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6. November

Leonhard, Stephan, Simon, Christina, Erdmann

Hängt das Laub bis zum November hinein,
wird der Winter ein langer sein.

Legende:

Leonhard (6. November) ist erkenntlich als Abt mit Stab und Kette und Schloß.

Wie kam er zu dieser Kette? Leonhard, Abt von Noblac im Frankenlande, lebte am Hofe Klodwigs, wo er einer Fürstin in ihren Geburtsnöten wunderbar beigestanden sein soll. Er lehnte alle Würden ab und erbat sich nur, unschuldige Gefangene befreien zu dürfen.

Dadurch fielen ihm schon zwei Patronate zu als "Bantlöser" für Gebärende, Schwangere und gegen Frauenleiden, wofür ihm als Votivgaben eiserne Kröten und auch solche Stachelkugeln gespendet wurden, sodann als Befreier von Gefangenen, namentlich zur Zeit der Türkenkriege, wo ihm auch außer Eisenketten, Kapellen und Kirchen als Dank geweiht wurden.

Wo die Kette in solchem Sinne mißdeutet wurde, ward sie als Viehkette ausgelegt, Leonhard eine besondere Hilfsbereitschaft für Tiere zugetraut, und er wurde der weitaus verehrteste Schutzherr der Tiere, namentlich der Haustiere und somit einer der Hauptheiligen des Bauernstandes. Damit war und ist auch heute seine Beliebtheit und weitverbreitete Verehrung verknüpft.

Einer Bäuerin wurde erzählt, der Herrgott sei gestorben, was er in der Person Christi auch tat. Die Gute sann eine Weile nach, wer dann den Herrgott wohl ersetzen könnte, verfiel aber bald auf den einzigen vollwertigen Ersatz, auf Leonhard, weil er so viel vom Vieh verstehe. Die Bäuerin dürfte eine Bayerin gewesen sein, weil man in ihrem Land Sankt Leonhard den "bayrischen Herrgott" nannte. Auf Stalltüren findet man oft das Bild des Heiligen, auch auf Almwegen, ebenso Hufeisen in Natur oder gemalt auf Kirchentüren, Zeichen der großen Volkstümlichkeit des Viehpatrons. Es soll vor alten Zeiten in der Meraner Gegend Sitte gewesen sein, daß Ritter, die eine Reise unternahmen, ein Hufeisen dem Heiligen opferten und an die Kirchtüre anschlugen.

Leonhard starb 559 als Abt von Noblac.

heilige Leonhard  © Berit Mrugalska
Der heilige Leonhard als Abt mit der Kette in der
Rechten
, Skulptur
St. Georg, Obermieming (Tirol)
© Berit Mrugalska
, 27. Februar

Volkskundliche Hintergrundinformationen:

Als Heinrich Mart auf Ramings den Hof übergab, legte er dem Sohne ein versäumtes Gelöbnis auf. Vor dreißig Jahren habe er eine alljährliche Kirchfahrt nach St. Leonhard zu machen verlobt und, falls er sie versäume, dafür ein Kettenglied zu stiften für die Kette, die die Kirche umschloß; somit hätte der Sohn eine Kette mit dreißig Gliedern darzubringen.

Für die Eisenketten, die Kirchen umgürten, ist in einem Holzschnitt von 1488 das erste Zeugnis erhalten.

Man sieht in der Umgürtung eines heiligen Bezirkes das Fortleben eines indogermanischen Brauches und verweist als Beispiel der bergenden Umgrenzung auf den Seidenfaden um König Laurins Rosengarten. Der tiefere Sinn dieser Umgürtung ist die kultische Hegung einer heiligen Stätte, teils um von ihr Böses abzuhalten, teils um die Kraft des umschlossenen Heiligtums zu verstärken. Die Eisenketten um Leonhardskirchen hängen mit diesem Heiligen auch als Kettenlöser zusammen.

Die Brixner hatten ein sichtbares Zeichen für den Weltuntergang. Wenn nämlich die große, doppelte Kette um die Leonhardskirche, jährlich um ein Glied verstärkt, dreimal die Kirche umschlingt, ist der jüngste Tag.

Für die Verbreitung der Verehrung waren besonders die Zisterzienser tätig.

Die Blütezeit der Errichtung von Leonhardskirchen und Wallfahrten fiel in das 15. und 16. Jahrhundert. Man trifft ein dem Heiligen geweihtes Gotteshaus bereits aus 1386 in Kartitsch mit der Inschrift auf dem Fronbogen: "Dieser Pau ward volent, als die Heyschrecken im Land waren Anno D. 1479" nach einer Erneuerung. Im Gewölbe waren die Wappen der vorzüglichsten Wohltäter des Baues, des Grafen Leonhart von Görz und seiner Gemahlin Paula von Gonzaga zu sehen. Man nennt diese Kirche die "Schimmelkirche", weil der Fürst täglich auf seinem Schimmel auf Kartitsch geritten kam und auch Sand und Steine mitgeführt habe. Gott habe dies gelohnt, daß die Felder, durch die der Fürst kam, vom Hagel nicht geschädigt worden seien. Daher das alte Sprichwort: Jeder tue dem Grafen Leonhart gerne das Gatter auf, daß er durch sein Feld reite.

Andere Kirchen hat der Heilige in Kollmann, Oberinn, St. Leonhard in Passeier. Untersennberg und Latsch, bei Brixen. Bei dieser hielten Roßbauern, Fuhrleute, deren Patron Leonhard auch ist, und Poster ihren Wallfahrtsritt, dreimal um die Kirche. Roß und Reiter waren blumengeschmückt bis um 1870. Ebenso um Martini.

Brauchtum:

Eisenkreise werden gegen Kopfleiden als Votivgaben gespendet, klagen doch solche Kranke, als wäre ihnen ein eiserner Reifen um den Kopf gespannt.

 

Quelle: Heilige im Südtiroler Volksleben, Hans Matscher, Brixen 1961, S. 72ff

 

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