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5. August

Mariä Schnee, Oswald, Afra

Regen an Maria Schnee
tut dem Korn tüchtig weh. -


Oswaldtag muß trocken sein,
sonst wird teuer Korn und Wein.

Wenn die Tage vor und nach Oswald
die Äpfel unter den Bäumen braten,
so erfrieren im Winter die Reben.

Legende:
Oswald (5. August) trägt als König in der einen Hand ein Szepter, in der anderen einen Raben, der ihm aber auch (wie auf einem Hausfresko in Tartsch) auf einer Schulter sitzen kann.

Oswald, König von Northumberland, mußte nach seines Vaters Tod (617) flüchten vor den ins Land einfallenden Briten und suchte Schutz im Kloster der Schottenmönche. Er bekehrte sich dort zum Christentume, eroberte 634 sein Land zurück, brachte fast ganz England unter seine Herrschaft, verlor aber am 5. August 642 in einer Schlacht das Leben. Er war ein eifriger Vorderer des Christentumes geworden. Bald nach seinem Tode geschahen Wunder an seinem Grabe und seine Verehrung fand alsbald weite Verbreitung. Die Mission iroschottischer Mönche verhalf dem Heiligen in Deutschland, besonders in der Alpengegend, zu weiterer und nachhaltiger Verehrung, die noch besonders durch die Merowinger gefördert wurde.

Hl. Oswald © Berit Mrugalska
Hl. Oswald mit Krone verteilt Essen an die Kranken und Lahmen,
links der Rabe mit Ring im Schnabel
Deckenbild in der Pfarrkirche St. Oswald in Mauls, Südtirol
© Berit Mrugalska, 4. April 2004

Sage:

Und eine Südtiroler Sage erzählt uns: Der heilige Oswald war ein christlicher König im Etschland. wurde von Heiden und anderen bösen Leuten des Thrones beraubt und vertrieben. Da flüchtete er sich zum Ifinger hinauf und wohnte dort, bis er selig im Herrn starb. So lange er regierte, gab es weder Hunger noch Teuerung, weder Krieg noch Pest, und die Äcker trugen so viel, als heutzutage.

Volkskundliche Hintergrundinformationen:

Oswald hatte immer einen Raben bei sich und ist der gewaltigste Wetterherr, sendet Hagel und Regen, daß alles Getreide zu Boden geschlagen wird. Um den mächtigen Herrn zu verehren, ziehen am 5. August (Maria Schnee) die Bauern von Schenna und Hafling zur Oswaldkapelle am Ifinger, die nahe am "Junkbrunnen" steht.
Der Ifinger hat zwei Spitzen, zwischen denen in uralten Zeiten ein heidnischer Tempel gestanden sein soll, der dem Wodan geweiht war. "Es gibt keine zweite Gestalt, wo der Wodan deutlicher, unmittelbarer zutage tritt als an Oswald" (Bernoulli).

Dieser Rabe weist eindeutig hin auf Wodan, dem höchsten Gott der Germanen. Herrn der Winde, der Heilkunde. Schützer des Ackerbaues und der Viehzucht, namentlich der Pferde. Er ist von Zwei Raben begleitet.

Und der Ifinger, ein stolz und hochauf-trotzender Wetterberg bei Meran, den oft schwarze Gewitterwolken umziehen, trägt auf seinem Rücken das Kirchlein des hl. Oswald.

Die Statue Oswalds fanden eines Tages Hirten im Gestrüpp von Alpenrosen, die noch heute bei den Haflingern "Oswaldstauden" heißen.

Sagen sind keine Märchen, denn sie umschließen meist in einer mehr oder minder dicken Schale einen wahren Kern.

Wodan war kein "Wetterherr", aber der Ifinger als Wetterberg hat ihn und Oswald dazu gemodelt. Übrigens wird dafür auch der "Junkbrunnen" verantwortlich gemacht. Sein erquickendes, eiskaltes Wasser soll verjüngend und heilsam (siehe Wodan) wirken. Die Quelle war aber auch als unheimliches Wasser gefürchtet: von ihm kommen alle Hagelwetter, die von Zauberern und Hexen gemacht werden.


In Südtirol erfreuen wir uns auch noch manch anderen Angedenkens an die Tätigkeit dieser Mönche, wie der fresken in der Prokuluskirche von Naturns; in Tschirland findet man eine St. Oswald-Kirche, mehrere andere wie beim "Gescheibten Turm" in Bozen und in Kastelruth, und viele Kapellen sind ihm geweiht.

Im 14. und 15, Jahrhundert war Oswald ein beliebter Taufname; auch in Adelskreisen und einer seiner berühmtesten Träger war wohl Oswald von Wolkenstein.

