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Kalvarienberg Rossatz (Wachau, Bezirk Krems)

Rossatz, Pfarrkirche © Elfriede Hochher

Rossatz, Pfarrkirche hl. Jakob der Ältere
3schiffiges basilikales Langhaus, in der Anlage 1. Viertel 14. Jahrhundert
©Elfriede Hochher, Oktober 2009

Lage:
Der Kalvarienberg liegt in der Wachau (Niederösterreich) am rechten Donauufer gegenüber dem Ort Dürnstein, zwischen der Pfarrkirche Rossatz und der Filialkirche St. Lorenz.

Filialkirche St. Lorenz bei Rossatz © Elfriede Hochher

Filialkirche St. Lorenz bei Rossatz
Kleiner romanischer Chorquadratsaal 12./13. Jahrhundert mit gotisiertem Chor und massigem Südturm.
Errichtet über den Resten eines spätrömischen Burgus (Überreste eines der Wachtürme am Donaulimes, angelegt unter Kaiser Valentinian im 4. Jahrhundert), von dem aufgehende Mauerteile in die Nord-Wand der Kirche integriert wurden.
1984 bemerkenswerte Fresken im Chor bzw. an der südlichen Choraußenwand entdeckt.
Das romanische Langhaus unter Satteldach ursprünglich flach gedeckt, südseitig 2 vermauerte Rundbogenfenster.
Gedrungener Turm mit gotisch gemauertem Pyramidenhelm und Steinkugelbekrönung, mittelalterliche Ortssteinmalerei.
©Elfriede Hochher, Oktober 2009

Beschreibung der Anlage:

Kreuzwegstationen gestiftet 1689, entlang der Straße nach St. Lorenz; 7 mächtige Breitpfeiler unter Satteldach, 18. Jhdt., der 5. im Putz bez. 1937.

Kreuzweg Rossatz, Stationsbildstock © Elfriede Hochher

Kreuzweg Rossatz, Stationsbildstock
©Elfriede Hochher, Oktober 2009

In den Nischen beschriftete Ölbilder auf Blech, um 1870 vom Steiner Maler Treu (Vorbild Kreuzwegbilder in Bürgerspitalkirche Krems), 1989 renov. von L. Schneider, die letzte Station Kalvarienberg süd-westl. von St. Lorenz. Gedenkstätte Berg Calvari" an der Straße nordöstl. von Unterkienstock, seit 1689 Teil des in Rossatz beginnenden Kreuzweges, 1989 umgestaltet. In einem Steinbruch über einer Futtermauer mit 3 zugemauerten Bögen (Rest der barocken Anlage) Terrasse mit 3 Holzkreuzen, seitl. Treppe.

 

Rossatz, Stiege zum Berg Kalvari © Elfriede Hochher

Rossatz, Stiege zum Berg Kalvari
©Elfriede Hochher, Oktober 2009

Volkskundlicher Hintergrund

Unter dem Eindruck der Epidemien von 1679/80 (Pest) und 1683/84 und als Danksagung für das Ende der Bedrohung durch die Türken (Wien, 1683 und Buda 1989) gelobten im Jahre 1689 die Bürger von Rossatz, einen Kreuzweg zu errichten.

 

Kreuzweg Rossatz, Stationsbildstock © Elfriede Hochher

Kreuzweg Rossatz, Stationsbildstock
©Elfriede Hochher, Oktober 2009

Pater Ferdinand Reifferscheidt aus dem Zisterzienserstift Baumgartenberg, apostolischer Notar und päpstlicher Pönitentiar, der von 1686 bis 1692 als Pfarrvikar in Rossatz tätig war, begründete schließlich den „Berg Kalvari" bei St. Lorenzen mit dem von Pfarrkirche Rossatz ausgehenden und in der Filialkirche Lorenzen mit dem heiligen Grab endigenden Kreuzweg. Dieser umfasste sieben Stationen, die "sieben Fälle Christi" entsprechend den sieben Stationskirchen in Rom.

 

Kreuzweg Rossatz, Stationsbild © Elfriede Hochher

Kreuzweg Rossatz, Jesus fällt zum 2.mal unter dem Kreuzi
©Elfriede Hochher, Oktober 2009

Der Weg verläuft entlang der jetzigen Bundesstraße 33 zwischen der Prarrkirch Rossatz und der Filialkirche St. Laurenzius mit einem Bildstock mit einer Pietá-Darstellung und einem Heiligen Grab bei der Laurenziuskirche. Im Laufe des 18 Jhdts. kamen noch Bildstöcke mit Darstellungen der Nothelfer Sebastian, Florian und Leonhard , sowie ein Gnadenstuhl hinzu. Nach der plötzlichen Heilung des Kremser Barbiers Ferdinand Muhr eine Wallfahrt, die in wenigen Jahren einen solchen Aufschwung nahm, dass man oft Prozessionen in der Stärke bis zu 1000 Personen und täglich Ämter, auch mit Assistenz, in St.Lorenzen hielt. So beliebt war die Wallfahrt zum Berg Kalvari, dass es zu einer Beschwerde von Maria-Taferl, das die Konkurrenz fürchtete, kam.

 

Kreuzweg Rossatz, Stationsbildstock im Spätherbst  © Elfriede Hochher

Kreuzweg Rossatz, Stationsbildstock im Spätherbst
©Elfriede Hochher, Oktober 2009

Diese wurde jedoch abgewiesen und die reich einfließenden Opfergelder ermöglichten die Ausstattung der Kirchen mit Barockaltären und -bildern und den Neubau des Pfarrhofes, wie er bis heute bestehen blieb. 1783 wurde die Wallfahrt nach Rossatz durch Kaiser Josef II aufgehoben. Im 19. und 20. Jhdt. nur noch für Andachten im Pfarrbetrieb genützt, verfiel der Kreuzweg immer mehr, bis anläßlich des 300-jährigen Jubiläums 1989 restauriert wurde. Auf dem Berg Calvari wurden anstelle der Kreuzigungsgruppe nur mehr drei schlichte Kreuze errichtet. Die Figuren der beiden Schächer (Andreas Krimmer, 1690/91) befinden sich heute in der Pfarrkirche von Rossatz.

Rossatz, Berg Kalvari © Elfriede Hochher
Rossatz, Berg Kalvari
©Elfriede Hochher, Oktober 2009

 

Textquellen:
DEHIO, Niederösterreich südlich der Donau, Bd. M-Z
Informationstafel beim Kalvarienberg
Dr. Otto Friedrich Winter, Festschrift "500 Jahre Marktgemeinde Rossatz 1462-1962"

Fotos: © Elfriede Hochher

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