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  PHILIPPUS, hl.

aus: E. Hoffmann-Krayer, H. Bächtold-Stäubli, Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens,
Berlin und Leipzig 1932


1. Apostel und Märtyrer aus Bethsaida 1). Er wird mitunter verwechselt mit dem „Evangelisten" Philippus, einem der „Sieben" 2). Die beiden Apostel Philippus und Jakobus der Jüngere haben als Gedächtnistag den 1. Mai, an dem ihnen beiden im 6. Jh. in Rom eine Kirche erbaut wurde. Sie treten aber in den volksmäßigen Vorstellungen und Bräuchen dieses Tages, der auch der h. Walpurga (siehe dort) gehört, nicht besonders hervor.

In Oberösterreich erzählt man: Als der Apostel Jakobus enthauptet worden war, wollten die Juden dasselbe auch mit Philippus tun und sperrten ihn in ein Haus Jerusalems. Um sich dieses zu merken, stellten sie einen kleinen Baum, nach andern einen abgehauenen Wipfel, vor die Tür. Am andern Tage aber standen vor allen Häusern Bäume oder Wipfel 3). In katholischen Orten der Magyaren will man wissen, daß einst Jakobus und Philippus mit der h. Walpurga das Land durchreisten und die Leute die h. Walpurga deshalb schmähten. Da habe sie am 1. Mai ihren Stab in die Erde gesteckt und gebetet, worauf der Stab grünes Laub getrieben habe. Zum Andenken pflanze man am 1. Mai die Maibäume vor den Häusern auf 4). Am Philippustage soll man nicht flicken, nicht nähen und stricken, überhaupt nicht arbeiten, weil Philippus das Getreide „ausflickt" 5). An diesem Tage sollen die Halme schon in die Ähren gehen 6).

1) Ev. Joh. i, 44; 12. 21.
2) Apostelgesch. 6. 5; 8, 5 ff. 26 ff.; 2 1, 8 ff. Vgl. Doyé Heilige u. Selige d. röm.-hathol. Kirche 2, 175. 177; Samson Die Heiligen als Kirchenpatrone 339 ff.; Kellner Heortologie 222.
3) Baumgarten Jahr u. seine Tage 24; vgl. Wlisloeki Magyaren 49.
4) Wlislocki a. a. O.
5) Baumgarten a. a. O.
6) Landsteiner Niederösterreich 67 Anm. 3.


2. In Zell in der Pfalz ist der h. Philippus begraben, der im Zellertal (Nordpfalz) das Christentum gepredigt hat. Man spendete ihm besonders silberne, auch vergoldete Knäblein als Ausdruck der Bitte um die Geburt eines Sohnes oder des Dankes dafür 7).

7) BayHfte. 8 (1921), 145 ff.; NddZfVk. 9,17.


Sartori.