SAGEN.at >>Informationen, Quellen, Links >> Dokumentation >> Hexenspruch und Zauberbann

   
 

Gegen einen schlimmen Hals.

Einen schlimmen, bösen, d. h. kranken Hals bekommt man, wenn man mit Katz und Hund aus einem Teller ißt. (Dönhoffstädt.)

Wenn das Zäpfchen angeschwollen und dadurch, größer geworden, die hintere Zunge berührt, so sagt man: die Hucke, d. i. das Zäpfchen, ist herabgefallen. Die Hucke muß wieder aufgezogen werden, was gewöhnlich mit einem Löffelstiel geschieht, den man gegen das Zäpfchen drückt; derartig erkrankte Kinder läßt man auch auf einen Schemel oder niedrigen Tisch steigen, faßt einige Wirbelhaare und läßt die Kinder auf den Boden springen. Die Haare reißen aus und die Huck' ist aufgezogen.

Kleinen Kindern hängt man gegen Halsschmerzen ein Beutelchen um den Hals, worin sich die abgeschnittenen Vorderfüße eines Maulwurfs befinden.

Besprechungsformeln:

1. Man streicht den Hals mit den Daumen, die man mit Speichel anfeuchtet oder in Fett getaucht hat und spricht dreimal:

Die Mandeln und die Huken,
Das Schloß kann nicht schließen (plattd. schluten).
I. N. G. etc.
(Bürgersdorf bei Wehlau, N. Pr. Pr.-Bl. VIII, S. 26.)

2. Maria ging über die lange, grüne Brücke,
Begegnete Jesum Christum,
Jesus Christus fragte Maria: Wo gehest du hin?
Ich gehe dem getauften Karl Klaus vor den schlimmen Hals rathen.
Geh, rathe ihm! (Allenburg.)

Quelle: H. Frischbier, Hexenspruch und Zauberbann. Ein Beitrag zur Geschichte des Aberglaubens in der Provinz Preußen, Berlin 1870. S. 64 - 65.
Für SAGEN.at korrekturgelesen von Gabriele U., Juli 2005.
© www.SAGEN.at