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Vom Liebeszwang.

Die Gegenliebe eines geliebten Wesens zu gewinnen, giebt es gar mannigfache Mittel, unschuldiger und diabolischer Natur.

Nimmt man zum heiligen Abendmahle eine Blume mit und wischt mit dieser nach dem Genusse des Weines den Mund, so erhält die Blume die Kraft, den Begehrten (die Begehrte) dauernd in Liebe zu fesseln, wenn er (sie) die Blume annimmt.

Will man sich die Gegenliebe eines geliebten Wesens verschaffen, so muß man ihm heimlich in Speisen oder Getränk einen Tropfen des eigenen Blutes beibringen. Das Mittel wirkt unfehlbar.

Läßt man einen Apfel oder eine Semmel, welche man in den Kleidern bei sich tragt, vom Schweiße des Körpers bethaut werden und bietet die Frucht oder das Gebäcke dem Begehrten des andern Geschlechts an, so bindet man diesen an sich, wenn er Apfel oder Semmel verzehrt.

Wünscht ein Mädchen einen jungen Mann an sich zu fesseln, so muß sie, trifft sie ihn einmal sich die Hände waschend an, ihm ihre Schürze oder ihr Taschentuch zum Abtrocknen geben. Benutzt er das Dargereichte, so kann er sie nimmer lassen, sondern muß ihr stets nachgehen.

Zu gleichem Ziele gelangt sie, wenn sie ein seidenes Halstuch einschwitzt, es darauf zu Zunder verbrennt und ihm davon in Speisen oder Getränken zu genießen giebt. Es genügt auch, wenn nur die Bänder der Schürze verbrannt werden und der so gewonnene Zunder in der angegebenen Weise verwandt wird.

Kann man von dem Haupte des Mädchens, das man begehrt, drei Haare bekommen, so klemme man diese in eine Baumspalte, so daß sie mit dem Baume verwachsen müssen - das Mädchen kann dann nicht mehr von Einem lassen.

Ein Mädchen vermag dagegen eine Mannsperson sehr leicht an sich zu fesseln, wenn sie ihm in die Stiefel pinkelt.

Sieht man im Frühjahre zwei Frösche im Begattungsakte, so durchsteche man sie mit einer Nadel, und stecke diese unvermerkt in das Kleid des Mädchens, das man gerne haben möchte; sie wird alsdann sicher des Betreffenden Braut, resp. Frau. In Masuren heftet man, wenn auch nur auf einen Augenblick, die eigenen Kleider mit den Kleidern der Geliebten zusammen. (Töppen, S. 88.)

Hirschbrunst oder Hirschtrüffel in Bier eingegeben wirkt Wollust erweckend und führt den Begehrten herbei.
Man schieße eine Eule und koche sie in der Mitternachtsstunde. Alsdann suche man aus ihrem Kopfe zwei Knöchelchen, welche wie Hacke und Schaufel gestaltet sind und im Volksmunde auch diese Namen führen. Das Uebrige von der Eule vergrabe man unter die Traufe. Wünscht man nun ein Mädchen für sich zu gewinnen, so darf man sie nur heimlich mit der Hacke berühren: sie ist "festgehakt"; wünscht man jedoch, sie wieder los zu sein, so darf man sie nur mit der Schaufel berühren, sie fällt alsbald von dem Geliebten ab. Letzteres Resultat erreicht man auch, wenn man dem Mädchen heimlich die Bänder der Schürze abschneidet und andere annäht.

Wenn man da, wo es Niemand hören kann, dreimal laut den Namen der geliebten Person ruft, so zwingt man sie dadurch, an den Rufenden zu denken.

(Das bisher Mitgetheilte ist im Samlande üblich.)

Bestimmte Tage sind dem Liebeszwange besonders günstig; es sind dies Johann (24. Juni), Andreas (30. November) und Sylvester (31. December).

Am Johannisabend streut man in der Gegend von Angerburg einen beliebigen Samen in die Erde und spricht dabei:

Ich streu' meinen Samen
In Abrahams Namen,
Diese Nacht mein Feinslieb
Im Schlaf zu erwarten,
Wie er geht und steht,
Wie er auf der Gasse geht!

Vergl. Müllenhoff, S. 518, Nr. 37. -

Oder man streut Leinsamen in's Bett und spricht:

Ich säe Leinensamen
In Gottes Jesu Namen,
In Abrahams Garten
Will ich mein Feinslieb erwarten!
(N. Pr. Pr.-Bl, X, S. 119, Nr. 195.)