Auch der Nothelfer Oswald ist wie Odin (Wodan) Schützer des Ackerbaues und der Viehzucht: er genießt in letzterer besondere Verehrung, wobei ihm eiserne Opfer in Form von Tieren dargebracht wurden.

Wetterherr war aber Oswald ebensowenig wie Wodan. Er ist es erst geworden durch den Ifinger, dem bösen Wetterberge, den rabenschwarzes Gewölk umzieht, der Muren, üble Gewitter und Hagel übers Tal hinbreitet. Die Zeit, in der es am meisten wettert, wird den Beschützer des Ackerbaues und der Viehzucht auserwählt haben wie Wodan, von dem das Volk sich erzählte, daß er dort ein Heiligtum gehabt habe.

Und man erbaute auch Oswald dort eines.

Im Jahre 1641, in den Zeitläuften, wo Krieg, Teuerung, Pest das Land bedrohten wie die apokalyptischen Reiter. Galt doch auch noch im Volksglauben Oswald als Vertreter einer guten, alten, gesegneten Zeit im Etschlande.

Übrigens ist schon urkundlich seit 1447 eine "Oswald-Alm" bekannt.

Vielleicht hat aber auch der "Junkbrunnen" zum Baue der Kapelle mitgeholfen. In der Stiftungsurkunde heißt es: "Es ist ein Ort, an welchem Orte eine Quelle ist zu deutsch "der Junkbrunnen" genannt, an welchem sie (die Haflinger) eine Kapelle zu erbauen beabsichtigen", und an anderer Stelle: "zur Ehre des allmächtigen Gottes und zum Gedächtnis des hl. Ubald, in der einheimischen Sprache Oswald genannt."

Die Quelle war aber, wie bereits früher erwähnt, gefürchtet, denn aus ihr stammen alle bösen Hagelwetter, von Zauberern und Hexen heraufbeschworen. Gerade im Jahre der Kapellenstiftung von 1641 wurde der Hexenmeister Lauterfresser, der nach Zeugenaussage öfters am "Junkbrunnen" Wetter gemacht habe, verbrannt.

Die Kapelle könnte also aus zwei Absichten errichtet worden sein; als Bitte zum heiligen Oswald und als Hexenbann. Ja. vielleicht sollte das "ohrenbetäubende Peitschengeknalle" der Hirten auch diesen Bann unterstützen und nicht nur die fehlenden Glocken ersetzen, wenn die Prozession der Haflinger und Schennaner am 5. August die Lehne zur Kapelle heraufzog.

Oswald sieht streng darauf, daß ihm diese gestiftete Verehrung zuteil werde, denn "Kindern und Heiligen muß man Versprechen halten, sonst kommen sie und mahnen einen!" Als die Haflinger zwei Jahre hintereinander die verlobte Prozession unterließen, da schlug ihnen der Heilige alles Getreide in Grund und Boden hinein. Die berühmten Haflinger Pferde scheint der Viehpatron verschont zu haben. Übrigens durfte bei einem Pfund Strafe an die Kirche auf dem Felde nicht gearbeitet werden.

Der Wetterherr hat aber sogar seinem Kirchlein in den Zeitläuften arg zugesetzt, denn, obschon man es 1794 restaurierte, mußte man 1879 an einen Neubau denken, etwas tiefer als das alte, in der Nähe des "Junkbrunnens".

Brauchtum:

Freilich das urtümliche Peitschenknallen am 5. August hat sich verflüchtigt, denn dies scheinen auch die Hexen getan zu haben, seit im Türmchen eine geweihte Glocke läutet. Nur heilkräftig ist der "Junkbrunnen" geblieben für Durstige, wenn sie halt Wasser nicht verachten.

Quelle: Heilige im Südtiroler Volksleben, Hans Matscher, Brixen 1961, S. 52ff

Maria Schnee:

Wallfahrtskirche Obermauern
Weihrauchverhangender Chor in "Unserer Lieben Frau Maria-Schnee" in Obermauern, Virgen
© Berit Mrugalska, Frühjahr 2006

Votivbild Widder
Votivbild mit dem bekannten Widderbrauch in Virgen (Osttirol)
Im untersten Bildteil ist die Widderprozession nach Maria-Schnee abgebildet
sowie der Sensenmann mit dem weißen Widder
darüber Maria und Petrus als Fürbitter für ein bäuerliches Ehepaar mit Widder
zu oberst die hl. Trinität, Gottvater, Sohn und Heilige Geist

© Berit Mrugalska, Frühjahr 2006

 


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