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MONDREGELN

A. MOND UND WETTER
B. MOND UND PFLANZENWELT
C. MOND UND TIERWELT
D. MOND, HAUS UND HOF

A. MOND UND WETTER

Verschmähe nichts davon. Doch besser schaust du aus
nach weitern Zeichen: magst ja zweien eher trauen,
die gleichbedeutend sind, doch fest aufs dritte bauen!
Auch rechne stets zurück, ob vorges Jahr gegolten
die Zeichen? Kamen so die Sonnen und entrollten
so, wie es Stern um Stern verkündet? Doch auch lohnt
sich's reichlich, merkst du dir nur stets vom vorgen Mond
und auch vom künftgen je vier Tage - acht umflechten
die Fuge je von Mond zu Mond: in diesen Nächten
muß ja der Äther dann die Mondesgöttin missen,
ohn' ihren holden Blick schwankt er im Ungewissen.
Hab acht nun! Wolle nichts von alledem versäumen,
den Jahrlauf vorzuschaun, in ewgen Himmelsräumen.

Das Gedicht Arats (315 - 24 v. Chr.) ,S. 58


Doch daß wir dies an sicheren Zeichen können erkennen; Sommerhitze
und Regen und Kälte bringende Winde, hat der Vater selber verfügt,
was monatlich Luna deute, bei welchen Zeichen sich lege der Süd, was
die Bauern oft müssen sehen, um näher dem Stall die Herden zu halten.

Vergil (70 - 19 v. Chr.), Vom Landbau, S. 14


Wenn du aber die schnelle Sonne und Mondgestalten nach der Reihe beachtest, nie trügt die morgige Stunde noch läßt du durch Tücken der heiteren Nächte dich fangen.
Wenn die Luna, ihr wiederkehrendes Feuer versammelnd, einschließt in die getrübte Sichel den düsteren Nebel, dann wird gewaltiger Regen zuteil dem Landmann und Meere;...

Vergil (70 - 19 v. Chr.), Vom Landbau, S.16


Die größte Beachtung finden bei den Alten der 4. und der 5. Tag, und zwar ist die des vierten ägyptischen Ursprungs nach Plinius:
Quartam eam maxime observat Aegyptus.

Plinius (23-79), E. Knapp, Volkskunde in den romanischen Wetterregeln, Tübingen S.36


Wolfmonat. Man spricht, wenn in den nüwen Mon
der heilig Wienacht Tag thu kon,
so werd ein gut und sälig Jar!
Dargegen ist ouch offenbar:
Gfallt im Wädel (abnehmender Mond) der obgemelt Tag,
das Jar mir denn nit gfallen mag!

Zürcher Bauernkalender 1574


Vollmond marschiert am 22. durch die Krippen, ist auf neblich Wetter gneigt, den 24. ist Schnee und Sturmwind zu erwarten.

Rosius-Kalender, Basel 1636


Bestimmung der Mondphasen.
Wan der Mon obsich oder nidsich gange, ohn den Kalender zu wüssen. Ich habe von einem Pauwren ghört, wan er gegen dem Mon stände und er mitt der lingken Hand in den Mon zwüschen die Hörn gryffen könd, so gange er obsich. Wan der Mon aber also stände das er mitt der rechten Hand ime zwüschen die Hörn gryffen möge, so gange er under.

Basel 1561, J. Hutmacher, Ein schön Kunstbuch, 1561, S. 243


Die Erfahrung bezeugt, daß der Mond befeuchte, daß Saturnii und Martii Zusammenkunft im Löwen große Hitze verursacht, des Jupiters aber und des Mondes Zusammenkunft im Krebs viel Regen.

B. Anhorn, Magiologia, Basel 1674, S. 169


Donnert's im Juni Monden so wird guts Getreid.
Donnert's, wenn der Mond im 69 ist, so wird wenig Regen und Abgang
der Gerste.

Zürich 17. Jahrhundert, Handschrift 1692


Donnert's, wenn der Mond im Hirschen ist, so wird das Getreid einen kleinen Schaden haben.
Donnert's, wenn der Mond im Wassermann ist, so leiden alle Früchte Schaden, und das Zugemüs wird gar verdorben.

Zürich 17. Jahrhundert, Handschrift 1692


Donnert's, wenn im April der Mond im Stier, so bedeut's Korn und Gersten Schaden leiden.

Zürich 17. Jahrhundert, Handschrift 1692


Donnert's, wenn der Mond im August in der Jungfrauen ist, so bedeut's viel Regens, der bis in die 50 Tage werden soll.
Donnert's, wenn der Mond im September in der Waag ist, so verderben alle Früchte.
Donnert's, wenn im November der Mond im Schützen ist, so gerät das Getreide am Gebirge wohl, aber im Tal nimmt es Schaden. Etlich sagen, donnert's im November, so bedeut's Getreide genug.

Zürich 17. Jahrhundert, Handschrift 1692


Wann es neuwet bey heüterem Himmel, das ist, wann es hall und klahr, da der Neü-Mond sich einlasset, wird das schöne Wetter gemeyniglich über 3 Tag nit anhalten.

Samen OW 1791, Schweizerisches. Archiv für Volkskunde, 1900, S. 38


Dans le district de Nyon, on observait le changement de la lune; on n'aimait pas à semer à la nouvelle lune ; mais la jeune génération ne partage plus ce scrupule.

Im Bezirk Nyon beachtete man die Veränderungen des Mondes; so schätzte man es zum Beispiel nicht, bei Neumond zu säen; doch die junge Generation teilt diese Bedenken nicht mehr.

Kt. Waadt 1866, Mannhardt-Untersuchung, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, 1971, S. 331


Creschaint marz mol e sainza bischa.

Bei zunehmendem Mond sollte der März naß und ohne Nordwind sein.

Engadin GR 1944, H. Lössi, Der Sprichwortschatz des Engadins, S. 245


Cura, ch'ei betta la neiv carschen Matg, sche bett'ella mintga malaura tutta stad.

