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  AUGUST

aus: E. Hoffmann-Krayer, H. Bächtold-Stäubli, Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens,
Berlin und Leipzig 1932


1. Bei den Römern zuerst Sextilis, der 6. Monat, genannt, erhielt er im Jahre 7 v. Chr. bei Berichtigung des Schaltwesens von Kaiser Augustus der im Sextilis die meisten Siege erfochten hatte, den Namen. Der älteste deutsche Name ist Erntemonat (Aranmânoth) 1), womit auch die ganze Erntezeit von Ende Juni bis August bezeichnet wurde 2). Im Mittelalter unterschied man auch zwischen dem ersten August (Juli) und andern August (August), womit man aber auch, wie mit Augstin, den September benannte 3). Das Wort Augst selbst erhielt im Norddeutschen die Bedeutung Ernte 4). Auf diese weist auch der Name Schnittmonat des Tegernseer Kalenders (16. Jh.) hin 5); noch heute sagt man im Böhmerwald statt Ende Juli oder August "im Schnitt" oder "in der Schnitterzeit" 6). Als heißester Monat des Jahres hat der August ferner die Namen Kochmonat 7) und im deutschen Banat Hitzemonat 8) und ist wohl auch der Bismânot, in dem das Vieh, von der Hitze und von Bremsen gequält, "biset", wie toll auf der Weide umherläuft 9). Fischart bringt in "Aller Praktik Großmutter" noch den wohl selbst ersonnenen Namen Adolfmonat (Adolf, 29. August). 10).
Bezüglich Personifikation des August siehe Monat.

1) Grimin Mythologie 2, 632; Weinhold Monatsnamen 31.
2) Weinhold a. a. 0. 30.
3) Ebd. 30 ff .; SAVk. II (1907), 96 f.
4) Weinhold a. a. 0. 32.
5) Ebd. 54.
6) Verf.
7) Weinho1d a. a. 0. 47.
8) Ebd. 44.
9) Ebd. 33.
10) Ebd. 39.


2. Der 1. August (siehe auch Petri Kettenfeier) gehört mit dem 1. April (siehe dort) und 1. Dezember (siehe dort) zu den größten Ung1ückstagen (siehe dort) des Jahres 11). An ihm wurde der Teufel aus dem Himmel geworfen 12). Der an diesem Tage Geborene kann Geister und Hexen sehen 13), findet aber frühen oder unnatürlichen Tod 14). Auch die Hochzeit soll nicht am 1. August stattfinden 15). Wer an diesem Tage Rüben sät, dem verrosten sie 16); wer Flachs rauft, dem verbrennt er beim Dörren 17). In Tirol gilt ferner der 17., in Niederdeutschland der 18. und in Böhmen der 27. August als Unglückstag 18). Am 1. August fand noch im 16. Jh. in Köln das "Peter Vinkelsfeuer" (Petri Kettenfeier) statt 19). In der Gegend von Rovereto in Südtirol bestand der Brauch, daß die Handwerker am 1. August nachmittags sich bei Wein und Festgelagen bis in die Nacht belustigten. Dazu erbaten sie sich von ihren Kunden Wein oder Geld. Das nannte man "Feragosto", was wohl aus "Feriae Augusti" entstanden ist, da schon die alten Römer die Calendac Augusti mit Trink- und Gastgelagen feierten 20). Ohne Zusammenhang damit und aus rein wirtschaftlichen Gründen begannen die Kalendarien westdeutscher Klöster im Mittelalter mit dem August als Neujahr wegen der Neuverpachtung des Klosterbesitzes 21).

Viel wichtiger ist, daß im August, in dem die Sonne in das Zeichen der Jungfrau tritt 22), die alten Römer das Fest der Jungfrau Diana (13. August) gefeiert haben, das die Kirche in das Fest Mariae Himmelfahrt (siehe dort) verwandelt hat 23). Mit diesem Tage beginnt im deutschen Volksglauben der Frauendreißiger (siehe dort), in dem die Pflanzen am meisten Kraft besitzen. Deshalb wird auch empfohlen, im Augustwädel oder Augustkrebs, wie die zweite Hälfte des Monats auf alemannischem Gebiet heißt (siehe Monat), die Heilkräuter zu sammeln, so Nesselsamen gegen die Wassersucht, die Blumen zu versetzen und den Winterspinat zu säen 24). Auch in Bosnien sammelt man im August die Heilkräuter 25). Die im Frauendreißiger gelegten Eier heißen Augusteier; sie verderben nicht 26). Die am 15. August "geschüttelten" oder "gerührten" Erdäpfel wachsen schneller 27). Auch bei den Italienern ist diese Zeit bedeutungsvoll. So kann z. B. ein Schatz zu Cammarana bei Scoglitti nur in der Nacht vom 14. auf den 15. August gehoben werden, jedoch bloß von einem Ehemann, den seine Heirat nie gereut hat 28). Bei den Rumänen im Harbachtale (Siebenbürgen) ist der 18. August, wohl alten Stiles, Christi Verklärung, die der katholische Kalender am 6. August feiert, ein hoher Feiertag 29). Im Eminental hat der 18. August als "Gottwa1tstag" besondere Bedeutung. An diesem Tage gefällte Bäume werden nicht wurmstichig, und steigt man an ihm auf einen Baum, der keine Früchte trägt, so wird er in Zukunft Früchte tragen 30).

