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HUNDSZUNGE (Cynoglossum officinale)

aus: E. Hoffmann-Krayer, H. Bächtold-Stäubli, Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens,
Berlin und Leipzig 1932

Hundszunge © Harald Hartmann

Hundszunge (Cynoglossum officinale)
©Harald Hartmann

1. Botanisches. Zu den Rauhblättlern (Boraginazeen) gehörige Pflanze mit eiförmigen bis lanzettlichen Blättern und braunroten, in Rispen angeordneten Blüten. Die Hundszunge riecht widerlich nach Mäusen. Sie ist an steinigen Orten, an Wegrändern und auf Schutt hie und da zu finden. Im Volk wird sie zum Vertreiben von Ratten und Mäusen gebraucht 1). Hundszunge ist übrigens auch ein Volksname für Wegerich-Arten (siehe dort).

1) Marzell Kräuterbuch 338 f.

2. Wo man die Hundszunge mit dem Herzen eines jungen Hundes und seiner "Mutter" (Gebärmutter, matrix) hinlegt, da versammeln sich alle Hunde der Gegend. Wer die Hundszunge unter der großen Zehe trägt, den bellen die Hunde nicht an 2). Die Hundszunge, einem Hunde an den Hals gebunden, treibt jenen so lange umher, bis er wie tot umfällt 3). Der Glaube scheint auf ägyptische Zauberliteratur zurückzugehen, jedenfalls ist es kein deutscher Volksaberglaube. Höfler 4) vermutet, daß die Hundszunge als Pflanzenname eine Hermeneutik ist für die wirkliche Zunge des Hundes, die volksmedizinisch verwendet wurde. Bei den Russen erfreut sich die Hundszunge als Heilpflanze einer solchen Wertschätzung, daß man auf der Stelle, wo sie gefunden wird, ein Stück Schwarzbrot mit Salz liegen läßt, als ob man einen Schatz gefunden hätte 5). Auch als Mittel gegen das Beschreien soll eine Abkochung der Hundszunge Verwendung finden 6).

Hundszunge © Harald Hartmann

Hundszunge (Cynoglossum officinale)
©Harald Hartmann

2) Vgl. dazu. Plinius Nal. hist. 28, 100, wo es von der Zunge der Hyäne heißt: "qui linguam in calciamento sub pede habeant, non latrari a canibus".
3) Brunfels Kreuterbuch 1532, 171; die Quelle dafür ist jedenfalls (Pseudo-) Albertus Magnus 1508, cap. 7, wo jedoch anstatt des Hundeherzens ein Froschherz genannt wird, vgl. auch Hortus Sanitatis, Deutsch. Mainz 1485 cap. 99, wo als Quelle Albertus Magnus De virtutibus herbarum angegeben wird. Der echte Albertus Magnus De Vegetabilibus kennt die Pflanze Hundsblume gar nicht!
4) Organotherapie 239.
5) Demitsch Russische Volksheilmittel 203.
6) Seligmann Blick 1, 285.


Marzell.