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  EISHEILIGE

aus: E. Hoffmann-Krayer, H. Bächtold-Stäubli, Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens,
Berlin und Leipzig 1932


Eisheilige nennt man die "gestrengen Herrn", die Tagesheiligen der sog. "Eismännertage", des 11.-13. Mai, nämlich Mamertus (Bischof um 475), Pankratius (Märtyrer 304) und Servatius (Bischof um 384). Auch Bonifatius (Märtyrer um 307; s. o. I, 1475 f.), dessen Tag der 14. Mai ist, wird wohl genannt 1), sowie auch noch die „kalte", „böse" oder „schmutzige" Sophie (15. Mai). Alle diese Tage werden wegen der an ihnen oft noch auftretenden Fröste von den Landleuten und Winzern sehr gefürchtet; danach schadet der Reif nicht mehr 2). Man muß auf sie beim Legen der Bohnen (am besten am 10. oder 14. Mai) und bei der Aussaat anderer Gartenerzeugnisse Rücksicht nehmen 3). In Bonndorf wählt man auch, um hohen Hanf zu erzielen, die 3 ,Fazi' (hier 11.-13. Mai) zur Aussaat, weil sie die längsten Männer gewesen seien 4). In Nordenau wird es vermieden, das Vieh an den Tagen der drei starken Männer, Pankratius, Servatius und Bonifatius, zum erstenmal auf die Weide zu treiben. Auch glaubt man, daß alles Vieh, das an diesem Tage zur Welt kommt, verunglücken werde 5). Wenn es am Servatiustag regnet, so wächst das Korn bis auf den Halm 6).


1) Daher in Landshut die „drei Fazi": Po11inger Landshut 229. In Tirol die "drei Azi": Hörmann Volksleben 83.
2) Wrede Rhein. Volksk.2 123 f. ; Drechsler 1, 115; Schramek Böhmerwald 153; Eberhardt Landwirtschaft 11; Hoffmann-Krayer 162; Rochholz Naturmythen 4; Zingerle Tirol 155; Hörmann Volksleben 83 ff. Die Eisheiligen in Frankreich: Sebi11ot Folk-Lore 1, 123 f. Vgl. die „Eisennächte" in Skandinavien: Heckscher 517.
3) Urquell 6, 15 (Ruppin); Strackerjan 2, 91.
4) Meyer Baden 421.
5) Hüser Beiträge 2, 26.
6) Wrede Rhein. Volksk.2 124.

Sartori.