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MADAUN (Mutteri, Muttern; Ligusticum mutellina, veraltet: Meum mutellina).

aus: E. Hoffmann-Krayer, H. Bächtold-Stäubli, Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens,
Berlin und Leipzig 1932

1. Botanisches. 20 bis 60 cm hoher Doldenblütler, dessen Stengel am Grunde mit dunkelbraunen Fasern (abgestorbenen Blattscheiden) besetzt ist. Die Blätter sind doppelt gefiedert. Die weißen oder rötlichen Blüten stehen in zusammengesetzten Dolden. Der Madaun ist eine Pflanze der Alpenwiesen (selten auch im deutschen Mittelgebirge) und gilt als eines der besten Futterkräuter 1).

2. Als milchgebendes Futterkraut soll der Madaun (wie andere "Milchkräuter" der Alpen) da erwachsen sein, wo die Milch der hl. Maria auf die Erde fiel 2).

3. In der Höfener Alpe am Hahnenkamm bei Reutte (Tirol) ging früher alle Nacht ein Weiblein um und rief klagend:


0 je, was hab i getan,
Miët i Knofel und Madan!


Sie war einst Sennerin in der Alpe gewesen und hatte aus Bosheit dem Vieh falsche Miëte" (Geleck) gegeben, daß darob die Kühe der Nachbarn ganz von der Milch kamen. Zur Strafe mußte sie nun nach ihrem Tode in der Alp geistern 3).

4. Gottlose Sennen, denen die Melkarbeit zu viel war, verwünschten einst die milchgebenden Alpenkräuter mit den Worten: "Verflucht sei Cyprian (Cetraria islandica), Mutterne (Meum mutellina) und Ritz (Plantago alpina) van z'underst bis zum höchste Spitz"! oder "Nemm der Tüfel über Gred und Spitz Cyprian, Mutterne und Ritz"! Durch das Gebet eines alten Mannes wurde jedoch die Verwünschung nur teilweise wirksam, der "Cyprian," (siehe Flechten) verdorrte, Mutterne und Ritz blieben grün 4). Nach einer anderen Fassung aus Glarus wurde der "Mutteri" in "Fideri" (isländische Flechte) verwandelt, weil die Bauern, die dreimal am Tage melken mußten, wünschten, daß der Teufel das "Gras" wegnehme 5).

1) Marzell Kräuterbuch 500.
2) Germania 7 (1826), 395; ob es sich hier wirklich um eine Volkssage handelt, erscheint mir zweifelhaft!
3) Reiser Allgäu 1, 340.
4) SchweiId. 4, 578.
5) Herzog Schweizersagen 1, 113; vgl. auch Vernaleken Alpensagen 15. 20f.; Kuoni St. Galler Sagen 32; Stebler Die besten Futterpflanzen 3 (1889), 158.


Marzell.