Beide Formeln bewirken es, daß der Bräutigam im Traume erscheint.

Am Andreasabende streut man eine Hand voll Hafer und Leinsaat unter sein Kopfkissen und spricht dazu:

Hafer und Lein, ich säe dich,
Heil'ger Andreas, ich flehe dich:
Laß mir im Traum erschein'n
Heute den Liebsten mein,
Wie er geht, wie er steht,
Was er im Herzen trägt!

In Ermangelung von Hafer oder Lein stößt man dreimal mit den Füßen an das untere Ende des Bettes und spricht:

Bettlad', ich trete dich,
Heil'ger Andreas ich bitte dich:
Laß mir im Traum etc.

Nun träumt man von dem Liebsten. (Königsberg.)

Im Samlande brauchen die Mädchen auch folgende Formel:

Heil'ger Andreas, ich bet' dich an,
Du brauchst eine Frau und ich einen Mann;
Laß du mir im Schlaf erschein'n,
Wer mein Geliebter soll sein!

Der Sylvesterabend ist vorzugsweise geeignet zur Entscheidung der Frage, ob man im Laufe des neuen Jahres heirathen werde und zur Ermittelung des künftigen Bräutigams.

Ob sie im kommenden Jahre überhaupt heirathen werde, kann ein Mädchen sehr leicht erfahren. Sie gehe um Mitternacht in den Schafstall und greife, natürlich im Finstern, ein Schaf. Ist das ergriffene Thier ein Mutterschaf, so wird aus der Heirath nichts; ergriff sie jedoch einen Hammel oder gar einen Bock, so kommt die Heirath sicher zu Stande. (Samland.)

Nach den N. Pr. Prov.-Bl. VI, S. 218, Nr. 40 thut ein Gänsestall dieselben Dienste; natürlich ist in diesem Falle ein Ganter der Heilverkünder.

Zieht man in der Mitternachtsstunde eine Hand voll Stroh aus dem Dache und zählt die Halme einzeln, so heirathet man im kommenden Jahre, wenn die Zahl gerade ist; ist sie ungerade, so muß man sterben. (Ermland. N. Pr. Pr.-Bl. VI, S. 218, Nr. 42.)

Im Samlande bedient man sich zu gleichem Zwecke eines Armes voll Holz.

Das Mädchen zieht sich am Sylvesterabend in ihre Kammer zurück, deckt dort für zwei Personen und setzt sich allein zu Tisch. Wird dann um 12 Uhr angeklopft, so kann sie im nächsten Jahre sicher auf einen Bräutigam rechnen. (N. Pr. Pr. -Bl. VI, S. 218, Nr. 46.)

Oder sie tritt mit zwei brennenden Lichten in den Händen vor den Spiegel und ruft dreimal den Namen des Jünglings, den sie im Herzen trägt. Sieht sie dann im Spiegel sein Bild, so wird er nach ihr freien; sonst aber grinzt der Teufel ihr über die Achseln. (Samland. N. Pr. Pr.-Bl. VI, S. 219, Nr. 47.)

Aus welcher Gegend der Bräutigam kommen wird, läßt sich sehr leicht ermitteln, wenn das Mädchen in der Mitternacht in Begleitung eines Hundes an einen Zaun geht, diesen schüttelt und dabei spricht: "Tuunke, öck schedder di!" Der Hund fängt an zu bellen und nach welcher Gegend er dabei sieht, aus der kommt der Bräutigam. Oder sie schlägt mit einem Waschholz an den Zaun und merkt auf, aus welcher Gegend zuerst Hundegebell ertönt. (Samland.)

Wer der Bräutigam sein wird, kann das Mädchen in der Sylvesternacht ebenfalls mit Leichtigkeit erfahren.
Um die Mitternachtsstunde stellt sich das Mädchen nackt auf den Herd und sieht durch die Beine in den Schornstein oder in's Ofenloch, dort erblickt sie den ihr bestimmten Bräutigam. - Geht sie um Mitternacht auf einen Kreuzweg, so wird sie dort dem ihr bestimmten Bräutigam begegnen.

Stellt sich das Mädchen Mittags an's Fenster und ißt Aepfel, so ist der, welcher dann zuerst vorbeikommt, der ihr bestimmte Bräutigam.

