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KASTANIE (Edelkastanie; Castanea sativa).

aus: E. Hoffmann-Krayer, H. Bächtold-Stäubli, Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens,
Berlin und Leipzig 1932

1. Botanisches. Die Kastanie besitzt (im Gegensatz zur bekannten Roßkastanie, die ihr nur in den Früchten ähnlich ist) längliche, am Rande ausgebuchtete und mit spitzen Zähnen besetzte Blätter. Sie stammt aus den Mittelmeerländern und wurde durch die Römer zu uns gebracht. Bei uns reifen ihre Früchte nur in warmen Lagen 1).

1) Marzell Kräuterbuch 110f.; Schrader Reallexikon 2 1, 560f.

2. Wer rohe Kastanien ißt, bekommt Läuse 2). Der Aberglaube ist alt: "Welche menschen vil castaneen rohe essen die gewynnen vil luß an dem lybe vnd auch an den cleydern" 3). Schroeder 4) erklärt dies damit, daß "diese Früchte einen gar üblen Saft haben und nicht gut Blut machen, dahero wohl möglich, daß das Ungeziefer die Läuse bei solchen Leuten sich häufig finden". Wahrscheinlich geht der Aberglaube darauf zurück, daß bei Hungersnöten, wo Parasiten häufiger sind, Brot aus Kastanienmehl gebacken wurde 5). Wir hätten also hier ein Analogon zum Aberglauben von dem läusehervorrufenden Genuß der Samen des Sauerampfers (siehe Ampfer).

2) Zingerle Tirol 1857, 65; Dalla Torre Volkstümliche Pflanzennamen in Tirol 1895, 24; Wilde Pfalz 120.
3) Hortus Sanitatis deutsch 1485 cap. 122.
4) Apotheke 1693, 920
6) Vgl. auch Mizaldus Alexikepus 1576, 184; Maurizio Geschichte unserer Pflanzennahrung 1927, 57f.

3. Wenn es am Siebenschläfertag (27. Juni) regnet, gibt es keine Kastanien; wenn am 4. Juli, werden sie wurmig 6); vgl. Buche, Haselnuß, Walnuß.

Siehe auch Roßkastanie.

6) Fogel Pennsylvania 239; ähnlich auch in Frankreich: Rolland Flore pop. 10, 120.


Marzell.