Wenn im Mai bei Neumond Schnee fällt, dann schneit es den ganzen Sommer bei schlechtem Wetter.

Rätoroman. Chrestomathie 1896, 1919, S. 694


Schi la neiv vign giu igl carschaint Matg, schi vign la giu totta stat mintga carschaint.

Kommt der Schnee bei Neumond im Mai, dann kommt er bei Neumond den ganzen Sommer.

Rätoroman. Chrestomathie 1896, 1919, S.694


Scha creschaint meg la naiv as palainta,
mincha mais chi la resainta. -
Scha vain naiv il creschaint meg,
vaine naiv mincha creschaint.

Wenn sich bei wachsendem Mond im Mai Schnee zeigt, so hat ihn jeder
Monat zu spüren.
Wenn bei wachsendem Mond im Mai Schnee kommt, gibt es bei jedem
wachsenden Mond Neuschnee.

Engadin GR 1944, H. Lössi, Der Sprichvortschatz des Engadins, S. 247


Wenn s Wätter im Neue (Neumond) nit änderet, so blybts zwo Wuchen eso.

Baselland 1908, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, XII, S. 20


S isch hüt dritt Tag Neu, wenns jetz nit hebt (oder uftuet), so hei mer e Wuche oder zwo schlächt Wätter.

Baselland 1908, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, XII, S. 21


Quand se renouvelle la lune change le temps.

Bei Mondwechsel ändert sich auch das Wetter.

Savièse VS 1926, Dictons de Savièse, S. 11
Appenzell 1972, H.M., *1924, Förster, Herisau AR, Umfrage 1972
Ballwil LU 1972, H.Sch., * 1954, Landwirt, Ballwil LU, Umfrage 1972


Man schaut auf Fronfasten und Mondwechsel.

Niederteufen AR 1972, H. K., * 1903, Niederteufen AR, Umfrage 1972


Gewitter in der Vollmondzeit
verkünden Regen lang und breit.

Krummenau SG 1972, A.G., *1950, Krummenau SG, Umfrage 1972


Der Mond spielt in der Beurteilung der Witterung immer noch eine große Rolle.

Häfelfingen BL 1972, St., Gelterkinden BL, Umfrage 1972

 

B. MOND UND PFLANZENWELT

Futterlaub soll bei abnehmendem Mond gewonnen werden, sonst beginnt es rasch zu faulen.

Römische Regel 2./3. Jahrhundert, A.Seidensticker, Waldgeschichte des Altertums, II, S. 270


Pflügst du zur Sonnenwende jedoch das göttliche Erdreich, wirst du im Hocken zu mähen, mit der Hand nur wenig ergreifend.

Hesiod (7. Jh. v. Chr), S. 22


Wann der Christag kumpt an wachsendem mon, so wirt ain gut jar und ye neher dem newen mon, ye bößer das jar. Kompt er aber am abnemen des mons, so wirt ain hert jar und ye neher dem abnemen, ye herter das jar wirt. Wer das holtz niderschlecht an den zwaien letsten tagen des Christmonatz und am ersten tag im Jenner, als er new ist worden, dasselb holtz faulet nicht und wirt auch nit wurmig und ye lenger ye herter und im alter als ain stain.

L. Reynman, Wetterbüchlein 1505


Denk daran, bei wachsendem Mond die Früchte zu pflücken! Denn wenn er abnimmt, wird alles faul, was du abgepflückt haben wirst.

Basel14./15. Jahrhundert, Sammlung Werner, S. 68


Pflanzet oder stupffet Erbsen in dem abnehmenden Mond.

Hausbuch König 1705, S. 924


Wintermonat. Weil nunmehr das meiste Laub abgefallen, so versetzet kurtz vor dem Vollmond Aepffel, Biren, Quitten und dergleiche Obsbäume.

Hausbuch König 1705, S. 983


Augstmonat. Man säet auch wiederumb Mangold, rohte Rüben, Rapuntzel, Rebkressig im abnemmenden Mond; item Binetsch, Kabis, gelben Wertz oder Kohl; auch versetzet man Artischocken-Setzling, item Endivi-Setzling.

Hausbuch König 1705, S. 975


Heumonat. Den Samen der von den Zwiebeln, als Hyacinthen, Fritillarien und Thusai abgenommen werden, im wachsenden Mond außzusaen.

Hausbuch König 1705, S. 972


Die Nägelein, den braunen und weißen Veyel, wie auch allerhand Köhl- und Kraut-Pflantzen im Vollmond zu versetzen.

Hausbuch König 1705, S. 960


Im wachsenden Mond Rosmarin und Majoran zu säen.

Hausbuch König 1705, S. 960


Melonen, die im Meyen gestupfft, abnemmenden Mond, gerathen offtermals besser.

Hausbuch König 1705, S. 959


Meyen. Salbey ein nutzliches Gartenkraut, wie auch die Müntze werden gleichfalls im starcken Mond verpflantzet, man kan diese beyde, weilen sie große Gesträuch abgeben, monatlich ohne Beobachtung Zeit und Zeichens erbrechen, oder abschneiden, und sonderlich die Salbey am Schatten dörren.

Hausbuch König 1705, S. 959


Meyen. Lauch ist ein gutes Gewächs, darauff die Frantzosen viel halten, so nun auch bey uns wegen seines nicht unangenehmen Gebrauchs in Fleischsuppen hin und her gepflantzet wird, hat auch noch seine Zeit wie die Zwiebeln im schwächsten Mond, mit vermischter Asche gesäet werden.

Hausbuch König 1705, S. 959


Aprill. Sommer-Majoran wird im Neumond gesäet und versetzt, er hat gern Schatten und Schirm vor den Reiffen.

Hausbuch König 1705, S. 951


Mertzen. Fenchel, der welsche, wird gegen den Vollmond gesäet.

