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NELKE (Dianthus-Arten, z.B.: Dianthus carthusianorum).

aus: E. Hoffmann-Krayer, H. Bächtold-Stäubli, Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens,
Berlin und Leipzig 1932

Nelke © Harald Hartmann

Nelke, Dianthus serotinus
© Harald Hartmann

1. Botanisches. Die Garten-Nelke (Dianthus caryophyllus), die bei uns in vielen Spielarten gezogen wird, stammt aus Südeuropa 1). Von den wildwachsenden Arten sind im Volke am bekanntesten die rot blühende Karthäuser-Nelke (Dianthus Carthusianorum) und die Heide-Nelke (Dianthus deltoides), deren purpurrote Kronblätter helle Punkte tragen. Beide Arten bewohnen sonnige Abhänge, Waldränder, Heiden usw. 2).

1) Pauly-Wissowa 5, 1, 1082; Schrader Reallexikon2 2, 111; Strantz Blumen in Sage und Geschichte 1875, 196—218; Christ Bauerngarten 1916, 70ff.; E. M. Kronfeld Geschichte der Gartennelke Wien 1913.
2) Marzell Kräuterbuch 294 f.


2. In deutschen Sagen und Märchen spielt die Nelke keine hervortretende Rolle. In einem Grimm'schen Märchen verwandelt der zauberkundige Prinz seine Geliebte in eine Nelke 3). In Sagen erblühen aus dem Blute unschuldig Getöteter Nelken 4), so die "Blutnelken" am Falkenstein und bei Nixdorf 5). Daß die blutigen Nägel vom Kreuze Christi sich in rote Nelken ("Nägelein") verwandelten, dürfte eine Kunstsage sein 6). Nach einer böhmischen Sage entsprossen aus den Tränen der hl. Maria wilde Nelken 7). In einer niederösterreichischen Sage wird ein todkranker Jüngling durch den Genuß der Blüten der "Steinnelken" geheilt 8).

3) Bolte-Polivka 3, 121ff., vgl. auch Grimm Sagen 1, 344ff.
4) Bechstein Sagenschatz 2 (1835), 74; Hebel Pfälzische Sagen (1912) 313.
5) Kühnau Sagen 3, 295.
6) Dähnhardt Natursagen 2, 229.
7) Grohmann 98.
8) Leeb Sagen Niederösterreichs 1892, 18.

3. Stehen auf einem Grab beim Leichenstein Karthäuser-Nelken und pflückt man eine davon, dann hört man, wenn man den Kopf auf den Grabhügel legt, in der Erde ein dumpfes, dreimaliges Klopfen 9). Wer von einem Grabe eine Nelke bricht, muß für die armen Seelen beten, sonst kommen sie in der Nacht und tun einem etwas zuleide 10).

9) Bartsch Mecklenburg 2, 98.
10) Lütolf Sagen 380, vgl. Blume 1, 1432.

4. Wie von vielen anderen roten Blüten (siehe Gewitterblumen) heißt es auch, daß das Abreißen von (Karthäuser- oder Heide-) Nelken ("Donnernelken") den Blitz anziehe 11). An den Blutnelken (Dianthus deltoides) darf man nicht riechen, sonst bekommt man Nasenbluten 12), aus dem gleichen Grunde darf man im Vogtland die Karthäuser-Nelken nicht zu Sträußen oder Kränzen pflücken 13). Wenn man die Blütenblätter von drei Stein-Nelken ("Nasenbluata") abzupft und in die Nase stopft, so hemmen sie das Nasenbluten 14). Gegen Wassersucht dient ein Tee aus "Trüfnelken" 15), im Riesengebirge gegen Lungen-, Brustleiden und Wassersucht 16). Wer von der Straße eine Nelke aufhebt, wird räudig, d. h. er bekommt die Krätze 17).

11) Bohnenberger 1, 112; Meyer Baden 361 ; Birlinger Aus Schwaben 1, 412; ZfdMda. 1913, 317 (Baden); Das Kuhländchen 10 (1928), 10; Marzell Bayerischer Volksbote 133 (für die Pechn. geltend).
12) Marzell Bayerischer Volksbote 155.
13) Voigtl. alt. Ver. 40, 84.
14) Strobl Altbayrische Mittel 1926, 18.
15) ZfVk. 8, 200 (Neu-Ruppin).
16) Schreiber Wiesen 70.
17) SAVk. 2, 218; 26, 198; Schweizld. 4, 692.

5. Damit die (Garten-)Nelken gut wachsen, muß man sie in der Christnacht 18), an Maria Himmelfahrt 19), im "Dreißiger" 20) setzen. Gefüllte ("dicke", "doppelte") Nelken bekommt man, wenn man sie im Vollmond 21) oder am Karfreitag 22) setzt. Wer den Regenbogen sieht, soll schnell Nelkensamen säen, dann gibt es "allerhand-farbige" Nelken 23). Wenn es wetterleuchtet, soll man von den Blättern der "Buschnägele" (= Busch-Nelken) die Spitzen abzupfen, dann gibt es "gspriggleti" (gesprenkelte) Blumen 24).

18) SAVk. 8, 279; auch in der Abruzzen ("damit man jeden Monat Nelken hat"): ATradpop. 8, 211.
19) Fischer Schwäbisches Wörterbuch 3, 1593.
20) Reiser Allgäu 2, 158,
21) Hildebrand Kunstbüchlein 1615, 348; Birlinger Aus Schwaben 1, 401; Martin und Lienhart Elsässisches Wörterbuch 1, 762.
22) Reiser Allgäu 2, 116; Marzell Bayerischer Volksbote 23; Alemannia 13, 213; Fischer Schwäbisches Wörterbuch 4, 224; Wolf Beiträge 1, 228.
23) Meyer Baden
24) SAVk. 12, 154.


Marzell.