SAGEN.at >>Informationen, Quellen, Links >> Dokumentation >> Von Brauchtum und Volkskultur in Tirol

   
  HERBST

Von geschmücktem Vieh und Erntekronen

Im Sommer hat der Bauer so viel Arbeit, daß für aufwendige Bräuche keine Zeit bleibt. Erst wenn die Ernte eingebracht und das Vieh von der Alm getrieben ist, kann wieder gefeiert werden.

Ende September ist die Zeit des Almabtriebs, der mit Almkirchtagen und Dankgottesdiensten gefeiert wird und von verschiedenen Bräuchen umrankt ist. Der Zug der Herden von den Almen in die Dörfer bietet überall im Land einen außergewöhnlichen Anblick: Viele der Tiere, allen voran die »Kranzkuh«, tragen prunkvollen Kopfputz, Kränze und besonders geschmückte Schellriemen. Die ganze Bevölkerung freut sich. Selbst der Autofahrer, der wegen des bunten Zuges längere Zeit warten muß, wird sich durch das Erlebnis eines echten Almabtriebs entschädigt fühlen.

Das Ernte- und Schlachtfest im Oktober ist im Laufe der Zeit mit dem allgemeinen Kirchweihfest zusammengelegt worden. Der in der Kirche dargebrachte Dank für eine gute Ernte - vielfach durch das Binden einer Ährenkrone zum Ausdruck gebracht verträgt sich bestens mit dem turbulenten Kirchtagstreiben, mit Tanz und besonderen Speisen, wie etwa den Kirchtagskrapfen. Außer dem Kirchweihfest im Oktober feiern viele Dörfer noch einen anderen "Kirchtag", nämlich das "Patrozinium" am Festtag des Kirchenheiligen.

Reich verzierter alter Schellriemen für eine Kuhglocke
und geschnitzter Schafkampen.
© Tiroler Volkskunstmuseum, Bildarchiv




Almabtrieb im frühen 19. Jahrhundert, gezeichnet von Jakob Placidus Altmutter
Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum



Oft kommen die prachtvoll geschmückten Tiere beim Almabtrieb erst spät abends ins heimatliche Dorf.
© Friedrich Haider



Mit einer Ähren- oder Erntekrone bringt die Jungbauernschaft eines Ortes, ein einzelner Weiler oder auch eine Familie den Dank für eine gute Ernte zum Ausdruck.
© Lottersberger-Foto



Mit dem Erntedank verbindet sich vielfach buntes Kirchtagstreiben, wobei sich Tradition und moderne Zeit eng berühren.
© Wolfgang Retter