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Kargopolje, Teil 2 - Das hölzerne Wunder von Ljadiny und Saunino. Die „nördlichen Himmel“. Kargopolje, 2 - Das hölzerne Wunder von Ljadiny und Saunino. Die „nördlichen Himmel“, Teil 1
Der sogenannte „Himmel“ ist eine hölzerne Zwischendecke in nördlichen Holzkirchen und Kapellen, die in der Regel die Form einer flachen abgestumpften Pyramide hat. Sie besteht aus einzelnen Teilen (Flächen). Die Konstruktion und die Bemalung jeder Fläche sind nach dem Typ einer Ikone gemacht. Vom zentralen Element (meist rund) gehen Dachbalken radial aus, sie bilden das Gerüst des „Himmels“. Die Segmente wurden mit glatten Brettern gefüllt und bemalt, das sind die Flächen. Jede Fläche hat die Form eines Trapezes.
Unabhängig von der Gesamthöhe des Raumes wurden die „Himmel“ in der Regel als ziemlich niedrige Zwischendecke in den Raum eingezogen. Dabei blieb der größere Teil des Raumes ungenutzt. Diese Eigenheit des Kultbaus hing mit der Besonderheit des Klimas zusammen, denn in den nördlichen Kirchen musste man ständig die Wärme bewahren. Die Höhe des Innenraums in der Johann-Slatoust-Kirche (vom Boden bis zum „Himmel“) beträgt nur 5,7 m bei der Gesamthöhe des Bauwerks 33,7 m. Der „Himmel“ überbrückt eine Spannweite von 8 m. Mit dem „Himmel“ wurde der Hauptraum der Kirche überspannt, der für die Betenden gedacht war. Aber es gab auch Fälle, wo er noch zusätzlich für die Überspannung des Altarraums und der Seitenapsiden benutzt wurde. Die Menschen im Mittelalter haben den Himmel als einen Ort wahrgenommen, wo Gott und die Engel leben. Und in den christlichen Kirchen war die Kuppel ein Symbol des Himmels, darum wurden im oberen Teil des Kirchenraums nur die Szenen dargestellt, die laut Glaubenssätzen im Himmel geschehen. Hier sah man auch die Personen der oberen Stufe der „himmlischen Hierarchie“ – Jesus Christi, Gottesmutter, Engel. Diese Tradition der Steinkirchen wurde von hölzernen nördlichen Kirchen übernommen. In der Mitte des 18. Jahrhunderts verbreitete sich in Kargopolje die „Himmelskomposition“ mit dargestellten Erzengeln. Solche „Himmel“ bestehen gewöhnlich aus 8-12 Flächen. Die sieben Erzengel werden mit bestimmten Attributen dargestellt: Michael – mit Schwert und Palmenzweig, Gabriel – mit Laterne und Buch oder Lilie, Raphael – mit Arzneigefäß oder mit seinem Begleiter Tobias, Jehudiel – mit Zarenkrone, Uriel – mit flammendem Schwert, Sealtiel – mit Weihrauchfass oder Rosenkranz, Barachiel – mit Weintrauben oder Blumen. Zum Ganzen gehört noch unbedingt die Komposition „Kreuzigung“, sie befindet sich immer auf der Fläche, die direkt auf den Osten gerichtet ist.
Der „Himmel“ der Johann-Slatoust-Kirche in Saunino. Unten in der Mitte – die Fläche „Kreuzigung“. 14.Juni 2008
Zur gleichen Zeit, wie diese Art der „Himmel“ mit 8 Flächen, ist noch eine andere Variante mit 12 Flächen erschienen. Hier wurden die sieben Erzengel durch die Figuren von vier Evangelisten ergänzt. So sind die „Himmel“ in der Johann-Slatoust-Kirche in Saunino ein klassisches Beispiel solchen Typus der „Himmel“: sieben Erzengel, vier Evangelisten, die Kreuzung und im zentralen Ring „die Heilige Dreifaltigkeit“. Die Reihenfolge der Figuren auf den Flächen des „Himmels“ der Johann-Slatoust-Kirche (von der Kreuzigung nach rechts): Erzengel Michael-Evangelist Johannes-Erzengel Raphael-Evangelist Markus-Erzengel Jehudiel-Erzengel Barachiel-Erzengel Sealtiel-Evangelist Lukas-Erzengel Uriel-Evangelist Matthäus-Erzengel Gabriel. Das zentrale Element wird traditionell mit Seraphen umgeben, auf den dreieckigen Winkelflächen sind Figuren der Cherubim zu sehen.
Das zentrale Element - die Heilige Dreifaltigkeit und der Seraphekreis
Die Heilige Dreifaltigkeit im zentralen Ring der „Himmel“ der Johann-Slatoust-Kirche
Erzengel Raphael (Gottes Hilfe) mit Tobias, hält ein Arzneigefäß in der linken Hand
Erzengel Jehudiel (Gottes Lob) mit Peitshe als Strafe für die Sünder und Zarenkrone als Lohn vom Gott für seine Frömmigkeit
Erzengel Barachiel (Gottes Segen). Nicht gut zu sehen, hält aber vermutlich weiße Blumen (Rosen) in seinem Mantel als Symbol für Gottes Segen
Erzengel Uriel (Gottes Feuer) mit dem Schwert in der rechten Hand und der Flamme in der linken Hand
Erzengel Michael hält einen Speer in der rechten Hand, oben darauf die orthodoxe weiße Fahne mit rotem Kreuz, und in der linken Hand einen Palmenzweig, an seinen Füßen – der niedergeschlagene Luzifer
Der Heilige Apostel Evangelist Markus
Der Heilige Apostel Evangelist Matthäus
Die „Himmel“ der Makarij-Kapelle aus dem Dorf Fjodorowskaja. Unten in der Mitte – Figuren des Apostels Petrus und des Apostels Paulus (östliche Fläche). Im zentralen Kreis – der Allerhalter. 29.September 2007
Übersicht: Volkskundliche Berichte aus Russland Literatur: T.Kolzowa „Die Malerei der „Himmel“ in Holzkirchen des russischen Nordens“. Archangelsk, 1993. Alle Fotos: © Oksana Fedotova
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