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Gegen das kalte Fieber. Die günstigste Zeit, in welcher man sich vom kalten Fieber befreien
kann, ist die des abnehmenden Lichtes und des Neumondes.
Um das Fieber zu vertreiben, wendet man nachfolgende Mittel an:
betet das Vaterunser und geht stillschweigend nach Hause. (Ermland.) Man wickelt eine kleine Münze in ein Papier und bindet das Päckchen an einen Galgenpfahl. Das Fieber bleibt alsdann aus; wer jedoch das Papier vom Galgen ablöset, bannt sich das Fieber auf. In Masuren dreht man zu gleichem Zwecke ein Geldstück in den Glockenstrang. (Töppen, S. 54.) Man muß auf einem Besen aus dem Hause hinausreiten auf den Kreuzweg,
dort den Besen liegen lassen und wieder nach Hause eilen, ohne ein Wort
zu sprechen. Man gehe auf einen Grenzrain, schneide ein Loch in den Rasen, hauche dreimal hinein und verstopfe es schnell wieder. (Hohenstein. Töppen, ibid.) Wenn der Fieberanfall und die Hitze vorüber sind, ziehen die Kranken
das Hemde aus und tragen es Abends nach Sonnenuntergang, oder Morgens
vor Sonnenaufgang, wenn möglich an einem Donnerstage, nach einem
Kreuzweg und hängen es dort am Wegweiser auf. Siehe Formel 2. Ein gutes Präservativ gegen das kalte Fieber sind drei Palmen (Blüthenknospen
der Weiden), die man ganz, d. h. ungekaut, verschluckt. Gleich wirkt der
Genuß der BIüthen der drei ersten Aehren, welche man im Frühjahre
antrifft. Man legt einen Krebs in Branntwein und läßt ihn darin sterben,
alsdann trinkt man den Branntwein. Sieben Läuse auf Butterbrot sind gut gegen das Fieber. (Dieses Mittel wird zugleich auch gegen die Gelbsucht gebraucht. Pr. Pr.-Bl. II, S. 408.) Man wirft Fieberkranken mit einem Topf nach, oder sucht sie auf andere Weise zu erschrecken; denn Schreck soll ein gutes Mittel gegen das Fieber sein. Das beste und gepriesenste Mittel ist jedoch folgendes: Mache nachstehende Zeichen:
etwa auf Butterbrot oder auf eine Semmel etc. und setze darunter den Vor- und Zunamen des Kranken. Kommt das Fieber, so muß dieser das Butterbrot etc. aufessen. Wer es in gutem Glauben ißt, wird sicher gesund. (Vom Aberglauben etc. Pr. Pr.-Bl. VIII, S. 186 f.) Hieran schließe ich nachfolgende Besprechungsformeln gegen das kalte Fieber. 1. Am Tage oder bei der Nacht zwischen 11 und 12 Uhr nimmt man einen Eßlöffel voll Salz in die linke Hand, geht an ein fließendes Wasser, streut mit der rechten Hand das Salz in's Wasser, indem man das Gesicht nach der Mündung kehrt und spricht:
Vergl. Wolf, Zeitschr. f. d. Myth. u. Sittenk. I, S. 199.
Der Fieberkranke geht über neun Grenzen und nimmt eine Kupfermünze und ein Stückchen Brot, in ein Läppchen gewickelt, mit. Auf der neunten Grenze legt er es unter einen Stein, während er dabei obige Worte unter Bekreuzung spricht. (Jerrentowitz.)
Der Fieberkranke geht an eine Weide und bindet unter Sprechung obiger Worte einen Knoten in die Zweige. (Jerrentowitz.)
Dreimal. Dem Patienten wird beim Hersagen ein Garnfaden um den Leib gewunden, der jedesmal mit einem Knoten geschlossen wird. Der Kranke trägt den dreifachen Faden mit den drei Knoten drei Tage, geht dann an einen Fluß, kehrt diesem den Rücken, zerreißt die Fäden und wirft dieselben rücklings, ohne zu sehen wohin, in den Fluß. (Plibischken)
Die Formel wirkt nur bei folgender Anwendung. Man geht vor Sonnenaufgang an ein fließendes Wasser, ohne umzuschauen, nimmt (dreimal) den Mund voll Wasser, speit dieses in den Fluß und spricht obige Verse. (Werder.)
9. Verbohren des Fiebers. Der Kranke nimmt einen Bohrer, einen hölzernen Nagel und einen Hammer und geht damit an einen Baum, Pfahl, an eine Brücke etc. Hier bohrt er ein Loch ein, haucht dreimal in dasselbe hinein, indem er, seinen Namen nennend, spricht: (Marie) es ne to Huus (ist nicht zu Hause)! Hierauf wird das Loch mit dem Nagel zugeschlagen. - Auf dem Heimwege darf man sich nicht umsehen, auch darf auf dem Hin- und Rückwege kein Wort gesprochen werden. (Jerrentowitz.) 10. Du verfluchtes Fieber, dich beschwöre ich über deine Macht, du sollst nicht bestehen von heute; gleich vergehe! Ich beschwöre dich über Christi Kreuz! (N. Pr. Plov.-Bl. a. F. XI, S. 158.) 11. Im Namen etc. Es ging Gottes Mütterchen durch einen Kastanienwald, auf dem Wege begegnet ihr der Herr Jesus selbst. Wohin gehst du, meine Mutter? Ich gehe zu diesem Getauften, um zu heilen die kalten Leute, die weißen (blassen) Leute. Weichet von diesem Getauften, aus seinen Sehnen, aus seinem Mark, aus seinem Haupte, durch die Macht Gottes und des Sohnes Gottes und des heiligen Geistes Hülfe! Ich treibe euch aus unter die Steinwurzel in wüste Wälder, auf wüste Felder, wohin nichts kommt. Vater unser etc. (Töppen, S. 46.) Anmerkung. In meinen "Preuß. Sprichwörtern etc. 2. Aufl. Berlin, 1865" findet sich unter Nr. 41 nachfolgender Reim:
Es ist dieser Reim offenbar der Ueberrest einer alten Besprechungsformel. In einem Artikel: "Aargauer Besegnungen" (Zeitschr. f. deutsche Myth. u. Sittenk. IV, S. 107) lautet die Formel:
Aus Philo, magiologia 1657, 791.
Statt des Hexenweibes, durch dessen Zauber das kalte Fieber entsteht,
nennt man die Eiche, der man das Fieber überbringt, gleichfalls "gode
olle". (Kuhn u. Schwartz, Norddeutsche Sagen etc. S. 439.) - Nach
Pisanski (Nr. 24, §. 15) hat man früher durch das Evangelium
Johannis das Fieber vertrieben; auf welche Weise, ist jedoch nicht mitgetheilt. Quelle: H. Frischbier, Hexenspruch und Zauberbann.
Ein Beitrag zur Geschichte des Aberglaubens in der Provinz Preußen,
Berlin 1870. S. 50 - 56. |