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QUITTE (Cydonia oblonga, veraltet: Cydonia vulgaris).

aus: E. Hoffmann-Krayer, H. Bächtold-Stäubli, Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens,
Berlin und Leipzig 1932

Quitte, © Walter Larcher

Quitte
© von Univ.-Prof. Dr. Walter Larcher freundlicherweise zur Verfügung gestellt

1. Botanisches. Die Quitte, eine Verwandte von Apfel- und Birnbaum, wächst strauch- oder baumartig, hat große rötlich-weiße Blüten und goldgelbe rundliche Früchte. Ihre Heimat ist Asien; durch die Römer kam sie nach Deutschland. Die genaue Zeit ihrer Einführung steht jedoch nicht fest 1).

1) Hoops Reallexikon 3, 434f.; Schrader Reallexikon 646.

2. Im deutschen Aberglauben spielt die Quitte im Gegensatz zum antiken, italienischen und südslavischen 2) keine bemerkenswerte Rolle. Die südungarischen schwangeren Zigeunerinnen nehmen Quittenstückchen mit Blutstropfen eines kräftigen Mannes besprengt bei abnehmendem Mond, um kräftige Kinder zur Welt zu bringen 3). "So die schwangeren Weiber oft Quitten essen, sollen sie sinnreiche und geschickte Kinder gebären" 4). Gegen die Leberfäule der Kühe gibt man den Kühen am St. Martinstag einen Quittenschnitz 5). In der Volksmedizin wurde früher die Quitte, besonders ihre Kerne, öfters gebraucht 6). Als blutstillendes Mittel wird ein Pulver aus Quittenkernen und Attichkraut empfohlen 7).

2) Pauly-Wissowa 1, 64; Pitrè Usi 2,42; 3,285; ATradpop 5, 166ff.; 17,465; Krauss Sitte und Brauch 417. 168.
3) Urquell 3, 8 f.
4) Fuchs Kreuterbuch 1543, cap. 150.
5) Albertus Magnus Toledo20 3,24.
6) Schmidt Kräuterbuch 53; Hovorka und Kronfeld 1, 353.
7) Braunschweig. Kalender von 1699 = Andree Braunschweig 423.


Marzell.