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Wider das Feuer.

Aeußerlich sichtbare Entzündungen nennt man das Feuer. Die Besprechungen des Feuers müssen bei abnehmendem Lichte, am besten im Neumonde, geschehen und dreimal nacheinander vor Sonnenaufgang oder nach Sonnenuntergang erfolgen. Man nimmt eine todte Holzkohle oder einen Feuerstahl und bestreicht damit hin und her die entzündete Stelle, wobei man einen der folgenden Segen dreimal spricht und nach jedesmaliger Beendigung der Formel dreimal ausspuckt:

1. Ich rathe gegen neunerlei Feuer.
Jesus Christus ging durch's ganze Land
Mit Feuer und mit Brand:
Er heilt und kühlt mit seiner Hand.
I. N. G. etc.

2. Unser Herr Jesus fuhr über das Land.
Mit seiner schneeweißen Hand
Vertrieb er Feuer und Brand.
I. N. G. etc. (Oberland.)

3. Es gingen drei heilige Frauen waschen,
Die eine klopft,
Die andre schält,
Die dritte löscht das Feuer aus.
I. N. G. etc.


Schälen = die Wäsche, bevor sie auf die Bleiche gebracht wird, in einem offenen Wasser hin- und herziehen, um sie von den Seiftheilchen etc. zu reinigen.

4. Maria Gottes ging über das Land.
Was sucht sie da?
Einen Feuerbrand.
Der Feuerbrand soll gelöschet werden
Wie die Kohle in der Asche.
I. N. G. etc.

5. Jesus in den Garten ging
Und nahm den Feuerbrand in die Hand.

Ich rathe dir N. N. für ein Kind-, Rind-, Mägdlein-Feuer, gichtiges Feuer, süchtiges Feuer, sichtiges Feuer, rothes Feuer, gelbes Feuer, blaues Feuer,

daß es nicht reißt,
daß es nicht spleißt,
daß es nicht gleißt,
daß es nicht schleißt,
daß es nicht gattert,
daß es nicht blutet,

weil Jesus in den Garten ging und löschte das Feuer aus,
für die ewige Feuersgluth.
I. N. G. etc.
(Bürgersdorf bei Wehlau, N. Pr. Pr.-Bl. VIII, S. 21.)
Vergl. auch die zweite Formel unter Gicht.
Spleißen, plattd. splieten = spalten.

6. Ich rathe mir (dir) vor neunerlei Wundenfeuer:
Es soll nicht reißen,
Nicht spleißen,
Nicht stechen,
Nicht brechen,
Nicht källen
Und nicht schwellen. (Samland)

Källen - kälten, erkälten.

7. Ich rathe dich (!) vor 99erlei Feuer!
Der Eine macht Feuer,
Der Andre macht Holz,
Der Dritte bläst zu und ab. (Allenburg)

8. Gott, hilf rathen für neunundneunzigerlei Feuer:
Für Reißen, für Spleißen,
Für Jucken, für Stechen,
Für Schringen, für Springen,
Für Schwellen, für Källen,
Für Blasen, für Kochen,
Für Wehethun!
Im Namen etc.
Darauf haucht man den Kranken an und spricht dann:
Gott helfe mir diese große Wehtage mit diesem kalten Winde wegpusten! (Wehlau.)

Schringen = einschränken, eintrocknen.

9. Früh Morgens im Thaue
Gingen drei schöne Jungfrauen,
Die eine ging durch's grüne Gras,
Die andre sucht das Lilienblatt,
Die dritte nahm das Feuer.
Im Namen etc. (Wehlack bei Rastenburg.)

Quelle: H. Frischbier, Hexenspruch und Zauberbann. Ein Beitrag zur Geschichte des Aberglaubens in der Provinz Preußen, Berlin 1870. S. 47 - 50.
Für SAGEN.at korrekturgelesen von Gabriele U., Juli 2005.
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