Das Mädchen deckt am Sylvesterabend einen Tisch in der Nebenstube ihres Schlafzimmers und stellt ein Glas Wein, ein Glas Bier und ein Glas Wasser hinauf. Des Morgens sieht sie nach, aus welchem Glase getrunken ist. Fehlt Wein, so bekommt sie einen reichen Mann, fehlt Wasser, so bekommt sie einen armen Schlucker, fehlt Bier, so wird ihr Mann zwischen beiden die Mitte halten.

Man schreibt drei Namen auf verschiedene Zettel, steckt sie in einen Strumpf und legt diesen unter das Kopfkissen. In der Nacht greift man in den Strumpf, zieht einen Zettel heraus und erfährt durch ihn den Namen des bestimmten Bräutigams.
(Das bisher Mitgetheilte ist Gebrauch im Samlande. N. Pr. Pr.-Bl. VI, S. 218, 219.)

Beim Schlafengehen streut man Hafer und Leinsamen unter das Kopfkissen und spricht:

Ich säe Hafer und Lein!
Wer mein Geliebter (Geliebte) soll sein,
Komme im Traum und erschein':
Wie er geht,
Wie er steht,
Wie er in die Kirche geht!

Die geliebte Person erscheint im Traume. (Samland.)

Will man wissen, von welcher Gestalt der Geliebte sein wird, so geht man um Mitternacht ohne Licht in den Holzstall und zieht eine Klobe Holz aus dem Holzstoße. Nach der Gestalt der herausgezogenen Klobe richtet sich auch die Gestalt des künftigen Liebsten. Ist sie z. B. krumm, so wird er verwachsen sein. (Samland. N. Pr. Pr.-Bl. VI, S. 218, Nr. 41.)

Ebenso wichtig ist der Sylvesterabend zur Entscheidung der Frage, ob ein Liebespärchen im Laufe des kommenden Jahres Hochzeit machen werde.

In eine Schale mit Wasser träufelt man zwei Tropfen Lichttalg oder Wachs. Einer dieser Tropfen stellt den Bräutigam, der andere die Braut dar. Kommen sie schwimmend zusammen, so giebt's im neuen Jahre Hochzeit. Man pflegt auch kurze Wachskerzchen in ausgeleerte halbe Wallnußschalen zu setzen. Kommen diese Schiffchen noch während die Lichtlein brennen zusammen, so heirathet das Brautpaar. (Samland.)

Das Mädchen reitet auf einem Besen bis an die Thür des Pferdestalles und horcht. Wiehert ein Pferd, so kommt sie mit ihrem Schatz im neuen Jahre in die Ehe; hört sie dagegen die laute Blähung eines Pferdes, so muß sie im kommenden Jahre Kindtaufe geben, ohne einen Mann zu haben. (Samland.)

Die Braut legt beim Zubettgehen ein Gesangbuch unter das Kopfkissen. In der Nacht kneift sie ein Ohr in ein Blatt und sieht am Morgen nach, wo das Zeichen steht. Hat es ein Hochzeitslied getroffen, so giebt's unfehlbar Hochzeit im Laufe des Jahres; traurig jedoch wäre es für die Braut, wenn sie ein Todtenlied bezeichnet hätte - sie würde im Laufe des neuen Jahres sterben.

Man geht unter das Fenster einer Stube, in welcher eine laute Unterhaltung gepflogen wird, und fragt: "Werde ich heirathen?" Erfolgt auf diese Frage zufällig ein Ja! als Antwort, so ist die Heirath sicher; hört man dagegen ein Nein! so wird nichts aus derselben.

Auch das in der Sylvesternacht gegossene Zinn kann der Aussicht auf die Verheirathung sichere Bestätigung geben, wenn der Guß die Form eines Kranzes gewann; gestaltete er sich jedoch zu einem sargähnlichen Gebilde, so stirbt man.

Geht man in der Mitternachtsstunde dreimal rückwärts um's Haus und sieht nach beendetem Gange auf's Dach, so wird man im Laufe des neuen Jahres heirathen, wenn man einen Kranz erblickt. Gewahrt man dagegen einen Sarg, so stirbt man - einen Storch, so giebt's Kindtaufe - einen Hahn, so brennt das Haus ab. (Samland.)

Quelle: H. Frischbier, Hexenspruch und Zauberbann. Ein Beitrag zur Geschichte des Aberglaubens in der Provinz Preußen, Berlin 1870. S. 159ff
Für SAGEN.at korrekturgelesen von Gabriele U., Juli 2005.
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