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21. Dezember

Thomas Ap., Severin, Petrus

Wenn St. Thomas dunkel war,
gibt's ein schönes neues Jahr.

Thuma kehrt den Tag umma.

Friert's am kürzesten Tage,
so ist's immer eine Plage.

Der Apostel Thomas ist der "Zweifler" unter den Jüngern Jesu. Er konnte an die Auferstehung Jesu erst dann glauben, als er seine Finger in dessen Seitenwunde gelegt hatte. Und da er bei der Himmelfahrt Mariens als einzigster Jünger nicht anwesend war, warf ihm Maria zum Beweis ihren Gürtel hinab. nach dem Pfingswunder begab er sich nach Persien und Indien und noch heute gibt es in Indien die "Thomaschristen". Die katholischen Kirche gedenkt dem heiligen Thomas mittlerweile am 3. Juli, dem Tag der Überführung seiner Gebeine. Ursprünglich wurde der kürzeste Tag oder die längste Nacht im Jahr, aufgrund der Dunkelheit mit den Zweifeln des Thomas gleichgesetzt.

In den apokryphen Schriften wird der Jünger Thomas als Zwillingsbruder Jesu bezeichnet. Im Hebräischen bedeutet Thomas Zwilling.

Apostel Thomas ©  Berit Mrugalska
Der Apostel Thomas mit seinen Attributen Lanze und Buch
Halbfigur aus der Pfarrkirche hl. Petrus, Reith im Alpbachtal, Anfang 19 Jh.
© Berit Mrugalska, 6. August 2004

Siehe auch Thomas (21. Dezember)

Aberglauben am Thomastag:

Um den künftigen Ehepartner zu erkennen:

Daselbst [im südlichen Böhmen Prachatitz] werden am h. Abende, in der Thomasnacht und am Johannesabende aus neun Arten Holz Kränze verfertigt. Man setzt sie auf den bloßen Kopf, und begibt sich, wenn die Sterne am Himmel stehen, zu einem Bache, wo ein Baum steht. Da schaut man nun in's Wasser und es erscheint das Bild des künftigen Ehegenossen.

Quelle: Mythen und Bräuche des Volkes in Oesterreich, Theodor Vernaleken, Wien 1859, Nr. 6, S. 331.

*

Um ihren künftigen Ehegenossen zu erkunden, gehen die Dirnen und Burschen zu dem Gartenzaun hinaus, fassen einen Pfahl desselben, wo möglich Holz von der Haselstaude und sprechen dabei:

"Gartenzaun, ich schütt'r dich,
Feines Lieb, ich witt'r dich".

Darauf sehen sie entweder die Gestalt oder hören den Namen des oder der Zukünftigen.

In der Thomasnacht kann man dieß auch erfahren, indem man um zwölf mit einem Fuß auf das Bett tritt, sich aber ja nicht umsieht uns spricht:

Bettschemel ich tritt dich,
heil'ger Thoams, ich bitt dich,
zeig' mir an
mein künft'gen Mann. Oder:
Zeig' mir glei'
mein künftigs Wei'.

Quelle: Mythen und Bräuche des Volkes in Oesterreich, Theodor Vernaleken, Wien 1859, Nr. 17, S. 336.

*

Will jemand wissen, wen er heiraten werde, so muß er am Thomasabend vor dem schlafengehen den Bettstaffel treten. Dieß besteht darin, dass man den untersten Theil des Bettes mit dem linken Fuße dreimal tritt, unddabei jedes Mal folgende Worte spricht:

Bettstaffel ich trit' dich,
heiliger Thomas ich bit' dich,
lass' mir erscheinen
den allerliebsten meinen.

Nachdem dieses dreimal gesprochen, muß man sich umgekehrt in das Bett legen, also dass der Kopf dahin zu liegen kommt, wo gewöhnlich die Füße liegen; auch darf man nicht auf der gewöhnlichen Seite in das Bett steigen, oder nach dem Bettstaffeltreten noch Anordnungen für den nächsten Tag machen und dergleichen, sondern man muß gleich unmittelbar nach demselben über den Bettstaffel in das Bett steigen. Man glaubt, dass dann im Traum die erwünschte Person erscheinen werde. (Nieder-Österreich.)

Quelle: Mythen und Bräuche des Volkes in Oesterreich, Theodor Vernaleken, Wien 1859, Nr. 18, S. 337.

*

In der Nacht vor dem Feste des h. Stefan wandern die Jungfrauen zu dem Brunnen bei Pösteny (in Ungarn). Füllen ihre Krüge und beten, dass der heilige Landespatron ihnen den zukünftigen Lebensgefährten offenbare. Derjenige ist es, welcher ihnen am folgenden Tage beim Kirchgang zuerst begegnet.

Quelle: Mythen und Bräuche des Volkes in Oesterreich, Theodor Vernaleken, Wien 1859, Nr. 26, S. 338.


Um die/den Liebste/n zu beobachten:

Man nehme in der Thomasnacht einen Spiegel und ein brennendes Licht und gehe damit ins Feie. Schlag 12 Uhr schaue man in den Spiegel und man wird in diesem Augenblick sehen, was diejenige Person thut, die einem lieb ist. (Ober-Österreich)

Quelle: Mythen und Bräuche des Volkes in Oesterreich, Theodor Vernaleken, Wien 1859, Nr. 21, S. 337.

Um Gewissheit über die Zukunft zu bekommen:

Man schneidet in der Thomasnacht einen Apfel entzwei und zählt dann die in einem Theile enthaltenen Kerne. Sind sie paar, so heiratet man bald; sind sie unpaar, so ist noch nichts daran zu denken. Schneidet man beim theilen des Apfels einen Kern entzwei, so deutet dieß auf häufigen Streit, schneidet man aber zwei Kerne, so hat man bald den Tod der Ehehälfte zu beklagen. (Weikersdorf, Nieder-Österreich)

Quelle: Mythen und Bräuche des Volkes in Oesterreich, Theodor Vernaleken, Wien 1859, Nr. 29, S. 339.


