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DINKEL (Fesen; Triticum spelta).

aus: E. Hoffmann-Krayer, H. Bächtold-Stäubli, Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens,
Berlin und Leipzig 1932

1. Botanisches. Eine mit dem Weizen nahverwandte Getreideart, deren Hauptkennzeichen darin besteht, daß die Körner von den Spelzen fest eingeschlossen sind. Der Dinkel wird besonders im südwestlichen und südlichen Deutschland (hauptsächlich in alemannischen Gegenden) gebaut 1).

1) Marzell Kräuterbuch 209.

2. Der Dinkel soll am Mittwoch oder Freitag gesät werden, dann wird er nicht taub 2), oder in der Kreuzwoche 3). Wenn man an Veit (15. Juni) die erste Dinkel-Ähre sieht, so kann man an Jakobi (25. Juli) schneiden 4). An dem Blütenstand der Karde (siehe dort) kann man die für den Dinkel günstigste Saatzeit ablesen (18. Jh.) 5).

2) Eberhardt Landwirtschaft 200.
3) Fischer Schwäbisches Wörterbuch 2, 218.
4) Ebd. 2, 1029. 1437; Marzell Bayerischer Volksbote 121.
5) Marzell a. a. O. 103 f.

3. Während der zwölf Nächte (Weihnachten bis Dreikönig) werden zwölf "Kernen" (Dinkel-Körner) nacheinander in einem Löffel über das Feuer gehalten; jeder herauspringende "Kernen" bedeutet einen Monat, in dem der Preis des Kernens steigt 6).

6) Meyer Baden 484.

4. Auf jedem Dinkelkorn kann man mit bloßem Auge die Muttergottes, angetan mit einem Mantel und dem Christuskind auf dem Arm, sehen. Deshalb schützt der Dinkel gegen die Hexen, auch hat das Brot vom Dinkel eine besondere Kraft 7). Sieht man auf dem Dinkelkorn das Muttergottesbild, so bedeutet das eine Hungersnot 8).

7) Meier Schwaben 250; vgl. auch Brandenburgia 1916, 178.
8) Birlinger Aus Schwaben 1, 401.


Marzell.