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SANIKEL (Bruchkraut,Heilaller Schäden; Sanicula europaea).

aus: E. Hoffmann-Krayer, H. Bächtold-Stäubli, Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens,
Berlin und Leipzig 1932

1. Botanisches. Doldenblütler mit handförmig geteilten Blättern und kleinen rötlichweißen Blüten. Der Sanikel wächst in Wäldern vor allem in gebirgigen Gegenden 1). Manchmal heißen auch andere Gewächse besonders gewisse Alpenpflanzen Sanikel, so die Zahnwurz (Dentaria enneaphyllos) und die Aurikel (Primula auricula).

1) Marzell Kräuterbuch 456.

2. Der Sanikel galt in früheren Zeiten als ein vorzüglich Wundkraut. "Sanikel heilt das Fleisch im Topfe zusammen" heißt es besonders in Böhmen und Schlesien 2). Daß die Kraft mancher Wundkräuter so groß sei, daß Fleischstücke im Topfe zusammenwüchsen, hieß es schon im Altertum 3). "Sanikel ist so kräftig, daß einem der Brustkasten anwachsen kann" 4). "Wegbreit (Plantago), Schännikel und Ährenpris (Veronica) - Dat makt de Düwel de Buern wies", soll ein Arzt geklagt haben, weil sich die Bauern mit diesen Kräutern selbst heilten 5). Wenn ein Kind einen Bruch hat, so gibt man ihm schwarze und weiße Sanikelwurzel im abnehmenden Mond 6). Vor den "Pfixen" (Krätze?) sucht man sich zu schützen, indem man Sanikelwurz bei sich trägt 7). In Oberbayern wird der Sanikel von Raufhelden in der Tasche getragen 8). Sanikel am Himmelfahrtstag gesucht, ist gut für krankes Vieh (Westfalen) 9).

2) Das Kuhländchen 9 (1927), 138; Die Grafschaft Glatz 5 (1910), 147; MnböhmExc. 14. 167; SAVk. 7, 50.
3) so bei Apollonius: Keller Rerum natur. scriplor. Graeci minores 1877, 48; Oribasius De simplicibus 1533, 1, 48.
4) Drechsler Schlesien 2, 210; vgl, auch John Westböhmen 231.
5) Wagenfeld Münsterland 231; vgl. auch Rolland Flore Pop. 6, 197
6) Lammert 120.
7) Zimmermann Volksheilkunde 79.
8) Höfler Volksmedizin 103.
9) Kuhn Westfalen 2, 159 = Wuttke 109 § 138.


Marzell.