Hausbuch König 1705, S. 944


Spargen werden in abnemmendem Mond auß dem Samen, geschwinder aber von den Wurtzeln in den präparirten Boden gesetzt.

Hausbuch König 1705, S. 943

In diesem Monat, und zwar I. in Mitten der Mertzens, wann sich nur ein warmer Tag blicken läßt, wil alles im Garten arbeiten, es sey auch der Mond beschaffen wie er wolle.

Hausbuch König 1705, S. 943

Mertzen. Zu außgehendem Monat begibt sich die rechte Zeit zu dem andern Pfropffen, nemlich in die Rinden für Kern-Obs.

Hausbuch König 1705, S. 942

Mertzen. Erbsen und Linsen säen im letsten Viertheil drey Tage vor dem Neuen, so blühen sie bald ab.

Hausbuch König 1705, S. 940


Im wachsenden Mond lebendige Zäune und Gehäge machen.

Hausbuch König 1705, S. 939


Mertzen. Die Habersaat, so feren es die Nässe des Feldes zuläßt, beschleunigen, etwan acht Tage nach dem Neuen, oder im alten Mond; Dann in diesem wird der Haber (glaubt men) reicher an Körneren, geringer am Stroh.

Hausbuch König 1705, S. 939


Der Mangold förchtet keine Kälte, wird dehero füglich auch im Hornung gesäet im abnemmenden Mond.

Hausbuch König 1705, S. 933


Erbis oder Erbsen soll mann stecken gegen Ausgang Mertzenß oder Anfang Aprillenß nächster Tagen nach dem Neü-Mond, treffe eß, waß vor ein Zeichen es wolle.
Mein Magt hat anno 1758 erst den loten Tag nach dem Neü-Mond Erbsen gesteckt, in dem Zeichen Jung Frau, und nachgehends den 14ten Tag nach demselben Neü-Mond, in dem Zeichen Waag. Ist alleß wohl gerahten.

Sarnen OW 1791, Schweizerisches Archiv für Volkskunde. 1900, S. 33


Rosmarin Keidel (daß ist, daß äußerste daran) soll mann 3 oder 4 Tag vor dem Vollmond ausbrechen, so werden selbige Keidel vill dickher oder laubreicher werden.

Sarnen OW 1791, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, 1900, S. 33


Die Herbst-Rosen-Stauden, welche sollen bis weith im Herbst hinein Rosen tragen, werden geschnitten Mense Aprili im Voll Mond. Die Knöpf aber solle mann im Meyen eben in Plenilunio ausbrechen oder abschneiden.

Sarnen OW 1791, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, 1900, S. 33


Hanf kann mann säen gegen Ausgang Mertzenß oder Anfang Aprillß nach dem Neü-Mond, welcher um selbe Zeit sich ereygnet, etwann den dritten Tag nach selbem.
Sonst sieht mann auch auf daß Zeichen des Stierß, des Zweylings, und der Jung Frauen.
Das Zeichen Leüw will nit gut befunden werden, aus Meinung, der Hanf werde mit Laub behengt biß auf den Boden hinab.

Sarnen OW 1791, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, 1900, S. 33


Nägeli-Stauden soll man ausbrechen im Voll-Mond.

Sarnen OW 1791, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, 1900, S. 33


Böllen soll man säen, da der Mond klein und ist besser nach als vor dem Neu-Mond.

Sarnen OW 1791, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, 1900, S. 32


Samen-Rueben (welche Samen tragen sollen), kann man einsetzen bey ausgehendem Mertzen oder anfangendem Aprill etwan den dritten Tag nach dem Neu-Mond, im Zeichen Stier.

Sarnen OW 1791, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, 1900, S. 32


Kabis Samen-Stauden soll man setzen bey dem Neü-Mond, absonderlich im Zeichen Wider im Monat Aprill oder auch gegen Ausgang deß Monats Mertzen.

Sarnen OW 1791, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, 1900, S. 32


Krautt Samen kann man aussäen im Monat Aprill den zehnten Tag nach dem Neu-Mond in dem Zeichen Leüw.

Sarnen OW 1791, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, 1900, S. 32


Einem im nidsichgehenden Mond gestückten Baum wachsen die Äste abwärts, einem im obsichgehenden Mond geschnittenen dagegen aufwärts.

Rafzerfeld ZH 1840, W.Höhn, Volksbotanik, 1972


Den Hanf säe im obsichgehenden Mond, im Fisch und im Krebs, sonst bekummt er viel Wurzeln, wobei der Hanfstengel schwach bleibt.

Rafzerfeld ZH 1847, W. Höhn, Volksbotanik, 1972


Pflanze, won i Bode wachse, seil me bym abgänte Mon säien und Pflanze, wo use wachse, bym ufgänte Mon.

F.J. Schild, Der Großätti aus dem Leberberg, 2, 1873, S. 26


Die im Neumond ausgedroschenen Körner werden lebendig.

Kt. Zürich 1865, Untersuchung Mannhardt, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, 1971, S. 340


Wird d Gerste im Nidsigend gsäit, so will si nit zu de Hosen us.

Baselland 1865, Untersuchung Mannhardt, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, 1971, S. 352

Quando la luna va con il mese fanno frutti perfino le siepi.
Wenn der Mond mit dem Monat geht, tragen sogar die Hecken Früchte.

Tessin 1900, V. Pellandini, Tradizioni popolari Ticinesi, 1911, S. 140


Pflanzen, bei denen man den in der Erde steckenden Teil verwendet, soll man in der Zeit des nidsig gehenden Mondes säen oder pflanzen, diejenigen, bei denen man die andern Teile verwendet, beim obsig gehenden Mond. Nidsig gehend ist der Mond, wenn beide Spitzen der Sichel nach unten, obsig gehend, wenn sie nach oben sehen.

