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29. September

Michael, Adelrich

St. Michaeliswein,
süßer Wein, Herrenwein. -

Regnet's sanft am Michaelstag,
sanft der Winter werden mag. -

Wenn die Zugvögel nicht vor Michaelis wegziehen,
so deutet das auf gelindes Wetter,
wenigstens bis Weihnachten.


St. Gertraud löscht das Licht aus.
St. Michael zündet es wieder an.

Kommt Michael hell und schön,
Wird's so noch vier Wochen geh'n."

Auf nassen Michaelstag
Nasser Herbst oft folgen mag."

Legende:

Michael (29. September), einer der drei Erzengel, gekennzeichnet durch mächtige Flügel, einer Waage, oftmals auch als Drachentöter. Mit der Waage ist auch Michaels Patronat über die Kaufleute verknüpft.

Als Patron der Kirche find ihm, dem seit uralten Zeiten Verehrten, älteste Kirchen geweiht, oder neben Gotteshäusern stehen auf dem Friedhofe nach ihm benannte Totenkapellen, denn er ist auch Schutzpatron der Toten an Stelle des Seelenführers Odin. Erst Gregor II. und Karl der Große verboten heidnische Totenfeste, wie die Spende von Naturalien, Speisen von solchen Feiern an die Seelengeister und setzten an ihre Stelle die Feste von Heiligen wie Bartholomäus, Michael und Martin.

Erzengel Michael mit dem Flammenschwert © Berit Mrugalska
Der Erzengel Michael mit dem Flammenschwert im Kampf
gegen das Böse, dargestellt als doppelzüngigen Teufel, Ötz
© Berit Mrugalska, 8. Mai 2005

Volkskundliche Hintergrundinformationen:

Auch die St. Michaels-Minne ist nichts anderes als der vorchristliche Gedächtnistrunk der germanischen Totenfeier, ein Brauch, der sich weiter erhalten hat und im Burggrafenamte "Pietschen" genannt wird.

Ebenso erinnert die Waage im christlichen Sinne an den heidnischen Seelenkult und verleiht Michael die Stellung als Seelenführer zu Gottes Thron, vor dem die guten und üblen Taten in die Waagschale geworfen werden.

Der Michaelstag ist ein wichtiger Termin für allerhand Abrechnung ("auf Michäli"), von den Bauern als Zinstag einst ziemlich gefürchtet. Michäli-Märkte sind bis auf das 14. Jahrhundert zurückzuführen.

An manchen Orten wird heute das Vieh von den Almen abgetrieben. Solch Almabfahrt zeigt da und dort noch schönes, altes Brauchtum wie etwa im Passeier. Der Bauer reitet dem Zuge voran, hinter ihm folgt mit bewußter Würde und voller Zier die Kranzkuh und dann das andere Getier mit allerlei Glocken. Die Hirten knallen vor dem Hofe mit ihren Peitschen wie Böller, teils aus Freude über die glückliche Heimkehr und in der Meinung, daß ihr Lärm die üblen Geister auch für den ganzen Winter verscheuche.

Und so gingen einst Meister und Gesellen über Land, der Meister zahlte den Gehilfen eine gute Zehrung, das "Lichtbratl". Vielleicht ein verwehtes Gedenken an die Speiseopfer für die Toten, das unsere Ahnen um diese Zeit darbrachten.

Michael ist nicht nur ein Lostag, es war einst auch eine Losung, der Schlachtruf des deutschen Volkes! Schlachtgesänge lassen sich bis in die Zeit der Karolinger zurück verfolgen, Schon die Scharen Hermanns, des Cheruskers, brachen mit Kampfgeschrei über die römischen Legionen des Varus herein. Und der "fulor teutonicus" ist noch heute von Feinden gefürchtet.

Anderseits: "der deutsche Michl!" Im achtzehnten Jahrhundert gewann diese Bezeichnung die Bedeutung von "Bauer" oder "Schlafmütze", ein gutmütiger, traumselig dahinduselnder Geselle, dessen Erwachen aber immer und immer wieder gefürchtet wird.

Der "Michl" ist Begriff geworden für deutsch wie "Marianne" für Frankreich, "Bruder Jonathan" für USA oder "John Bull" für England.

Brauchtum:

Um Michaeli beginnt das Siebenläuten. Man nimmt den Nachbar, der nicht darauf achtet, in Meran bei den Ohren. Man nannte das auch "Hußausläuten", oder "Weinausläuten". Die Glocke, mit der dies geschah, hieß "Weinglocke". Alle Gäste mußten auf ihren Ruf Wirtshäuser und Schenken verlassen und heimgehen. Diese ungute Zeit dauerte bis Ostern.

Quelle: Heilige im Südtiroler Volksleben, Hans Matscher, Brixen 1961, S. 68ff


Sagen zum Michaelitag:

Der Teufel auf dem Schlern

 


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