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Die Hitta-Pudlerin - Ein Beitrag zu Hexen

Zur Zeit der Steirischen Landesausstellung "Hexen und Zauberer" auf der Riegersburg im Jahre 1987 suchte man nach "modernen Hexen", nach Frauengestalten, die noch vor einigen Jahren / Jahrzehnten gelebt haben. Man wollte damit aufmerksam machen, wie beleidigend und hart der Begriff "Hexe"  - zu einer Frau gesagt - war und auch heute noch ist. In einer Radiosendung wurde eine Frau aus Altenmarkt als Beispiel angeführt. Ich habe einige Nachbarn befragt, welche diese gekannt haben. Heraus kam ein etwas anderes Bild als jenes, das in der Radiosendung dargestellt worden war.

Unsere Altenmarkterin  hieß Anna Auner, geb. Tauschmann. Sie wurde als lediges Kind von Maria Hütter am 13. 6. 1864 geboren ("Hitta - Pudlerin").

Das Haus der Hitta-Pudlerin, Altenmarkt, Steiermark © far.a

Das Haus der "Hitta-Pudlerin" in Altenmark, Steiermark
© far.a

Sie wohnte in Altenmarkt 43 (heute Krankenedel; früher Schröttner - Hafner).
Sie war die Tante von Frau Maria Bliemel (geb. Tauschmann; Gattin von Bliemel Karl. sen.).
Sie war verheiratet mit Josef Auner, der die Wassersucht hatte. Weil er dadurch sehr dick war, trug er stets nur Kleider ("Kitteln"). Josef Auner starb am 29. 12. 1919.

Nach dessen Tod war ihr Lebensgefährte Florian Kaspar, Huf- und Nagelschmied. Beim Begräbnis von Frau Auner musizierte die Tanzgruppe "Die Trahüttler", die Kaspar organisiert hatte, und womit er zeigen wollte, dass er zu seiner ehemaligen Lebensgefährtin stand. Gestorben ist sie am 14.5.1939 um 14 Uhr an Arteriosklerose, Apoplexie (Sterbeurkunde: Dr. Klotzinger). Sie ist am Altenmarkter Friedhof begraben.

Als Fabriksgeherin hatte sie ein geregeltes Einkommen. Sie war zaundürr, mittelgroß, spitze Nase, feuerrote Haare, schwarzes Jopperl, schwarzer Kittel, blaue Umbundschürze, (zu) große Schuhe, schwarzes Kopftuch (wegen der roten Haare zurückgebunden und herabgezogen, sodass vorne auch die Stirn verdeckt war). Sie hat ausgeschaut wie a’ Hex’ - wegen der roten Haare, weil sie eine Alleingeherin war, weil sie dauernd herumknaunzte, ...

Kinder neckten und zupften sie, worauf sie diese verscheuchte (Kinderschreck). Wenn Kinder schlimm waren, sagten oft Mütter oder Tanten: "Wart, jetzt holen wir die Hitta - Pudlerin!" Somit wurde sie auch als "Ersatzkrampus" missbraucht.
Mehrere  Leute sagten, sie hätte gestohlen (z.B. am Pflanzbeetl...), obwohl sie als Fabriksgeherin (Tabakfabrik Fürstenfeld) ein geregeltes Einkommen hatte.

Einmal ging sie nach dem Beichten beim Pfarrhofgarten vorbei, stahl die Äpfel des Pfarrers und empfing am nächsten Tag die Kommunion!

Sie soll ein richtiges "gestohlenes Luder" gewesen sein. So hätte sie die Hühner eines Nachbarn in ihren Hof gelockt, das Tor verriegelt und "die Eier sowie die Hühner selbst für den Eigenverbrauch" verwendet. So sind einmal 3 gute Legehennen von unserem Hof verschwunden. Ich (Hans M.) entdeckte diese einmal in ihrem Hof eingepfercht in einen Hühnerstall, halb zerrupft und fast schon "ausgelegt" (konnten kaum noch Eier legen). Als ich rief, "jetzt weiß ich, wer unsere Hühner gestohlen hat!", ließ sie die Hühner laufen, die zu uns herrüber (wir waren ja Nachbarn) heimliefen. Aber die Hühner waren praktisch nichts mehr wert.

Sie wollte sich die feuerroten Haare färben, erwischte aber ein falsches Mittel, worauf am Kopf viele Wundstellen entstanden (sogenannte "Eiterdiepln"). Seither wurde sie nie mehr ohne Kopftuch gesehen. Die feuerroten Haare lugten trotzdem immer wieder unter dem Kopftuch hervor. Besonders die Kinder riefen immer wieder: "A so a alte Hex`!"
Andere meinten wieder, sie wäre eine fromme Frau gewesen, die viel auf Weihwasser hielt auch wochentags in die Kirche, ging, ... Viele sagten: "Sie ist eine Scheinheilige!"
Pfarrer Häusler hätte gesagt: "Sie lügt den Herrgott an, sie lügt den Teufel an!"

In der damaligen Radiosendung wurde auch immer wieder gemeint, dass rothaarige Frauen sexuell besonders aktiv, anziehend seien, heute würde man dazu auch "geil" sagen. Dies traf aber sicherlich nicht auf diese Frau Auner zu, wie man unschwer aus deren Biographie ersehen kann.
Manchmal wird halt etwas in eine Sache hineininterpretiert was man unbedingt finden will!

© Franz Rabl, 2012