Kt. Bern 1900, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, 1903, S. 142


Wenn man im Vollmond Blumen beschneidet, so werden sie gefüllt, zum Beispiel Margritli und Viönli.

Emmental 1911, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, XV, S. 7
Oltingen BL 1972, H. G., *1882, Landwirt, Oltingen BL, Umfrage 1972
Liestal BL 1920, 1960, Sammlung Müller


Im Augustwädel (Wädel = abnehmender Mond) sollen die Heilkräuter gebrochen werden.

Emmental 1911, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, XV, S. 7


Reben schneiden und Erbsen stecken soll man bei wachsendem Monde, damit im ersten Fall das Holz wächst, im zweiten die Ranken sich am Stickel in die Höhe winden. Wein soll bei hellem Wetter und im "schwinätä Mu" abgezogen werden, damit sich der "Häpf" im Weine setzt. Der Krebs wird als schlechter Wedel (Vollmond) beim Anpflanzen der Früchte umgangen, weil das Wachstum "hinderschi" geht, wie der Krebs.

Sargans 1909 / Schweizerisches Archiv für Volkskunde, XIII, S. 207


Im Herbst säet man lieber im Wädel (abnehmenden Mond). Im Wädel soll man Mist zetten und Holz fällen. - Zwiebeln setzt man gern beim abnehmenden Mond im Zeichen der Waage.

Emmental 1911, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, XV, S. 6


Pflanze, wo i Bode wachse, söll me bim abgänte (absteigenden Mond) Mon säije, und Pflanze wo ufe wachse, bim ufgänte Mon.

Baselland 1908, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, XII, S. 153
Müstair GR 1972, C.F.-A., *1897, Landwirt und Lehrer, Müstair GR, Umfrage 1972
Andermatt UR 1972, L. D., Andermatt U R, Umfrage 1972


Alle Pflanzen, die, um nicht grün zu werden, mit Erde bedeckt sein müssen, wie Rüben, Kartoffeln und andere, im abnehmenden Mond pflanzen.

Kriechenwil BE 1972, H. L.-R., *1891, Landwirt, Kriechenwil BE , Umfrage 1972


Im zunehmenden Mond pflanze man diejenigen Früchte, die auf der Erde wachsen.

Kriechenwil BE 1972, H. L.-R., *1891, Landwirt, Kriechenwil BE, Umfrage 1972


D Böhnli söll men im Nitsigänt (absteigenden Mond) setze, si hänke mehr a.

Baselland 1908, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, XII, S. 153


Wenn me d Böhnli im Nitsigänt setzt, so wei si nit d Stäcken uf.

Baselland 1908, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, XII, S. 153
Savièse VS 1926, Dictons de Savièse, S. 14


D Boone steckt mer im Obsigent, d Rüebli sät me im Nidsigent.

Hombrechtikon ZH 1972, A. H., *1892, Hombrechtikon ZH, Umfrage 1972


Böhnli nicht im Nidsigent! Zibeli nit im Obsigent, süscht chömme si obenuuf!

Hemmikon BL 1972, K. S., *1906, Landwirt, Hemmikon BL, Umfrage 1972


Bohnen bei Neumond setzen.

Diemtigtal BE 1972, A. K., Umfrage 1972


Die Bauernfrauen sagen, man solle die Rübli nie im Neu (das heißt zunehmenden Mond) jäten und verdünnen (das heißt dort, wo sie zu dicht stehen, die überflüssigen ausjäten), sonst komme der Rost darein, sondern immer im Wädel (abnehmenden Mond).

Emmental BE 1911, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, XV, S. 6


Rüebli und Wägluegere säet mer nu im Nidsigänt.

Rafzerfeld ZH 1940, W. Höhn, Volksbotanik, 1972


Rüben bei abnehmendem Mond säen.

Diemtigtal BE 1972, A. K., Umfrage 1972
Lignières NE 1972, S. Ch.,*1907, Landwirt, Lignières NE 1972


Rübli und andere Bodenfrüchte werden nur bei Nidsigend gesteckt, während Bohnen bei Obsigend besser gedeihen.

Prättigau GR 1972, A. G., Forsting., Pany GR, Umfrage 1972


II ne faut pas planter les pommes de terre en lune croissante, il ne poussera que des tiges, il faut les planter en lune décroissante, elles pousse-ront en dedans.

Man soll die Kartoffeln nicht bei zunehmendem Mond pflanzen, sie werden nur ins Kraut wachsen; man soll sie bei abnehmendem Mond setzen, dann werden sie in den Boden stoßen.

Savièse VS 1926, Dictons de Savièse, S.14


On doit planter les pommes de terre en tendre lune.

Man soll die Kartoffeln bei Neumond setzen.

Ocourt Jura BE 1950, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, 1950, S. 24


Kartoffelstecken muß man im aufsteigenden oder grünen Mond. Niemals Kartoffeln im Zeichen der Jungfrau oder Korn in diesem Zeichen säen (sonst wird es vom Ungeziefer befallen).

Visperterminen VS 1901, F. G. Stehler, Ob den Heidenreben, Zürich, 1901, S. 88


Kartoffeln bei abnehmendem Mond setzen.

Diemtigtal BE 1972, A. K., Umfrage 1972


Keine Kartoffeln bei Vollmond setzen (gibt nur Kraut), bei Halbmond hingegen gibt es eine gute Ernte.

Muotathal SZ 1972, O. B,, *1954, Landwirt, WilSZ, Umfrage 1972


Setz dr Chabis im Neu,
so hesch für d Lüt und für d Seu.

Diemtigtal BE 1972, A.K., Umfrage 1972


Kabis und Bohnen bei abnehmendem Mond einmachen.

Diemtigtal BE 1972, A. K., Umfrage 1972


Die Kirschen werden gepfropft, wenn der Mond drei oder vier Tage alt ist. Apfel- und Birnbäume im Neumond, so tragen sie geschwind.

