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Schnadahüpfeln.
von Dr. Ludwig von Hörmann.

Ein echter Freund unsers "Alpenfreunds" übersendet uns aus einer reichen Sammlung von Tiroler Schnadahüpfeln eine kleine Auswahl, die wir zur Unterhaltung unserer Leser, selbst auf die Gefahr hin, daß einige davon schon in weiteren Kreisen bekannt wären, mitteilen. Finden dieselben Beifall, so steht ein Mehr jederzeit zu Diensten.

Zwá 1) Bußlen hast mer geben
Hob' di' gar so schön bitt' 2),
Geh' gib mer no' s dritte,
Du brauchst es ja nit.

A Bißl bussen 3), a bißl drucken,
Dös ist ja ka Sünd,
Dös hat mir mei' Muetter glernt
Als a klaus 4) Kind.

Mei' Herzerl ist treu,
Is a Schlösserl dabei,
Un án anziger 5) Bua
Hat'n Schlüssel dazua.

Zwá 6) schneeweiße Täuberlen
Fliegn über mei' Haus,
Und der Schatz, der mir b'stimmt ist,
Der bleibt mir nit aus.

Mei' Leb'n und mei' Freud'
Und mei' Kopf und mei' Sinn
Is allweil beim Dianel
Im Almhüttl drin.

Und je höher der Kirchturm,
Desto schöner das G'läut',
Und je weiter vom Diandl,
Desto größer die Freud'.

Und je stiller die Nacht,
Desto schöner sein d' Stern,
Und wie heimlicher d' Lieb',
Um so mehr hab is gern.

Die Lerchen hab'n Kröpflen,
Da singen's damit.
Und mei' Bâs hat an Kropf,
Aber singen kann's nit.

Und was nützt mer a Sträußl
Gar frisch auf'n Huat,
Wenn drunter der Kopf
Nit dazu schaug'n tuat.

Im Summer is warm,
Im Winter is kalt,
D'rum g'nieß' i mei' Jugend;
Man ist so bald alt.

Schwarz sein die Hôlerbeer' 7),
Weiß sein die Blüeh',
Schön sein die schwarzen Augen,
Treu sein sie nie.

Wenn's Thalerstückl hagelt,
Und Guldenzettel schneibt,
So bitt' i den lieben Herrgott,
Daß 's Wetter so bleibt.

Mei Vater hat g'sagt:
O du Weiberleutlapp!
Ei ja! Hab' i g'sagt,
Hast sie a gern g'habt.

Diandl geh' her zum Zaun,
Laß di' amal recht anschau'n,
Wie deine Äuglen sein,
Schwarz oder braun.

Du flachshaarets Diandl,
I hab di' so gern,
Und i möcht' wegen dein Flachshaar
A Spinnradl wer'n.

Du braunaugets Diandl,
I hab di' so gern.
Und i möcht wegen deine Äuglen
An Augenglas wer'n.

Gelt! du Braunaugeti,
Gelt! für di' tauget' i',
Gelt! für di' war i recht,
Wenn i di' möcht.

A lustiger Bue
Braucht die Woch'n a paar Schueh
A trauriger Schwanz 8)
Hat sie alleweil ganz.

1) zwei, 2) gebeten, 3) küssen, 4) kleines, 5) einziger, 6) zwei, 7) Beeren des Holders, Sambucus niger, 8) Ohne entehrende Nebenbedeutung für "Bursch".

Quelle: Ludwig von Hörmann, Schnadahüpfeln, in: Der Alpenfreund, Monatshefte für Verbreitung von Alpenkunde unter Jung und Alt in populären Schilderungen aus dem Gesammtgebiet der Alpenwelt und mit praktischen Winken zur genußvollen Bereisung derselben. HG Dr. Ed. Amthor, 1. Band, Gera 1870, S. 315.

Für SAGEN.at korrekturgelesen von Mag. Renate Erhart, Dezember 2005.
Rechtschreibung behutsam neu bearbeitet und auf den aktuellen Stand gebracht.
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