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AUGENTROST (Euphrasia rostkoviana)

aus: E. Hoffmann-Krayer, H. Bächtold-Stäubli, Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens,
Berlin und Leipzig 1932

Augentrost, © Walter Larcher

Augentrost
© von Univ.-Prof. Dr. Walter Larcher freundlicherweise zur Verfügung gestellt

1. Botanisches. Kleiner Rachenblütler (Skrophulariazee) mit gegenständigen, eiförmigen, gezähnten Blättern und weißen oder bläulichen Blüten, die von violetten Längsadern durchzogen sind. Die Herbstform des A.s ist im Spätsommer und Herbst häufig auf Wiesen und Triften anzutreffen 1).

1) Marzell Kräuterbuch 277 f.

2. Die Blüte zeigt die "Signatur" des Auges (der dunkle Fleck in der Blüte wird mit der menschlichen Pupille verglichen) und gilt daher im Volk als Mittel gegen Augenkrankheiten 2). In einem Säckchen auf der Brust getragen, heilt der Augentrost Augenkrankheiten 3).

2) So auch in den Kräuterbüchern des 16. Jhs., vgl. Marzell Heilpflanzen 179.
3) Niederbayern: Marzell Bayerischer Volksbote 132.

3. Die Hirten glauben, daß der Augentrost dem Weidevieh die Milch entzieht; daher auch Volksnamen wie Milchschelm, Milchdieb (Österreich, Tirol, Schweiz). Insofern der Augentrost als „Halbschmarotzer" die Gräser seiner Umgebung schädigt, hat diese Meinung eine gewisse Berechtigung. Auch blüht der Augentrost meist zu einer Zeit, wo der Milchertrag zurückgeht 4).

4) Marzell Heilpflanzen 180.

4. Der Augentrost gilt als Orakel für die Zeit der Wintersaat: Blüht er oben an der Spitze besonders reichlich, so kommt ein zeitiger Winter, und es muß auch zeitig gesät werden 5). Wenn der Augentrost reich blüht, so gibt es einen strengen Winter 6). Volksnamen wie Gewitterblüml (Schlesien) und Donnerkräutchen (Hessen-Nassau) zeigen, daß man den Augentrost mit dem Einschlagen des Blitzes in Verbindung bringt. Siehe Gewitterblumen.

5) Südostböhmen: Original Mitteilung von Treiber 1910; vgl. auch Heidekraut.
6) Schwaben: Marzell Bayerischer Volksbote 132.


Marzell.