Sammlung Strub, Jenisberg GR


An Martini bei wechselndem Mond sind die Bäume gut zu versetzen.

Sammlung Strub, Jenisberg GR


Alles, was wachsen soll, muß im zunehmenden Mond, und was nicht wachsen soll, im abnehmenden Mond beschnitten werden.

Sammlung Strub, Jenisberg GR


Apfelbäume im Obsigent setzen.

Schwyz 1972, A. K., *1954, Landwirt, Schwyz, Umfrage 1972


Aber nicht allein das Wetter entscheidet über den Anfang des Schneidens. Seit Generationen zieht man auch den Kalender zu Rat. So wird man zum Beispiel nur bei wachsendem Mond, nicht aber bei abnehmendem oder gar bei Neumond den Schnitt wagen. Doch nicht nur der Mond für sich, auch sein Stand im Tierkreis will berücksichtigt sein. In schlechten Zeichen, etwa dem Krebs oder dem Skorpion, soll nicht geschnitten werden, da sonst die Rebe räudig werden könnte. Im Zeichen des Löwen und des Schützen dagegen sind die besten Aussichten auf Ertrag gegeben. Ständen aber Mond und Zeichen noch so gut, am 1. April, dem Hugotag, läßt man die Rebschere oder das Rebmesser liegen; an Hugo wird keine Rebe geschnitten, denn dieser Tag bringt nichts Gutes. So ist manches zu bedenken, ehe man das wichtige Werk beginnen kann. Jüngere Rebleute sind freilich nicht mehr so zeichengläubig ; den Glauben der Alten halten sie für Aberglauben. Die Hauptsache sei, daß die Reben geschnitten würden, meinte ein aufgeklärter Rebbauer - ob so oder so, das bleibe sich gleich, kalte Finger gebe es im wachsenden wie im abnehmenden Mond.

W. Weber, Die Terminologie des Weinbaus im Kanton Zürich, in der Nordostschweiz und im Bündner Rheintal, S. 72


Die Reben soll man bei wachsendem Mond schneiden und nie beim "schwiinige" oder "lääre" Mond (abnehmenden Mond und Neumond).

Schaffhausen 1954, G. Kummer, Volksbotanik, 2, S. 63


Die wichtigsten Weinbergarbeiten sollen bei abnehmendem Mond verrichtet werden.

Sammlung Strüb, Jenisberg GR


Verblüht der Weinstock im Vollmondlicht
er vollen, feisten Traub verspricht.

Sammlung Strub,Jenisberg GR


Im Untergent Mond und kurzen Tagen Holz hauen, dann bekommt das Holz den Wurm nicht.

Trachslau SZ 1972, M. F., *1954, Landwirt, Trachslau SZ, Umfrage 1972


Nutzholz soll nur bei abnehmendem Mond gefällt werden, wenn es davon gutes Bauholz geben soll.

Appenzell 1972, E. B., *1927, Förster, Trogen AR, Umfrage 1972


Capitan glatschers sül fuond in jüraint fa que dan, il tschisp patescha, dscherm d'utuon st gnir arà oura in prümavaira.
Glatscheras chi capitan in creschaint nu fan quel dan.

Frost auf dem Feld bei abnehmendem Mond schadet der Wiese, Herbstsaat muß im Frühling gepflügt werden.
Frost bei zunehmendem Mond verursacht diesen Schaden nicht.

Müstair GR 1972, C.F.-A., *1897, Landwirt und Lehrer, Müstair GR, Umfrage 1972


Sommerweizen bei zunehmendem Monde säen.

Sammlung Strub, Jenisberg GR


Kunstwiesen im wachsenden Mond ansäen.

Kriechenwil BE 1972, H.L.-R.. *1891, Landwirt, Kriechenwil BE, Umfrage 1972


Mein Großvater sagte vor einigen Tagen: "Jetzt mues me nit Gärschte säje, s isch Nidsigent!"

Oltingen BL 1972, A. G., *1960, Schülerin, Oltingen BL, Umfrage 1972


Im Obsigänt nit Mischt zette und nit güllere.
Böhnli darf man nicht im Krebs setzen. Auch jetzt noch setzt man - ohne bestimmten Grund - gerne am 1. Maitag Böhnli.

Oltingen BL 1972, H. G., *1882, Landwirt Oltingen BL, Umfrage 1972


Obsi- und Nidsigend haben hauptsächlich bei Pflanzen ihren Einfluß.

Klosters-Berg GR 1972, Ch. H., *1911, Landwirt, Klosters-Berg GR, Umfrage 1972


Pflanzungen im Wald und Garten sollen bei zunehmendem Mond gemacht werden.

Appenzell 1972, E. B., *1927, Förster, Trogen AR, Umfrage 1972


Bei abnehmendem Mond keine Wasser fassen, weil sie versickern.

Ernen VS 1972, A. S., Bäuerin, Ernen VS, Umfrage 1972


Rabe schniide soll me im wachsige Moo.

Hallau SH 1953, Hallauer Mundart, S. 35


In periodo di luna nuova, in dür la lüna, si taglia la legna da ardere che deve seccare, la léna da brüsà, si seminano le patate, si trapiantano le verdure, sca la ròba da l'òrt. Trapiantando in fase di luna crescente, le pianticine non darebbero che degli stell lunghi, li van in füst.

Während des Neumonds wird Brennholz zum Trocknen geschnitten, werden Kartoffeln gepflanzt und Gemüse verpflanzt; bei zunehmendem Mond würden die Setzlinge nur lange Stengel treiben.

Poschiavo GR 1967, Tognina, Lingua Poschiavo, S. 101. Vgl. auch das Kapitel über die Holzernteregeln.


