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Vom Salniter (Salpeter) und der seltsame Saliterer Beruf
Von Georg Opperer, 1934

Im 15. Jahrhundert, als das Schießpulver auch in Tirol als solches bekannt wurde, entstanden auch Produktionsstätten für dieses. Die Pulvermühlen. Solche wurden wegen ihrer Feuer- und Explosionsgefährlichkeit, weitab von menschlichen Siedlungen, Almen und Verkehrswegen errichtet. Zum Pulver machen brauchte man bekanntlich nebst Holzkohle und Schwefel auch Salpeter, im Volksmund Saliter.

Die Siederei wurde noch vor der Zeit errichtet, als Kaiser Franz I. durch ein Patent, datiert: Wien, 21. Dezember 1807, alle vorher, erstmals 1762, die Salitergewinnung und -verwertung betreffend erlassenen Verordnungen zusammenzog, sie der öffentlichen Verwaltung unterstellte und als "ausschließlich dem landesfürstlichen Regale vorbehalten" erklärte. dieses Patent ist "Namens seiner Majestät gezeichnet" von Alois Graf von Ugarte, Frz. Freiherr von der Mark, Josef Karl Graf von Dietrichstein und Franz Josef Graf von Guicciardi. Die Salitergewinnung war demnach kaiserlich und wurde vom Ärar betrieben, so wie das Pulvermachen. Durch Arbeitsleistung beim Salpeterwerk konnten junge Leute, die zum Militär ausgelost wurden, ihre Dienstzeit vollbringen, wenn sie sich geeignet und vertrauenswürdig erwiesen. Fallweise wurde die Salitergewinnung auch an Private vergeben. In Wörgl wurde damit im Jahre 1850 Leonhard Anker betraut. Der Betrieb war der Aufsicht der k.u.k. General - Artillerie - Direktion unterstellt.
Das waren die Saliterer.

In verschiedenen Orten tragen noch zur Zeit Wohnhäuser, deren Insassen einst Saliterer waren, den Namen "Beim Salterer". In der Gegend, wo ich zu Hause bin gibt es solche in Kundl, Wörgl und in Kirchberg.
Zum Schürfgebiet des Saliterers in Wörgl gehörte das Inntal aufwärts rechts bis an die Ziller, links bis an die Brandenberger Ache, dann Brandenberg, Angerberg, das Saulueg, das Leukental(Sölland) bis Scheffau, Kirchbichl, Häring und Schwoich.

Der Saliter ist ein Pilz welcher in dumpfen, von Licht und Luft abgeschlossenen Erdreich, in schlecht oder überhaupt nicht gelüfteten unterirdischen Gelassen an den aus rohen Bruchsteinen bestehenden Wänden und Decken und in den Ritzen des Gefüges der Steine im dort sich ansetzender Schimmel wuchert. In solchen Fundstellen wird der saliterhaltige Schimmel durch Abkratzen gesammelt. Die Besitzer von Gebäuden, in denen geschürft wurde, durften dies nicht verwehren, mußten aber schadlos gehalten werden.

Zur Gewinnung des Saliter wurde derselbe mit allen ihm umgebenden Material, Erde wie Schimmel, in Bottiche mit Wasser verrührt, diese Lauge dann nach Filtrieren durch frische Taxen oder Fichtenreisern hindurch in hölzernen Rohren in wagengroße Behälter (Holztruhen) gefüllt und zum Sudhaus des Saliterer gebracht, hier wurde sie in kupfernen Kessel durch Unterfeuerung zum Verdunsten gebracht, der zurückbleibende Saliter herausgenommen, sortiert und versandbereit gemacht. Abnehmer war ausschließlich die General - Artillerie - Direktion. Von dieser wurde Saliter nur an gewisse Fabrikanten, Scheidewasserbrenner, Selcher und Jagdinhaber für den eigenen Bedarf abgegeben. Schleichhandel mit Salpeter oder gar Schwarzschürferei unterlag strengen Geld- und Kerkerstrafen. Auch der Schwarzverkauf von Saliter von Sudhaus aus wurde mit 8 Gulden für 1 Pfund bestraft. Die Eingange aus den Geldstrafen und verfallenen Konterbanden wurde dem Pulverfonds zugeführt.

Schließlich wurde die Siederei eingestellt. Die großen Kessel erwarb der Erbauer des Bades "Eisenstein" bei Wörgl, der dieselben nach Umarbeitung durch den Wörgler Kupferschmied Pradler zur Erwärmung des Badewassers verwendet.

Georg Opperer, Vom Salniter (Salpeter) und der seltsame Saliterer Beruf, erschienen 1934.
Von Gottfried Opperer freundlicherweise für SAGEN.at zur Verfügung gestellt.
© digitaler Reprint: Gottfried Opperer.