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Dichterstolz

Ludwig von Hörmann

Mich hat gewiegt kein Königsarm
Begafft kein Hofgewimmel,
Ein Mutterherz nur, treu und warm,
War meiner Kindheit Himmel.

Auch front mir keine Länderei,
Erb' weder Kron' noch Szepter,
Bin doch ein Herrscher, stolz und frei,
Ein reicherer, wo lebt er?

Am Waldessaum hab' ich mein Zelt
Gebaut aus Buchenzweigen,
Da schau ich, wie vor mir im Feld
Die Blumen still sich neigen.

Die Bienen bringen beuteschwer
Die goldnen Honiglasten,
Es rauscht der Tann so stolz und hehr
Mit seinen tausend Masten.

Der Morgenwind die Wolke schwingt
Aus meines Reiches Fahne,
Der Fink die Jubelhymne singt
Von luftiger Altane.

Spürt ihr, daß ich ein Herrscher bin,
Monarch von Gottes Gnaden?
Die Poesie als Königin
Hat mich zu Gast geladen.

Quelle: Tiroler Heimatblätter, 15. Jahrgang, Heft Nr. 11/1937, S. 352
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