In periodo di luna crescente si prepara il legname da costruzione. Tagliandolo in questo periodo, i tronchi non si fendono, i sa sféndan mìga. Un nostro informatore di Brusio ci ha comunicato che i tronchi d'abete tagliati mentre la luna è in periodo di diminuzione, appena scortecciati si fendono. Le fessure si dicono sulìvi. Di un tronco con molte fessure longitudinali si dice: l'é tüt sulivù, -à. In questo periodo si semina il grano e si tagliano i capelli alle ragazze.

Bei zunehmendem Mond richtet man das Bauholz, dann zerspalten sich die Stämme nicht. Ein Berichterstatter aus Brusio meldet, daß die Stämme der Tannen, wenn bei abnehmendem Mond gefällt, sich zerspalten, kaum daß die Rinde geschält ist. Die Spalten nennt man "sulivi". Hat ein Stamm viele senkrecht verlaufende Spalten, so sagt man: l'é tüt sulivù, -à. In dieser Periode sät man das Korn und schneidet den Mädchen die Haare.

Poschiavo GR 1967, Tognina, Lingua Poschiavo, S. 101 Vgl. ähnliche Regeln im Abschnitt Holzernte.

 

C. MOND UND TIERWELT

Sammle Eier, wann der Mond abnimmt, dann verderben sie nicht leichtlich.

Rosius-Kalender, Basel 1636


Eyer sol man samlen, wann der Mond abnimmt, und in die Spreuer legen, so bleiben sie über den Winter.

Churer Schreibkalender 1708
Newer Schreib-Kalender, Baden 1721


Die Füllen nicht im abnemmen, sondern im zunemmen des Monds, und zwar im Steinbock, Schützen, Wassermann, Zwilling abgewöhnen.

Hausbuch König 1705, S. 960


Meyen. Im abnemmenden Mond und ehe die Hitze überhand nimmet, die Pferde, junge Kälber und Widder schneiden oder außwerffen lassen.

Hausbuch König 1705, S. 961


Herbstmonat. Die Schafe in dem Vollmond scheeren, und nicht zu lang damit harzen, daß sie die Wolle nicht verlieren.

Hausbuch König 1705, S. 979


Meyen. Den Schafen die Wolle im zunemmenden Mond abnemmen.

Hausbuch König 1705, S. 961


Aprill. In der Vieh-Zucht soll man I. den Schafen, so sie zuvor rein gewaschen worden, die Wolle abscheren im Neumond; die Wolle versilbern.

Hausbuch König 1705, S. 952


Mertzen. Die Spill-Ochsen vor Ostern im Vollmond unter das Vieh lassen.

Hausbuch König 1705, S. 944


In der Vieh-Zucht soll man I. schöne Spanferckel, welche der Zeit, vorab bey wachsendem Mond fallen, auffziehen, und ihnen, damit sie bald wachsen und der Milch vergessen, anfangs Brot und Gersten fürwerffen.

Hausbuch König 1705, S. 936


Il faut étendre le fumier en lune décroissante sinon il en restera des mottes sur l'herbe et les vaches ne mangeront pas.

Man soll den Mist bei abnehmendem Mond zetten, sonst bleiben die Mistklumpen auf dem Gras, und die Kühe werden es nicht fressen.

Savièse VS 1926, Dictons de Savièse, S. 16


Les veaux faits au dernier quartier de la lune ne deviennent jamais vaches.

Diejenigen Kälber, die im letzten Viertel des Mondes geworfen werden, werden nie zu Kühen heranwachsen.

Savièse VS 1926, Dietons de Savièse, S. 16


Die Kälber sollen bei wachsendem Mond abgesetzt werden. Glucken sollen bei zunehmendem Mond angesetzt werden.

Sammlung Strub, Jenisberg GR


Wenn Mastschweine im letzten Viertel des Mondes geschlachtet werden, so schwindet das Fleisch nicht, auch hält sich der Speck gut.

Sammlung Strub, Jenisberg GR


Bei zunehmendem Mond keine Ferkel kastrieren.

Diemtigtal BE 1972, A. K., Umfrage 1972


Nasenringe den Schweinen bei zunehmendem Mond anbringen.

Diemtigtal BE 1972, A.K., Umfrage 1972


Im Jänner beschlag die Pferde, wenn Neumond ist oder etliche Tage darnach, dann kriegen sie gute Hufe.

Sammlung Strub, Jenisberg GR


Mit dem Pferd zur Schmiede gehen, wenn der Mond abnimmt.

Einigen BE 1972, H.W.,*1930, Landwirt, Einigen BE, Umfrage 1972


Pferde bei zunehmendem Mond beschlagen.

Diemtigtal BE 1972, A. K., Umfrage 1972


Eine Kuh kalbt entweder einen Tag vor oder einen Tag nach dem Mondwechsel, aber nie am Tage des Mondwechsels selbst.

Diemtigtal BE 1972, A.K., Umfrage 1972


Bei Mondwechsel kalbt eine Kuh sicher, oder es geht dann noch einige Tage länger.

Diemtigtal BE 1972, A. K., Umfrage 1972
Wädenswil ZH 1972, R. L. *1914, Landwirt, Wädenswil ZH, Umfrage 1972


Neumond regt die Kalberkühe stärker zum Kalben an als abgehender Mond.

Riggisberg BE 1972, F. K.,*1927, Landwirt, Riggisberg BE, Umfrage 1972


Klauen schneidet man bei abnehmendem Mond im Monat April.

Diemtigtal BE 1972, A. K., Umfrage 1972


Schneidet man die Klauen bei zunehmendem Mond, so wachsen sie schneller nach als bei abnehmendem Mond.

Diemtigtal BE 1972, A. K,, Umfrage 1972


Im Märzen-Wädel Fisch (Tierzeichen Fisch), schnitzt man die Hörner von Jungvieh (schnitzen = mit dem Messer nach oben richten).

Diemtigtal BE 1972, A.K., Umfrage 1972


Hornpflege soll im Obsigend-Steinbock erfolgen, damit sich die Hörner aufwärts schwingen.

