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10. August

Laurentius, Amadeus, Erlwin

Laurenz muß heiß sein,
soll der Wein gut sein. -

Nach St. Laurentii wächst das Holz nicht mehr. -

Sollen Trauben und Obst sich mehren,
dürfen mit Laurenz die Wetter aufhören. -

Laurenz setzt den Herbst an die Grenz;
Bartlmä bringt ihn her.


Lorenz!,
Sommer schwänz' di!

Ist Laurenz ohne Feuer,
Gibt's ein saures Weinlein heuer.

Um Lorenzi am Spitz,
Um Bartlmä (24. 8.) am Zaun,
Um Gall (16. 10.) im Stall
Und überall.

Um Lorenzi am Horn,
Um Bartlmä am Boden.

Heiliger Laurentius © Berit Mrugalska
Heiliger Laurentius,
Kirchentür St. Nikolaus, Ultental (Südtirol)
© Berit Mrugalska, 16. Mai 2005

Legende:

Laurentius (10. August) trägt als Zeichen seines Martyriums die Palme und als besonderes Merkmal einen Rost, auf dem er sozusagen geröstet wurde, nachdem er früher blutig gepeitscht worden war. Seltener findet man ihn mit einem Rauchfasse abgebildet.

Laurentius war Verwalter des Kirchen-, schatzes unter Papst Sixtus II. Vor der drohenden Beschlagnahme verteilte er diesen an die Armen. Vor Kaiser Valerian wies er auf diese, die sein Kirchenschatz wären, und wurde dann 285 gemartert.

Dem über Feuer glühenden Rost hat es der Heilige zu verdanken, daß ihm ein reichliches Patronat zufiel, nämlich über all das, was mit Feuer zu tun hat, also die Köche, die Wäscherinnen, die Kohlenbrenner, die Feuerwehr, ja, er gehörte selber in das Mittelalter hinein zu dieser, bis ihm Florian, der früher als sein Geselle eingeschätzt wurde, den Rang ablief, hingegen vermag er einen noch immer vor dem Fegefeuer zu bewahren: er hilft bei Brandverletzungen und Krankheiten, die das Volk als "Brand" zusammenfaßt. Aus seinem einstigen Amte heraus ist er Helfer der Armen geblieben.

Den heiligen Laurentius mit Palme und dem Rost im Wappen führt das alte Dorf St. Lorenzen bei Bruneck, früher der bedeutendste Ort des mittleren Pustertales.

Laurentius
Pfarrkirche heiliger Laurentius in Baumkirchen, bei Innsbruck
Fresko von Franz Xaver Fuchs, vor 1896
© Berit Mrugalska, Juli 2005

Volkskundliche Hintergrundinformationen:

Einem so umfassenden Patronat entspricht auch die Verehrung, die im deutschen Reiche noch besonderen Aufschwung nahm, nachdem Kaiser Otto I. nach einem Gelübde 955 die Ungarn besiegt hatte. Auch die Verwendung als Taufname bezeugt die einst so große Volkstümlichkeit des Heiligen.

Bei so viel Gnade vom Himmel darf man sich nicht wundern, wenn er seinen Glanz auch äußerlich zeigt und in den Nächten um Lorenzi fallen die meisten Sternschnuppen, sie heißen "Lorenzikohlen". Einstmals grub man danach und gebrauchte sie zu allerhand Zauberei.

Ja, Lorenz: gilt als erster Herbsttag, da er den Sommer teilt und ein wichtiger Lostag ist.

Die Ernte reift auf den Feldern immer stärker heran, und wenn das Wetter recht ist, reift die Traube.

Brauchtum:

Am Lorenzitag war seit Jahrhunderten in Bruneck ein großer Markt, durch feierlichen Ritt der Ratsherrn eröffnet. Er dauerte vierzehn Tage, die inzwischen auf zwei zusammengeschmolzen sind.

Quelle: Heilige im Südtiroler Volksleben, Hans Matscher, Brixen 1961, S. 57ff

 

 


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