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  DEZEMBER

aus: E. Hoffmann-Krayer, H. Bächtold-Stäubli, Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens,
Berlin und Leipzig 1932


I. Der Dezember hat den Namen davon, weil er im altrömischen Kalender, der mit dem März begann, der 10. Monat war. Der älteste deutsche Name ist 'Heilagmânoth' 1), wofür später Christmonat 2) eintrat. Daneben erscheint Wintermonat, zum Unterschied vom November auch der ander Wintermonat 3). Wie der Januar heißt er auch Hartmonat 4). Bildlich ist wohl der Ausdruck Wolfsmonat 5) gemeint als Bezeichnung eines der Natur und den Menschen feindlichen Wintermonats 6). Auch der November und Januar (siehe dort) werden so genannt. Wie der November heißt er ferner Schlachtmonat 7), dem sich das norddeutsche 'Speckmaen' 8), das isländische 'Mörsugur' ( = Schmersauger) 9) und der Name 'Schweinemonat' 10) anreihen. Im holsteinischen (Bordesholmer) Kalender (16. Jh.) heißt der Dezember 'Hasenmaen' 11).
Sonst finden sich noch die Namen 'Andresmonat' und 'Adventmonat' 12) (bei Fischart) und 'Lestmanat' = der letzte Monat 13). Im 14. Jh. hieß in der Pfalz der Dezember 'Martinsmant', obwohl der Martinstag auf den 11. November fällt 14). Nicht den Dezember allein, sondern die Zeit von Ende Dezember bis Januar bezeichnen norwegische Jolemoane, schwed. 'Julmånad', dän. 'Juulemaaned' 15).

Betreffs Personifikation des Dezembers siehe Monat.

1) Weinhold Monatnamen 41.
2) Ebd. 35 f.; SAVk. 11 (1907), 98 f.
3) Weinhold a. a. O. 62.
4) Ebd. 40.
5) Ebd. 63; Bartsch Mecklenburg 2, 215; Kolbe Hessen 113; Drechsler 2, 102.
6) Reinsberg Böhmen 521 f.
7) Weinhold a.a.O. 54.
8) Ebd. 56.
9) Ebd. 51 = Höfler Weihnacht 12.
10) Jahn Opfergebräuche 265 = Andree Votive 166.
11) Weinhold a. a. O. 41.
12) Ebd. 29.
13) Ebd. 49.
14) Urquell NF. 1 (1897), 104.
16) Weinhold a. a. O. 47.


2. Im Dezember tritt die Sonne in das Zeichen des Steinbocks 16). Dieser dem Saturn geweihte Monat war im alten Rom ein Festmonat, am 17. begannen die Saturnalien, ferner wurden gefeiert am 5. die Faunalien, am 15. die Konsualien und am 23. die Larentinalien 17). Nach dem cäsarischen Kalender fiel die 'bruma', die Wintersonnenwende (siehe dort), auf den 25. Dezember; diesen Geburtstag der Sonne machte die Kirche zum Geburtstag Christi 18) (siehe Weihnacht). Da im christlichen Mittelalter der kirchliche und bürgerliche Jahresanfang auf Weihnachten verlegt worden war, was ungefähr bis zur Einführung des gregorianischen Kalenders in Geltung blieb 19), haben sich an diesen bedeutungsvollen Wendetag im Naturleben auch Neujahrsbräuche angeknüpft, die sich zum Teil auch an den Luziatag (13. Dezember), der bis in das 14. Jh. als der kürzeste Tag galt 20), und an den Thomastag (21. Dezember) als wirklich kürzesten Tag 21) geheftet haben, so daß an allen diesen Tagen ähnliche abergläubische Bräuche, z. B. betreffs der Zukunftserforschung, üblich sind wie am Silvestertag. Aus alten Lärmumzügen zur Abwehr böser Dämonen scheint sich das Brauchtum am Nikolaustag (siehe dort) entwickelt zu haben. Auf solche gehen auch die Klöpflesnächte (siehe dort) an den drei Donnerstagen vor Weihnachten zurück 22).

