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Wider den Schlangenbiß.

1. Ist Jemand von einer Schlange gebissen worden, und will man nun dagegen rathen, so sticht man mit einem Messer aus dem Erdboden ein rundes Stückchen Erde, bestreicht mit demselben die Wunde und spricht:

Die Schlange sticht,
Christus spricht:
Gift aus der Wunde,
Heil' aus Herzensgründe!
I. N. G. etc.

Darauf schließt man mit dem Stückchen Erde wieder die Oeffnung im Erdboden und hebt unmittelbar darauf ein zweites Stückchen aus demselben, wiederholt die Besprechung wie angegeben und verfährt ebenso auch zum drittenmale.
(Bürgersdorf bei Wehlau. N. Pr. Pr.-Bl. VIII, S, 24.)

2. Ist man von der Schlange gebissen, so nimmt man das erste beste Stäbchen oder Spänchen, das man findet, zerbricht es stillschweigend in drei Theile, bestreicht mit jedem Stückchen die Wunde und spricht jedesmal:

Die Schlange stach,
Die Jungfrau sprach,
Die Amarie schwur,
Daß der Schwulst 'raus fuhr. (Labiau.)

3. Grauer stach,
Christus sprach,
Maria sagt: Du sollst nicht sterben!
Im Namen etc.

Ohne Amen. (Goldap.)

4. "Die Schlange sticht!"
Unser Herr Christus spricht.
Hat unser Herr Christus dies nicht gesprochen,
So hat die Schlange auch nicht giftig und tödtlich gestochen
. (Samland.)

5. Im Namen etc. Amen.

Die Schlange hat gebissen, der Teufel hat der Schlange das eingegeben, der Herr Gott hat dich erschaffen, der Herr Gott hat dir die Macht nicht gegeben; du sollst dieses Gift schleppen über die Wiesen, Brücher, Felder, wo es nichts schaden wird, nicht mit meiner Macht, sondern mit des Herrn Jesu Hülfe.

Dreimal Amen sagen und drei Ave Maria beten.
(v. Tettau und Temme, S. 272.)

6. Die Otter und die Schlang',
Die spielen beid' im Sand,
Die Otter beißt, die Schlange sticht,
Gott den Vater vergesse nicht!
(Allenburg.)

7. Der von der Schlange Gebissene steckt den verwundeten Körpertheil in Buttermilch, und dann wird gesprochen:

Maria Gottes spielt' und sang,
Ich rath für die Otter und für die Schlang'!
Im Namen etc.

Oder:

Die Schlange stach, die Otter biß,
Mutter Maria schwur,
Daß alles böse Gift hinausfuhr.
Im Namen etc
. (Wehlau.)

8. Vater unser etc. Ich versegne euch durch Gottes Macht und des Herrgottes Hülfe, ihr Schlangen und weibliche Schlangen (weze wezyce), ihr Ottern und weibliche Ottern (zmije, zmijice), ihr Feldwürmer und sämmtliches Gewürm. Aus der Blüthe (?) bist du geboren, der Teufel hat dich geschaffen, unser Herr Jesus gab dir den Geist, aber er gab dir kein Gift und keine Macht. Durch Gottes Macht und des Sohnes und des heiligen Geistes Hülfe, wie das Wasser dahin fließt, so soll auch dieser und dieses dahinfließen, im Namen etc.

Dann hauche dreimal auf die Wunde, begieße sie mit Wasser oder wasche sie aus. (Töppen, S. 45.)

Die Schlange zu besprechen.

9. Schlange, du erster Sündenfall,
Christus dir den Stachel nahm,
Maria dir den Kopf zertrat,
Daß du mußt liegen wie ein Stab!
Im Namen etc. +++
(N. Pr. Pr.-Bl. a. F. XI, S, 158.)

10. Ich verfluche dich, verfluchtes Gewürm, im Namen des Vaters etc. Ich segne dich zugleich, du Ochse (Kuh), gegen alles Gewürm, welches der Teufel geschaffen, der Herrgott soll ..... von Sonnenaufgang und bis Sonnenuntergang; der Herrgott hat es ihm verboten. Nun segne ich dich gegen …. gegen die männliche und weibliche Schlange, gegen die männliche und weibliche Natter, gegen die männliche und weibliche Blindschleiche, gegen die männliche und weibliche Eidechse, gegen die männliche und weibliche Maulwurfsgrille, und gegen männliche und weibliche Wiesel, nicht durch meine, meine etc. Vaterunser ohne Amen.
(Töppen, S. 48.)


Quelle: H. Frischbier, Hexenspruch und Zauberbann. Ein Beitrag zur Geschichte des Aberglaubens in der Provinz Preußen, Berlin 1870. S. 86ff
Für SAGEN.at korrekturgelesen von Gabriele U., Juli 2005.
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