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  ALLERHEILIGEN

aus: E. Hoffmann-Krayer, H. Bächtold-Stäubli, Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens,
Berlin und Leipzig 1932


Ein Fest für sämtliche heiligen Märtyrer am 1. November ist in Deutschland unter Ludwig dem Frommen (835) eingeführt worden. In Britannien wurde es schon im 8. Jh. am 1. November (Beginn des keltischen Jahres?) gefeiert 1). Auf keltischem Gebiete war das Anzünden großer Feuer üblich 2). In der Hoch-Bretagne sagt man, daß das am letzten Oktober gesäete Getreide das beste Mehl gebe, weil alle Heiligen dann die Felder segnen 3). Dagegen soll man in Oldenburg am Allerheiligentage nicht säen und kein Land bestellen 4). Auch in Deutschland bezeichnet der Tag Sommerende (den "Altweibersommer", siehe dort) 5) und Winterbeginn 6). Man kann am Allerheiligentage erfahren, was für ein Winter werden 7) und wie sich die Zukunft — namentlich in Liebesangelegenheiten — gestalten wird 8). Im Ösling teilen die Mädchen unter ihre Bevorzugten Nüsse aus 9), und in Northumberland werfen junge Leute ein paar Nüsse ins Feuer; liegen sie still und brennen sie zusammen, so weissagt das eine glückliche Ehe, fahren sie aber krachend voneinander, eine unglückliche 10). Wenn an diesem Tage die Sonne scheint, sterben viele Kindbetterinnen (Isartal) 11). Die an Allerheiligen (wie die am Christtag und in den Zwölften) Geborenen können Geister sehen 12). Bei Gloggnitz (Niederösterreich) pflegt sich am Allerheiligenabend das Volk an einem kanzelähnlichen Felsen zu versammeln und zu beten. In der Nacht fängt der Stein dann mit Windesschnelle an sich zu drehen. In ihm liegt ein Schatz verborgen 13). - Im übrigen siehe Allerseelen.

1) Frazer 6, 83; 10, 224 f.; Kellner Heortologie 240 ff.
2) Frazer 10, 245 f.; Le Braz Legende 2, 68 f.; Sartori Sitte und Brauch 3, 262 Anm. 14.
3) Sébillot Folk-Lore 3, 454.
4) Strackerjan 2, 94.
5) Leoprechting Lechrain 200; Drechsler 1, 153; Wrede Eifler Volkskunde 225. In Westfalen sagt man: De allerhilligensuamer dûert 3 stunnen, 3 dâge àder 3 weken: Woeste Wörterbuch 5.
6) Strackerjan 2, 94; John Westböhmen 237; Wrede Eifler Volkskunde 226; Mensing Schleswig-Holsteinisches Wörterbuch 1, 105; Vgl. Sartori 3, 264 (Kelten).
7) Ebd. Anm. 26.
8) Ebd. Anm. 27; Frazer 10, 240 ff.; Vernaleken Alpensagen 124; John Westböhmen 97.
9) Fontaine Luxemburg 75.
10) Grimm Mythologie 3, 476 (1105).
11) ZfVk. 21, 256.
12) Höhn Geburt 261.
13) Vernaleken Alpensagen 123. Das Gold, das in einem Tumulus von Finistère eingegraben ist, steigt am Allerheiligentage bis dicht an die Oberfläche: Sebillot 3, 44.


Sartori