalten geblieben ist. Auf Russisch klingen das Wort „Dachfirst“ und die Benennung des Pferdchens auf dem Dachfirst gleich – „kon’ok“ (конёк - Pferdchen).

 
Lenin-Straße in Karpogory, ehem. Straße der Holzpferde © Oksana Fedotova

Das Haus mit dem gut erhaltenen Pferdchen auf dem Dach. Lenin-Straße in Karpogory, ehem. „Straße der Holzpferde“

© Oksana Fedotova, 14.Oktober 2006

 



Holzpferdchen auf dem Dachfirst. Karpogory
© Oksana Fedotova, 14.Oktober 2006

 



Holzpferdchen auf dem Dachfirst. Karpogory, 14.Oktober 2006.
© Oksana Fedotova, 14.Oktober 2006


Das Holzpferdchen hat aber nicht nur einen Kopf, sondern auch einen Schwanz:

 



Der Schwanz des Holzpferdchens auf dem Dachfirst.
Karpogory, © Oksana Fedotova, 14.Oktober 2006.

 

Die Häuser der ehem. „Straße der Holzpferde“ heutzutage © Oksana Fedotova

Die Häuser der ehem. „Straße der Holzpferde“ heutzutage.
Karpogory, © Oksana Fedotova, 14.Oktober 2006.


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