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Gegen die Rose.

1. N. N., ich rathe dich (!) vor das Feuer und die Gluth,
Ich löse dich mit meinem Schweiß und meinem Blut,
Du sollst nicht reißen und auch nicht spleißen,
Du sollst nicht schwellen und auch nicht schwären
Bis die Mutter Jesu den andern Sohn wird gebären.
Im Namen etc.

Ist dreimal zu sprechen, während man die linke Hand auf das Haupt des Kranken legt und mit der rechten über die Geschwulst von oben nach unten streicht. (Plimballen bei Kraupischken.)

2. Man nenne den Kranken beim Taufnamen und spreche:

Ich überfahr' dich,
Gott der Herr bewahr' dich,
Gott der Herr ist der höchste Nam',
Der siebenundsiebenzig Flüch' fällen und stellen kann.
In unseres Herrn Gottes Garten da stehen drei Rosen:
Die eine heißt "gut",
Die andere heißt "nicht gut",
Die dritte heißt "stehe still, du wildes Blut".

Dreimal. Mit der Hand wird um die Rose gefahren und über Kreuz darauf gehaucht.
(Neudorf bei Graudenz.)

3. Unser Herr Christus fuhr über das Meer,
Stach sich am Speer,
Das schwoll nicht,
Das quoll nicht,
Es kam kein Eiter,
Es kam kein Blut
Aus seinen heiligen fünf Wunden roth.
Im Namen des Vaters etc. +++

Die Formel muß "ohne andere Gedanken" (Nebengedanken) hergesagt und ebenso müssen auch die drei Kreuze gemacht werden. (Werder.)

4. Ich gehe über die grüne Brücke,
Begegne der heiligen Marie.
Die heilige Marie fragt: Wo gehst du, wo schreitest du?
Ich gehe und schreite zum getauften (Name),
Seinen großen Schmerz und großen Anstoß zu besprechen,
Und wenn es 'raus ginge aus seinem Kopfe,
Aus seinen Händen, aus seinen Füßen und seinen Knochen,
Und ginge in's tiefste Meer, wo kein Hahn danach kräht
!

Aus dem Littauischen übersetzt. Der Einsender hat die Formel von einem Frauenzimmer, welches Vielen damit geholfen haben will.

5. Ros' in's andre!
Du mußt wandre
Ueber das rothe und weiße Meer
Und thu' nimmer weh!
(Allenburg.)

6. Der See liegt in dem Lande,
Die Rose hackt in mein' Schweiß,
Komm, heilige Dreifaltigkeit
Und bring' die böse Rose aus meinem Fleisch.

7. Die Rose und die Weide,
Die beiden stehn im Streite,
Die Weide gewann
Und die Rose verschwand.


Ueber die Rose wird kreuzweise gehaucht. (Plibischken.)
Vergl. Grimm, Myth. S. 1196.

8. De Ros' de hefft so roth wie Kraft,
De kalte Mann de Todeshand. (?)
Im Namen des Vaters etc.
(Goldap.)

9. Unser Herr Christus ging in den Garten,
Die heiligen Engel thäten auf ihn warten,
Unser Herr Christus blieb stille stehn:
So soll dieser Schwulst vergehn.

10. Unser Herr Jesus ging durch ein Blumenthal, darinnen waren drei Rosen; die eine hieß Gott Vater, die andere Gott Sohn, und die dritte Gott heiliger Geist; also soll diese Rose auch sein. Im Namen etc. (N. Pr. Pr.-Bl. a. F. XI, S. 158.)

11. Ich verbiete die Feuer und Schwulst,
Du sollst nicht schwelle,
Du sollst nicht quelle,
Du sollst nicht riete,
Du sollst nicht spliete!
(Allenburg.)

12. Bedare das heißes Gluth (sic!),
Dich will ich löschen mit meinem Schweiß und Blut!
Du sollst nicht reißen,
Du sollst nicht spreißen,
Du sollst nicht källen,
Du sollst nicht schwellen,
Du sollst nicht gähren,
Du sollst nicht schwären,
Du sollst nicht stechen,
Du sollst nicht brechen,
Du sollst nicht wehe thun!
Im Namen etc. (
Pillkallen.)

13. Es ging die Mutter Gottes einen grünen Steg und begegnete dem Herrn Christus selbst, der sie fragte: Wohin gehst du, Mutter Gottes? Ich gehe zu dem getauften N. N., die Rose segnen mit fünf Fingern und der sechsten Handfläche, und bitte, daß sie ihn nicht reiße, nicht rüttele, das Gehirn nicht austrockene, das Blut nicht vergieße. Ist sie vom Winde, so gehe sie zum Winde, ist sie vom Wasser, so gehe sie auf das Wasser. Nicht durch meine etc.

14. Wohin gehst du, Mutter Gottes? Ich gehe zu dem getauften N. N., das Feuer besprechen, vom Feuer erlösen, vom rosigen Feuer, vom stürmischen Feuer, vom zornigen Feuer. Es schwimmt ein Federchen auf dem Meere so sehr leicht und so sehr still. Gieb Gott, daß diesem getauften N. N. das Feuer, das rosige Feuer, das stürmische Feuer, das zornige Feuer, hinausgehe ohne Rütteln und Reißen, durch des Herrn Jesu, durch des heiligen Geistes und durch aller heiligen Engel Hülfe, im Namen Gottes etc.

15. Es ging die Mutter Gottes auf eine grüne Wiese, und ihr nach ging ihr Söhnchen. Wohin gehst du, liebe Mutter? Ich gehe die rosigen Geschwüre segnen, komm mit mir, liebes Söhnchen, du wirst mir behülflich sein. Gehe, liebe Mutter, segne ihn mit meiner, meiner, deiner Hülfe, daß sie verschwinden aus seinem Kopfe, seinem Gehirne, seiner Leber und allen Gliedern, so still und leicht, als möglich, durch Gottes Hülfe etc.

16. Im rothen Meere steht ein Stein, darauf ein aufgemachtes, mit Baumwolle bedecktes Bett, dort hast du rosiges, durchlöchertes Geschwür deine Schlafstätte. Schlafe und ruhe aus bis zum jüngsten Gerichte. Im Namen Gottes etc. (Nr. 13-15 aus Töppen, S. 49.)

17. Jesus ging im Dillgarten mit einem Brand in seiner Hand und sprach: "Du sollst nicht weiter sengen noch brennen."

Diese Formel wird drei Tage hintereinander nach Sonnenuntergang je dreimal gesprochen; dabei pustet man jedesmal dreimal leicht auf die kranke Stelle, schlägt darüber segnend ein Kreuz und spuckt dreimal auf die Erde.
(Töppen, S. 51.*)

*) Der oppositionelle Volkshumor persiflirt die Besprechungen der Rose durch folgende Formel, die aus Jerrentowitz eingesandt ist:

Dat di nech d' Katt ablarrt,
Dat di nech dat Heck aknarrt,
Dat di nech de Hund abellt,
Dat't di nemme meh schwellt,
Dat't di nemme meh rett,
Dat di de Hund wat sch -!

 

Quelle: H. Frischbier, Hexenspruch und Zauberbann. Ein Beitrag zur Geschichte des Aberglaubens in der Provinz Preußen, Berlin 1870. S. 82ff
Für SAGEN.at korrekturgelesen von Gabriele U., Juli 2005.
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