Zuweilen fällt in den August schon ein Erntefest 31) oder irgendeine andere Festlichkeit 32). Auf den Halligen ist schon vom 24. August an freie Weide 33); der August gilt auch als günstige Zeit zum Pflügen 34). Bei den Franzosen gelten Geburten 35) und Hochzeiten 36) im August als unglücklich; dagegen glaubt man in Nordindien, daß die im August während der Periode der Salomofestlichkeit Geborenen vor dem bösen Blick geschützt sind und auch die Macht besitzen, ihn zu vertreiben 37). Betreffs der Gesundheit empfiehlt der hundertjährige Kalender wie für den Juli Mäßigkeit in allem 38). Der August ist im Wetterglauben der heißeste Monat. Was er nicht zur Reife bringt, wird schwerlich mehr reif, denn "Was der August nicht kocht, kann der September nicht braten" 39). 0bst ist nicht mehr schädlich, wenn ein Augustregen darüber gegangen ist 40). Mausern der Hühner im August deutet auf einen kalten Winter 41).

Als Lostage (siehe dort) kommen in Betracht der 10. August (Laurentius, siehe dort), der 15. (Mariae Himmelfahrt, siehe dort) und besonders der 24. (Bartholomäus, siehe dort).

11) Reiser Allgäu 2,230; Hoffmann-Krayer 165; Höhn Geburt Nr.4, 261.
12) Wuttke 84 § 100, Baumgarten Jahr und seine Tage 29; John Erzgebirge 196; Pollinger Landshut 168; Höhn Tod Nr.7, 311.
13) Höhn Geburt Nr.4, 261
14) Drechsler 2, 190; Höhn Geburt Nr. 4, 261 und Tod Nr. 7, 312.
15) Meyer Baden 511.
16) Drechsler 2, 54.
17) Ebd. 2, 74.
18) Reinsberg Festjahr 226.
19) Wrede Rhein. Volkskunde 194 f.
20) Schne11er Wälschtirol 238 Nr. 27.
21) ZföVk. 9(1903), 185.
22) Ausdeutung bei Nork Festkalender 500 ff.
23) Frazer 1, 12. 14 ff-; Domaszewski Religion 172 f.
24) SAVk. 15 (1911), 7; Zahler Simmenthal (53. Vgl. SAVk. 7,142; Schramek Böhmerwald 275.
25) Stern Türkei 1, 386.
26) Zingerle Tirol 169; Meyer Baden 411; Wuttke 430 § 674; J. Micko Volkskunde des Marktes Muttersdorf (Muttersdorf in Westböhmen) 1926, 20.
27) John Erzgebirge 224 .
28) Liebrecht Zur Volkskunde 98.
29) ZfVk. 22 (1912), 161.
30) SAVk. 15 (1911), 5.
31) Leoprechting Lechrain 192; Reinsberg Festjahr 256.
32) Vgl. das Augsburger Monatsgedicht bei Birlinger Aus Schwaben 2, 152 L; Reinsberg Festjahr 226 ff.; Kapff Festgebräuche Nr. 2, 19.
33) Sartori Sitte und Brauch 2, 153.
34) FFC. 30,62.
35) SchwVk. 2, 72 (Lausanne).
36) Sébillot Haute-Bretagne 113.
37) Seligmann Blick 2, 2.
38) Hovorka und Kronfeld 2, 380.
39) Reinsberg Wetter 160; Zingerle Tirol 170; B. Haldy Die deutschen Bauernregeln (Jena 1923) 71; Wrede Rhein. Volkskunde 150; Pfalz Marchfeld 8; SAVk. 12 (1908), 16. 40) Rothenbach Bern 31 Nr.240
41) Fogel Pennsylvania 221 Nr. 1116.



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