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  alter MAITAG

aus: E. Hoffmann-Krayer, H. Bächtold-Stäubli, Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens,
Berlin und Leipzig 1932


Der jetzige 12. (oder 13.) Mai hat - namentlich in Norddeutschland und bei Nichtkatholiken - einige Bräuche und Vorstellungen des Maitages des julianischen Kalenders beibehalten. An ihm ziehen in Lebenstedt (Braunschweig) die Hexen nach dem Blocksberg 1); auch in Hasserode 2). In Baden-Baden nahmen im 17. Jh. die katholischen Bauern ihr „Maibad" am 1. Mai, die Nichtkatholiken zehn Tage später 3). Das Vieh wird am alten Maitag zum erstenmal ausgetrieben 4). Man beginnt mit dem Säen des Leins 5). Wenn man am 12. Mai Lein säet und die Frau macht beim Samentragen lange Schritte, so wird der Flachs lang (Hessen) 6). Vietsbohnen müssen einen oder zwei Tage vor dem alten Maitag gepflanzt werden, dann können ihnen die bösen Eisheiligen nicht mehr schaden 7). In Braunschweig sagt man: „So lange de ütschen vor ölen maidäge raupet, so lange müttet se na maidäge swigen" 8). Wenn es in der Nacht vom 11. auf den 12. Mai friert, so friert es noch 40 Nächte (Lunden) 9). Der 12. Mai ist der Tag des h. Pankratius, des zweiten der sog. Eisheiligen(s. d.).

1) ZfVk. 24, 416.
2) Pröhle Unterharz 121
3) Oben 1, 818.
4) Sartori Sitte 2, 148 f. Anm.1; Kück Wetterglaube 67.
5) Andree Braunschweig 343; Nds. 4, 286 (Calenberg); Kuhn Westfalen 2, 156 (438); Sartori Sitte 3, 185 Anm. 73.
6) Wolf Beitr. 1, 229.
7) Strackerjan 2, 91. Vgl. dazu Kück 29 ff.; Nds. 5, 80.
8) Andree 413. e) ZfVk. z4, 59.


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