Pany GR 1972, Chr. N., *1911, Landwirt, Pany G R, Umfrage 1972


Wenn Hörner zu tief, im Obsigend Schnitte im Hörn anbringen (Hornführer anbringen und abnehmen).

Wädensiwil ZH 1972, R. L., *1914, Landwirt, Wädensiwil ZH, Umfrage 1972
Rüthi SG 1972, A. H., *1949, Landwirt, Rüthi SG, Umfrage 1972


Die Hörner von Jungvieh bei abnehmendem Mond richten.

Diemtigtal BE 1972, A.K., Umfrage 1972
Rothenturm SZ 1972, R. Sch.-M., Landwirt, Rothenturm SZ, Umfrage 1972


Man soll den Kälbern die Hornjöchli beim zunehmenden Mond anbringen.

Einigen BE 1972, H. W.,*1930, Landwirt, Einigen BE, Umfrage 1972

 

D. MOND, HAUS UND HOF

Butter soll man im Vollmond kochen; im zunehmenden Mond gekocht, läuft sie über den Topf, im abnehmenden Mond gekocht, ist sie nachher schnell verbraucht.

Lützelflüh BE 1900, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, 1903, S. 142


Wenn man im Neu schlachtet, so geht das Fleisch auf.

Emmental 1911, , Schweizerisches Archiv für Volkskunde, XV, S. 7


Wenn man im Wädel (abnehmenden Mond) schlachtet, so läßt sich das Fleisch zusammen und bleibt dann besser.

Emmental BE 1911, , Schweizerisches Archiv für Volkskunde, XV, S. 7


Das Haar soll man am dritten Tag im Neu schneiden.

Emmental BE 1911, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, XV, S. 7


Wenn man den Kindern das Haar am dritten Tag Neu im Zeichen des Widders schneidet, so bekommen sie schöne Locken (Chrüseli).

Emmental BE 1911, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, XV, S. 7


Nella luna d'agosto non bisogna bere acqua perchè fa male.

Während des Augustmonds soll man kein Wasser trinken, es ist schädlich.

Grancia TI 1952, Vocabolario dei Dialetti della Svizzera Italiana, I, Lugano 1952, S. 49


La luna d'agosto è cattiva.

Der Augustmond ist böse.

Cimadera TI 1952, Vocabolario dei Dialetti della Svizzera Italiana, I, Lugano 1952, S. 48


La luna d'agosto è grave per un malato.

Der Augustmond ist gefährlich für einen Kranken.

Soazza GR 1952, Vocabolario dei Dialetti della Svizzera Italiana, I, Lugano 1952, S. 48


E luna forte d'agosto.
Im August ist ein starker Mond.

Cimadera TI 1952, Vocabolario dei Dialetti della Svizzera Italiana, I, Lugano 2, S. 48


II mese d'agosto porta una brutta luna.

Der Augustmonat bringt einen schlimmen Mond.

Rossura TI 1952, Vocabolario dei Dialetti della Svizzera Italiana, I, Lugano 2, S. 48


Le uova si conservano molto se sono della luna vecchia di agosto.

Wenn die Eier vom alten Augustmond sind, konservieren sie sich lange.

S.Abbondio TI, Vocabolario dei Dialetti della Svizzera Italiana, I, Lugano 1952, S. 48


Straßen soll man im Neu übergrienen (bekiesen, beschottern), dann bleibt das Grien oben. Grient man im Wädel (abnehmenden Mond), so geht es in den Boden hinein. Was im Neu gesäet wird, wird eher reif.

Emmental BE 1911, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, XV, S. 7


II faut transvaser le vin en lune décroissante, la lie se déposera.

Man soll den Wein bei abnehmendem Mond abfüllen, die Weinhefe setzt sich dann ab.

Savièse VS 1926, Dictons de Savièse, S. 16


II ne faut pas faire la lessive en lune croissante, (sinon) les puces augmenteront.

Man soll die Wäsche nicht bei zunehmendem Mond machen, sonst vermehren sich die Flöhe.

Savièse VS 1926, Dictons de Savièse, S. 15


Sauerkraut soll man im Zeichen des Fisches einmachen, dann wird es zart und mild.

Baselland 1920, Sammlung Müller, Liestal 1920, 1960


Butter nicht im Obsigent einsieden, sonst übersiedet sie.

Diemtigtal BE 1972, A.K., Umfrage 1972
Davos Platz GR 1972, Ch. B., *1886, Landwirt, Davos Platz GR, Umfrage 1972


Will man bei zunehmendem Mond Schweinefett einkochen, so kocht es über.

Diemtigtal BE 1972, A. K., Umfrage 1972

Nu far mezia in jüraint,
ischlia la charn va al main.
Fand mezia in creschaint
la charn reda bler plü bain.

Mache keine Metzgete bei abnehmendem Mond, sonst schwindet das Fleisch. Metzgete bei zunehmendem Mond gibt viel mehr Fleisch.

Müstair GR 1972, C.F.-A., *1897, Landwirt und Lehrer, Müstair GR Umfrage 1972


Metzgen soll man bei abnehmendem Mond.

Diemtigtal BE 1972, A.K., Umfrage 1972


II faut commencer à chauffer le fourneau en lune croissante, la fumée montera dans la cheminée.

Man soll den Ofen bei zunehmendem Mond anheizen, der Rauch wird dann durchs Kamin abziehen.

Savièse VS 1926, Dictons de Savièse, S. 15


Ein Kamin, der bei zunehmendem Mond gebaut wird, zieht besser.

Diemtigtal BE 1972, A, K., Umfrage 1972


Tagliar chavels, tuonder bescha in creschaint, fa cha chavels e lana vegna lunga, ma groba. Tagliand in jüraint vain quai ün pa plü cuort, ma fin e spess.

Haare schneiden, Schafe scheren bei zunehmendem Mond gibt lange aber grobe Haare und Wolle. Schneiden bei abnehmendem Mond, kürzere, aber feinere und dichtere.

