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MAIS (türkisches Korn, Kukuruz,Türken, Welschkorn; Zea mays)

aus: E. Hoffmann-Krayer, H. Bächtold-Stäubli, Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens,
Berlin und Leipzig 1932

1. Botanisches. Der kräftige Halm dieses Getreidegrases wird 1 bis 2 Meter hoch und trägt große, schilfartige Blätter, in deren Achseln die aus vielen Körnern bestehenden Fruchtkolben entspringen. Der Mais ist eine alte Kulturpflanze Südamerikas, in Europa wird er etwa bis zum 52. Grad nördlicher Breite angebaut 1).

1) Marzell Kräuterbuch 212 f.

Maisfeld, © Wolfgang Morscher

Mais, Maisfeld
St. Georgen im Attergau
© Wolfgang Morscher, 27. Juli 2001

 

2. Trotzdem der Mais bei uns eine verhältnismäßig junge Kulturpflanze ist (vgl. Kartoffel), besteht über seine Kultur verschiedener Aberglaube. Das zur Aussaat bestimmte Korn soll man unbeschrien vom Kolben lösen 2). Je mehr "Huttler" (an Fastnacht) laufen, desto schöner gedeihen im folgenden Sommer Lein (siehe dort) und Mais (Bewegungszauber!) 3). Sät man den Mais im Zeichen des Löwen, so werden die hervorkeimenden Pflanzen von den Vögeln ausgerissen und gefressen; vorteilhaft ist es, den Mais am Karfreitag zu stecken. Das schlechteste Zeichen ist das der Fische 4). Im Schützen gepflanzter Mais bekommt viele Blätter, aber wenig Kolben 5), man darf ihn auch nicht säen an einem Datum, das hinten eine "Null" trägt 6) (Null = nichts!). In der "Gelwoch" (im Mai) darf man keinen Mais pflanzen, sonst wird er gelb 7). Wenn man die Pflugschar mit Fastnachtsfett schmiert, fressen die Würmer den Mais nicht an 8). Die Kolbenspindeln des Maises darf man nicht verbrennen, sonst wird er brandig 9) (d. h. Kolben und Stengel werden von dem Brandpilz Ustilago Mays Zeae P. Magnus befallen!); ähnlicher Glaube besteht auch bei den Rumänen in der Bukowina 10) und in Gottschee 11) (vgl. Roggen). Bei den Siebenbürger Sachsen (in Bootsch) wird in der Neujahrsnacht (siehe Hirse) Mais gekocht, damit der im Frühjahr auszustreuende Same gleich dem gekochten Mais größer werde, d. h. keime und aufgehe 12). Bei Naturvölkern sind kultische Bräuche, die auf eine reiche Maisernte abzielen, häufig 13).

2) Meyer Baden 420.
3) Hörmann Volksleben 15.
4) Wartmann St. Gallen 84.
5) Fogel Pennsylvania 201.
6) Ebd. 206.
7) Ebd. 195.
8) Ebd. 199.
9) Ebd. 203.
10) ZföVk. 3, 21. 186.
11) Ebd. 13, 19.
12) Haltrich Siebentb. Sachsen 284.
13) Vgl. z. B. Frazer 1, 136; ders. Totemism 3, 140.

3. Der Mais im Orakelwesen. In der 12. Stunde der hl. Nacht werden 3 Maiskörner (auch 5, 7 oder 9, jedenfalls eine ungerade Zahl) in einen Topf mit Erde gesteckt und dieser auf den Ofen gestellt. Wenn die Körner bis zur Mitternachtsstunde des Dreikönigstages größere Triebe hervorbringen, ist ein gutes Maisjahr in Aussicht 14), siehe auch Roggen. Steht auf einem Acker ein weißer oder weißgefleckter Maisstengel, so bedeutet das für den Besitzer (oder dessen nächste Verwandte) ein schweres Unglück. Ist der Maisstengel rot, so bedeutet es eine schwere Krankheit 15). Roter Mais bedeutet einen seltsamen Gast 16). Auch bei anderen Völkern erscheint der Mais in der Mantik 17).

14) St. Gallisches Rheintal: SchwVk. 3, 86.
15) Frankenland 1915, 240.
16) Wiener Kinderglaube: ZföVk. 33, 57; in Süditalien wird ein roter Maiskolben im Kamin gegen Behexung aufgehängt: Seligmann Blick 2, 76.
17) z. B. Leland Etyusc. Rom. Rem. 1892, 319 (Italien); Ethnologische Mitteilungen aus Ungarn 1, 174; Anthropophyteia 8, 161 (Haiti).

4. Am Luzientag (13. Dezember) wurden früher aus Maismehl kleine dünne Laibchen, die "Luziflecke" in Asche gebacken. Diese wurden an die Hausgenossen als Schutzmittel gegen den Biß wütender Hunde verteilt 18). Es handelt sich hier wohl um einen slavischen Aberglauben.

18) Unger und Khull Steirischer Wortschatz 445; Sartori Sitte und Brauch 3, 20.

5. Nach einem Hexenprozeß (Marburg a. d. Drau 1546) kommen die Hexen am Weihnachtsabend an einer Wegscheide zusammen und schlagen mit einer Haselrute einen Maiskolben. Aus diesem erwächst ein Laib Brot, am St. Jörgen wird er zu Stein und alles Getreide verdirbt 19).

19) ZfVk. 7, 188; hier liegt wohl ein Irrtum vor, da es sehr fraglich ist, daß der Mais bereits in der ersten Hälfte des 16. Jh.s in Steiermark angebaut wurde.


Marzell.