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Gegen Warzen.

Die Warzen werden gezählt (in manchen Gegenden wird dabei auf jede Warze mit dem Finger getupft), dann werden so viele Knoten (Kreuzknoten) in einen Zwirnfaden gegeknüpft, als man Warzen zählte. Der Faden wird hierauf stillschweigend unter die Dachtraufe (in einen Düngerhaufen, unter einen Schweinetrog) vergraben; so wie der Faden verfault, verschwinden auch die Warzen. Im Ermlande werden über jeder Warze oft sogar drei Knoten geknüpft. Hin und wieder wird der Faden auch in ein Astloch gekeilt; so lange er in demselben bleibt, so lange bleiben die Warzen fort.

In Masuren wirft man den Faden einem Hausirjuden an den Sack. (Töppen, S. 55.)

In der Tilsiter und Goldaper Gegend schneidet man in ein Leinwandläppchen so viele Löcher, als man Warzen hat und legt den Lappen dann unter einen Schweinetrog.

Wesentlich zur Heilung ist das Bedrücken der Warzen. Man nimmt dazu vorzugsweise weiße Erbsen; nach Einigen sind für jede Warze drei nöthig, nach Andern genügen drei für alle Warzen, doch müssen sie gestohlen sein. (Samland.) Die Erbsen werden in's Feuer, aber auch in den Brunnen geworfen. So wie die Erbsen im Feuer oder im Wasser umkommen, so vergehen auch die Warzen. - In Masuren wird für jede Warze eine Erbse genommen. Hat man die Erbsen leise in den Backofen geworfen, was am besten, nachdem das Brot ausgenommen ist, geschieht, so läuft man schnell fort, damit man das Knallen derselben nicht hört. (Töppen, S. 55.)

Kann man aus einer Pfanne, in welcher Speck gebraten wird, unbemerkt drei Spirkel herausnehmen, mit diesen die Warzen bedrücken und die Spirkel wieder in die Pfanne legen, so verschwinden die Warzen. (Ermland.)

Man entwendet ein Stückchen Fleisch, bedrückt damit die Warzen und vergräbt es unter die Traufe. So wie das Fleisch verfault, so vergehen die Warzen. (Samland. Masuren; Töppen, S. 55.)

Werden die Warzen mit einem frischabgeschnittenen, blutenden Hechtkopfe dreimal bedrückt, und vergräbt man diesen alsdann unter die Traufe, so schwinden die Warzen, sobald der Hechtkopf verfault. (Dönhoffstädt.)

Hat eine Frau Warzen, so muß sich ein Mann die Zahl derselben, ohne die Warzen gesehen zu haben, durch einen Dritten sagen lassen, in einen Faden Zwirn so viele Knoten knüpfen, als ihre Zahl beträgt und diesen Faden vergraben; dann verschwinden sie. Umgekehrt kann einem Manne auf diesem Wege nur eine Frau die Warzen vertreiben. (N. Pr. Pr.-Bl. I, S. 132.)

Knüpft man soviel Knoten in einen Faden als man Warzen hat und läßt die Knoten von einem Andern zählen, so bekommt dieser die Warzen. (Samland.)

Wer die Warzen Anderer neugierig zählt, bekommt sie auf seine Hände. (Friedland i. Pr.)

Bei Grabgeläute geht der mit Warzen Behaftete stillschweigend an ein fließendes Gewässer, schöpft stromab eine Hand voll Wasser, wäscht vorwärts gehend die Warzen und spricht dabei:

Sie läuten den Todten in das Grab,
Ich wasche meine Warzen ab.
(Labiau.)

Sieht man zwei Personen auf einem Pferde reiten, so kann man seine Warzen verlieren, wenn man diese reibt und den Reitenden zu- oder nachruft:

Zwei, nehmt den Dritten mit!

Im Ermlande: Ihr Zwei, nehmt den Dritten mit. Adieu, Warzen!

Man sieht den Vollmond an und sagt dreimal:

"Da ist was und hier (indem man die Warzen berührt) ist nichts."
Das wiederholt man drei Tage hintereinander.
(Hohenstein. Töppen, S. 55.)


Freitag vor Vollmond soll man den Mond ansehen und sprechen:

Was ich ansehe, nehme zu, und was ich anfasse, nehme ab!

Dies wiederholt man dreimal hintereinander, immer Freitag vor Vollmond.
(Hohenstein. Töppen, S. 55.)

Quelle: H. Frischbier, Hexenspruch und Zauberbann. Ein Beitrag zur Geschichte des Aberglaubens in der Provinz Preußen, Berlin 1870. S. 93ff
Für SAGEN.at korrekturgelesen von Gabriele U., Juli 2005.
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