*

Die Landleute glauben, wenn man der Thomasnacht (21. Chistmonat) um 12 Uhr auf den Friedhof gehe, eine Sarg oder das Brett eines gewesenen Sarges nehme, in welchem ein Ast sich befindet, so könne man durch das gemachte Loch alle jene vorübergehen sehn, welche im künftigen Jahre sterben werden. (Teltsch in Mähren.)

Quelle: Mythen und Bräuche des Volkes in Oesterreich, Theodor Vernaleken, Wien 1859, Nr. 37, S. 341

*

Wenn man sich in der Thomasnacht so in das Bett legt, dass der Kopf dort liegt, wo gewöhnlich die Füße liegen, so geschieht alles, was man in dieser Nacht träumt, im folgenden Jahre.

Will man wissen, was man werden wird, so schreibt man mehrere Handwerke auf Zettel, legt sie unter das Kopfkissen, und nimmt dann um Mitternacht einen Zettel hervor, was auf diesem steht, das wird man.
(Nied. Österr. Nr. 5)


Quelle: Mythen und Bräuche des Volkes in Oesterreich, Theodor Vernaleken, Wien 1859, Nr. 46, S. 343.

*

In die Knödel, welche am Thomasabend gekocht werden, steckt man Zettel mit Nummern. Derjenige Knödel, der beim kochen [sic] zuerst an die Oberfläche des Wassers kommt, enthält die Nummer, die in die Lotterie zu setzen ist. (Egerer Kreis in Böhmen)

Quelle: Mythen und Bräuche des Volkes in Oesterreich, Theodor Vernaleken, Wien 1859, Nr. 80, S. 354.

Siehe auch Der St. Thomas - Tag

Siehe auch Vom Thomasabend

Siehe auch Das Kreisstehen

Siehe auch Die Rauhnächt

Gegen das "Langschläfertum":

Die Langschläfer können in der Thomasnacht ihrem Fehler abhelfen, wenn sie vor dem schlafengehen den heiligen Veit mit folgenden Worten anrufen:

Heiliger Sankt Veit,
weck' mich auf zur rechten Zeit,
dass ich mich nicht verschlafe,
und zur rechten Zeit erwache.
(Mank in Nied. Ötserr., auch in Westfalen)


Quelle: Mythen und Bräuche des Volkes in Oesterreich, Theodor Vernaleken, Wien 1859, Nr. 45, S. 343.

Vom Bleiwerfen:

Ein Bauernburche gieng in der Thomasnacht Bleiwerfen. Nachdem er das Kreuz gemacht und sich darauf gestellt hatte, kam ein Mann zu ihm, der sehr stark durch die Nase sprach und ihn fragte, was er da mache. Der Bursche erkannte sogleich, dass dieses der Teufel war, schlug ein Kreuz und ließ sich nicht irre machen. Als er aber das Blei warf, da fieng es der Teufel auf, und warf es unter schallendem Gelächter durch das Fenster in die Stube. Der Bursche lief was er konnte nach Hause und betete die ganze Nacht, damit ihm der Böse fernerhin nichts mehr anhaben könne. Des andern Tages brachte man ihm aber die Nachricht, dass die Dirne, auf die er sein Augenmerk gerichtet hatte, Nachts [sic] einen Schlag bekommen habe und sogleich gestorben sei. Den Grund fand er darin, dass er nicht gerade, sondern gebückt gestanden sei, was man nie thun soll, denn es heißt:

Wer das Blei wirft übern Kopf,
an des Dirnleins Herze klopft,
wer's wirft und sich duckt,
der Teufel 's Dirndel gleich erdruckt.

Quelle: Mythen und Bräuche des Volkes in Oesterreich, Theodor Vernaleken, Wien 1859, Nr. 62, S. 350f.

Vom Weingiessen:

Auch das Weingießen in der Thomasnacht von neugierigen [sic] angewandt, um die Liebste zu sehen. Es wird ein Schaff Wasser mitten in den Keller oder in die Mitte eines Zimmers gestellt und der Wein von einer bestimmten Höhe herabgegossen. Während dem muß der Bursche in das Wasser unverwandt hineinsehen um seine Zukunft zu schauen.
Im Volke heißt es:

Wasser und Wein
Zeigt's Dirnlein fein.

Quelle: Mythen und Bräuche des Volkes in Oesterreich, Theodor Vernaleken, Wien 1859, Nr. 63, S. 351.

Vom Schuhstellen:

Außer dem [sic] ist noch das Schuhstellen im Gebrauche. Dieses thun gewöhnlich Mägde um in die Zukunft zu blicken.

In die Mitte des Hofraumes wird ein Besen entweder in die Erde oder in den Schnee gesteckt und rings herum im kreis werden die Schuhe gestellt. Des anderen Morgens eilt nun jedes hinaus um seine Schuhe zu holen; er findet sie rechts gegen die Kirche, der andere links gegen das Hausthor und so jeder anders. Stehen zum Beispiel beide Schuhe gegen die Kirche, folglich auch gegen den Friedhof, so zeigt dieses einen nahen Todesfall an.

Dieses Schuhstellen wird in der Thomasnacht nicht so allgemein veranstaltet, als es am Silversterabend der Fall ist. (Mank in Nied. Österr.)

Quelle: Mythen und Bräuche des Volkes in Oesterreich, Theodor Vernaleken, Wien 1859, Nr. 64, S. 351f.


 

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