Müstair GR 1972, C.F.-A., *1897, Landwirt und Lehrer, Müstair GR, Umfrage 1972


Zehennägel werden besser bei Obsigend geschnitten, damit sie nicht einwachsen. Wenn man dazu noch das Zeichen Skorpion erwischt, um so besser, da in diesem Zeichen das Wachstum beeinflußt wird.

Prättigau GR 1972, A. G., Forsting., Pany G R, Umfrage 1972


Nägel sind am 3. Tag nach Neumond zu schneiden.

Diemtigtal BE 1972, A. K., Umfrage 1972


Nägel und Hühneraugen muß man bei zunehmendem Mond schneiden oder behandeln.

Diemtigtal BE 1972, A.K., Umfrage 1972


Bei Nidsigend Graben machen, ansonst man Graben immer voll Wasser hat.

Prättigau GR 1972, A.G., Forsting., Pany GR, Umfrage 1972


Wassergräben öffnet man bei Nidsigent, damit die Gräben weniger schnell zuwachsen.

Monstein GR 1972, M.J., *1897, Landwirt, Monstern G R, Umfrage 1972


Ä Quel muäs mä bim obschigentä grabä, wilsch de sälber obschi wil -und derzuä muäs mä schä im Wasserzäichä grabä.

Prättigau GR 1953, W. Schmitter, Waldarbeit im Prätigau 1953, S. 153


Quellwassergrabungen sollen im Obsigend, im Wassermann oder Fisch erfolgen.

Pany GR 1972, Chr. N., * 1911, Landwirt, Pany GR, Umfrage 1972


Wasser darf nur bei Obsigend gefaßt werden, sonst verliert es sich und geht in die Tiefe.

Pany GR 1972, A. G., Forsting., Pany GR, Umfrage 1972
Diemtigtal BE 1972, A.K., Umfrage 1972
Rothenturm SZ 1972, Sch.-M., Rothenturm SZ, Umfrage 1972


Quellen dürfen nur bei zunehmendem Mond und im jungen Monat gefaßt werden.

Schiers GR 1972, V. V., * 1922, Landwirt, Schiers G R, Umfrage 1972


Eine Sickergrube während des abnehmenden Mondes bauen.

Diemtigtal BE 1972, A. K., Umfrage 1972


Hochwasser haben bei Nidsigend die Tendenz zu graben, also die Sohle zu vertiefen, zu wühlen.

Pany GR 1972, A. G., Forsting., Pany GR, Umfrage 1972


Bei Nizigent nicht sprengen, das Wasser wird sonst einen tieferen Weg suchen.

Rüthi SG 1972, A. H., * 1949, Landwirt, Rütthi SG, Umfrage 1972


Arger cur chi fa glatsch in jüraint fa dan e murir oura il tschisp.
Arger eir schi fa glatsch in creschaint mâ nu fa dan, i fa be bain.

Bewässerung bei Frost und abnehmendem Mond schadet und läßt den Rasen absterben.
Bewässerung bei Frost und zunehmendem Mond schadet nie und tut
gut.

Müstair GR 1972, C.F.-A., *1897, Landwirt und Lehrer, Müstair GR, Umfrage 1972


Im Untergent den Bachlauf verändern, so nimmt der Bach nachher diesen Lauf an.

Trachslau SZ 1972, Einsiedeln SZ 1972, M. F., * 1954, Landwirt, Trachslau SZ, Umfrage 1972


Die Eisblatternbildung bei quelligen Stellen soll bei Obsigend größer sein als bei Nidsigend.

Pany GR 1972, A.C., Forsting., Pany GR, Umfrage 1972


Die Wasser in den Tobeln im Winter haben bei Obsigend die Tendenz aufzueisen, das heißt zuzufrieren, Wasser läuft wieder darüber, neue Eisschicht darauf, und alles steigt. Ist von Wichtigkeit bei Tobelwinterwegen für die Holzfuhren.

Pany GR 1972, A.G., Forsting, Pany GR, Umfrage 1972


Das Mistanlegen soll bei Nidsigend besser sein, Mist wird gepackt, geht unter. Ein kompakter Misthaufen, bei Nidsigend in die Wiese gesetzt, frißt den Wasen, bei Obsigend soll dieser intakt bleiben.

Pany GR 1972, A. G., Forsting., Pany GR, Umfrage 1972
Flasch GR 1972, J. F., *1921, Landwirt, Flasch GR, Umfrage 1972


Mist streuen, wenn der Mond abnimmt.

Lütitisburg SG 1972 A. G., * 1951, Landwirt, Lütisburg SG, Umfrage 1972
Gähwil SG 1972, P.H.,*1954, Landwirt, Gähwil SG, Umfrage 1972
Diemtigtal BE 1972, A. K., Umfrage 1972
Pany GR 1972, Chr. N., * 1911, Landwirt, Pany GR, Umfrage 1972
Vorderthal SZ 1972, R.B., * 1953, Landwirt, Vorderthal SZ, Umfrage 1972
Arth SZ 1972 , H.A.,* 1953, Landwirt, Arth SZ, Umfrage 1972
Riggisberg BE 1972, F. K.,* 1927, Landwirt, Riggisberg BE, Umfrage 1972


Mist im Obsigend ausbringen.

Rothenturm SZ 1972, A.Sch.-M., Landwirt, Rothenturm SZ, Umfrage 1972


Stalldünger wird im Nidsigent auf die Wiesen gestreut, Jauche hingegen im Obsigent.

Mastrils GR 1972, S. W., * 1899, Landmirt, Mastrils GR, Umfrage 1972
Fanas GR 1972, B. A.-D, * 1901, Landwirt, Fanas GR, Umfrage 1972


Quelle: Bauernregeln, Eine schweizerische Sammlung, mit Erläuterungen von Albert Hauser, Zürich und München 1973, S. 337 - 359