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Wider die Gicht.

1. Man sucht sich, im Walde oder sonst wo, eine Fichte. Zu dieser begiebt man sich zu drei verschiedenen Malen, hintereinander, stets entweder vor Sonnenaufgang oder nach Sonnenuntergang. An der Fichte fällt man auf die Kniee nieder und umkriecht dieselbe dreimal, indem man beim jedesmaligen Herumkriechen spricht:

Ich komme zu dir, Ficht',
Und klage dir meine neunundneunzigerlei Gicht.
Ich klage sie nicht mir,
Sondern dir.
I. N. G. etc.
(Bürgersdorf bei Wehlau. N. Pr. Pr.-Bl. VIII, S. 21.)

2. Man nimmt drei Kohlen und einen Feuerstahl in die linke Hand. Dann nimmt man eine Kohle nach der andern in die rechte Hand und spricht dabei jedesmal:

I. N. G. etc.
Jesus in den Garten ging, nahm die Brandfeuer in die Hand. Du getaufter N. N., ich rathe dir für neunerlei Feuer: für Knochenfeuer, für Gliederfeuer, für gichtiges Feuer, für sengendes Feuer, für rothes Feuer, für schwarzes Feuer, für blaues Feuer, für gelbes Feuer und für springendes Feuer. Nicht schwelle, nicht källe, nicht riethe, nicht spliete, nicht eut're und auch nicht Blut fasse! I. N. G. etc. Vater unser etc.
Jesus ging in den Rosengarten, fiel auf seine Kniee und löschte die reißende Gicht mit der ewigen Feuersgluth. I. N. G. etc.

Nach dem Rathen werden die reißenden Stellen mit den Kohlen bestrichen, und der Rathende pustet dreimal auf die kranken Stellen. (Angerburg.)
Vgl. Wider das Feuer, Nr. 5.

3. Ich grüße dich, Birk' und Ficht',
Auf siebenundsiebzigerlei Gicht!
Sie plaget nicht mich, sie plaget doch dich.
Hast du sie nicht 77 mal, so hast du sie doch 65 mal,
Hast du sie nicht 65 mal, so hast du sie doch 54 mal,
Hast du sie nicht 54 mal, so hast du sie doch 43 mal,
Hast du sie nicht 43 mal, so hast du sie doch 32 mal,
Hast du sie nicht 32 mal, so hast du sie doch 21 mal,
Hast du sie nicht 21 mal, so hast du sie doch 10 mal,
Hast du sie nicht 10 mal, so hast du sie doch eins und keins!
Im Namen etc. (Pillkallen.)

Quelle: H. Frischbier, Hexenspruch und Zauberbann. Ein Beitrag zur Geschichte des Aberglaubens in der Provinz Preußen, Berlin 1870. S. 63 - 64.
Für SAGEN.at korrekturgelesen von Gabriele U., Juli 2005.
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