Für den Dezember empfiehlt der hundertjährige Kalender Warmhaltung durch Speise, Trank und Kleidung und Vermeiden jedes Aderlasses, da der Mensch in diesem Monat am wenigsten Geblüt hat 23). Gefürchtet ist der 1. Dezember, an dem Sodom und Gomorrah zerstört worden sein soll, als Unglückstag 24) (siehe dort). Die an diesem Tage Geborenen bleiben krüppelhaft und gehen im Elend unter oder sterben eines schlimmen Todes 25). Sonst gelten alle im Dezember Geborenen als glücklich 28). Im Dezember, dem Wolfsmonat, soll man kein Kalb abgewöhnen 27), die im Dezember geworfenen Schweine wachsen nicht 28}. Im Dezember soll man nicht pflügen 29), dagegen Holz fällen 30). Reiche und volle Blüte der Zimmerpflanzen ist zu erwarten, wenn man sie während des Christmonates beschneidet 31). Wenn im Dezember die Weser aus ihren Ufern tritt, so wiederholt sich das in jedem Monat des kommenden Jahres 32) (siehe November). Ähnlich ist die Witterung des Wolfsmonats vorbedeutend für das folgende Jahr und im besondern für den nächsten März 33). Aus dem Wetter der 12 Tage von Weihnachten bis Dreikönig kann man auf das Wetter der 12 Monate des folgenden Jahres schließen, dem Christtag entspricht der Januar, dem Stefanstag der Februar 34) usw. Allgemein gilt die Regel:

Dezember kalt mit Schnee
Gibt Korn auf jeder Höh'
35).

Erwähnt sei endlich, daß neben dem als Wechseltag der Dienstboten allgemein üblichen Silvestertag auch der Stefanstag (26.Dezember) vielerorts in Betracht kommt 36).

16) Nork Festkalender 708; vgl. Pauly-Wissowa 4, 2, 2252.
17) Meyer Konversations-Lexikon6 4 (1904), 855. Vgl. Pauly-Wissowa 2. R. 2, 1, 201 ff.; Domaszewski Religion 173.
18) Norden Vergil 167 f. Vgl. Frazer 5, 303 ff.
19) Sartori Sitte 3, 25.
20) Ebd. 3, 20.
21) Ebd. 3, 20 f.
21) Fehrle Volksfeste2 12 ff. Vgl. Abraham a S. Clara Etwas für alle (Würzburg 1733), 487; Birlinger Aus Schwaben 2, 155 (Augsburger Monatgedicht); Leoprechting Lechrain 203; Zingerle Tirol 182 f.
23) Hovorka und Kronfeld 2, 380.
24) Baumgarten Jahr und seine Tage 29; Pollinger Landshut 168; Höhn Tod Nr. 7, 311 (siehe Unglückstage).
25) Wuttke 84 § 100.
26) Höhn Geburt Nr. 4, 261.
27) Drechsler 2, 102.
28) Fogel Pennsylvania 175 Nr. 844.
29) Ebd. 195 Nr. 949.
30) Ebd. 213 Nr. 1073.
31) ZfVk. 24 (1914), 193.
32) ZfrwVk. 1907, 9.
33) Bartsch Mecklenburg 2, 215. Vgl. Baumgarten Aus der Heimat 1, 54.
34) Zingerle Tirol 200. Schon in der "Pauren-Practick" (1508) vgl. K. Kaßner Das Wetter2 (WuB. Leipzig 1918)18.
35) Reinsberg Böhmen 522 und Wetter 194; Zingerle Tirol 200; B. Haldy Die deutschen Bauernregeln (Jena 1923) 99; Wäldlerkalender 4 (Oberplan 1926), 103.
36) Sartori Sitte und Brauch 2, 38. — Zum ganzen Abschnitt vgl. A. C. v. Bussen Der Monat Dezember im Schwäbischen (Der Schwabenspiegel 19 Nr. 48, 380 f.).



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