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25. Juli

Jakob Ap., Christophorus, Meinrich

Wenn Jakobi klar und rein,
wird das Christfest frostig sein. -

Wenn der Kuckuck um Jakobi schreit,
das wird eine teure Zeit. -

Hundert Tage nach dem ersten Reif
nach jakobi schneit es zu. -

St. Jakob ist der erste Herbsttag.
Ist er schön, folgt gutes Wetter und umgekehrt.

Legende:

Jakob (25. Juli) ist der einzige Heilige, der einen Hut auf hat, einen Pilgerhut, und außerdem durch einen Pilgerstab seit dem 13. Jahrhundert als ein Wallfahrer gekennzeichnet ist. Es wird daher nicht verwundern, daß er einer der Hauptpatrone der Pilgerschaft ist.

Er war unter den ersten Jüngern des Herrn und Bruder des Evangelisten Johannes.

Er wurde Nationalheiliger der Spanier und schon im 9. Jahrhundert in der Kirche Santiago der Stadt Compostela hoch verehrt. Seit dem 10. Jahrhundert bereitete sich die Wallfahrt dorthin auch im deutschen Bereiche immer mehr aus, es entstanden dort die Jakobsbruderschaften, ganze Pilgerströme flössen dorthin, und auch unser Oswald von Wolkenstein.

Wie Jakobus Kornpatron wurde? Bei einem Gang durch ein Kornfeld pfändeten Bauern dem Heiligen den Hut, und er gelobte, ihr Kornpatron zu sein, wenn sie ihm den Hut ließen.


heilige Jakob © Martin Morscher
Der heilige Jakob mit Pilgerhut, -muschel und -stab,
Tafelbild, Laas (Südtirol)
© Dr. Martin Morscher, Mai 2005

Volkskundliche Hintergrundinformationen:

Kein Wunder, daß bei uns viele Kirchen und Kapellen diesem Heiligen geweiht wurden, oft an stark begangenen Straßen wie in Oberau bei Bozen, und in der Mahr bei Brixen, oder auf Übergängen wie in Pfitsch oder in Grissian. wo eine besonders schöne Jakobsstatue zu bewundern ist.

Denn natürlich befaßte sich auch die Kunst mit diesem so beliebten Heiligen, feierte ihn in Lied, Legende, Brauchtum und in der Namensgebung bei der Taufe und "Jaggl" gab es einst haufenweise.

Diese helle Verehrung wurde aber für manchen eine Schattenseite: einer der größten Zinstermine des Bauernjahres. "Zu oder um Jakobi!"

Der Plenten (Buchweizen) soll um Jakobi Betläuten hören, meint man in Pfalzen (Pustertale); er soll also so zeitig gebaut sein, daß er am Jakobitag schon aufgegangen ist, damit er rechtzeitig reifen kann.

Brauchtum:

Am Jakobitage soll die Teufelskette, daran Luzifer beständig feilt, ganz dünn werden. Um zu verhindern, daß der Teufel von der Kette kommt, macht der Schmied nach der Arbeit noch drei Schläge auf den Amboß.

 

Quelle: Heilige im Südtiroler Volksleben, Hans Matscher, Brixen 1961, S. 45ff

***

Legende:

Christoph (25. Juli) erscheint gerade in Südtirol häufig als Fresko an Kirchen oder ihren Türmen und an Hausmauern als ein zottelhaariger, bärtiger Riese in meist flatterndem Gewande, das ein Gürtel zusammenrafft; er watet durch ein Gewässer, stützt sich mit dem einen Arm auf einen langen, dicken Stab (manchmal ist's ein entwurzelter Stamm) und trägt auf der anderen Schulter ein Kind, den kleinen Jesus.
Dazu erzählt die Legende aus dem dreizehnten Jahrhundert: ein Soldat zu Kanaan, namens Offerus, wollte nur dem Mächtigsten dienen. Den er dafür hielt, fürchtete sich vor dem Teufel, dieser aber vor dem Kruzifix am Wege. Auf seiner weiteren Suche stieß Offerus auf einen Einsiedler, der dem überkräftigen, hochgeratenen Wanderer riet, ein Gott wohlgefälliges Werk zu tun, seine Kräfte der Nächstenliebe zu weihen und Menschen durch den reißenden Bach ans andere Ufer zu tragen. Und eines Tages bat ein Knäblein um diesen Dienst. Offerus schutzte es auf eine Schulter und watete ins Gewässer Doch je näher er in dessen Mitte kam. umso schwerer drückte die Last auf seine Schulter, als trüge er die ganze Welt. Da sprach der Knabe: "Wundere dich nicht! Denn nicht nur die ganze Welt hast du auf dir, sondern auch den, der sie erschuf. Ich bin Christus, dein Herr!"

Das Kind drückte seinen Träger zur Taufe unter das Wasser: "Offerus heißest du, Christophorus sollst du nun heißen."

Aus dem Orient drang bald nach 600 die Verehrung zu uns. Christophorus wurde einer der vierzehn Nothelfer. Pestpatron vor Rochus und Sebastian, Helfer beim Suchen und Heben von Schätzen, wozu man auch das Christophorus-Kraut (actea spicata) verwendete, und nun ist er sogar Schirmherr der Autofahrer geworden, und manche Plakette mit dem Bilde des Heiligen im Wagen zeugt von solcher Verehrung bis auf den heutigen Tag.

Volkskundliche Hintergrundinformationen:

Es lag nahe, daß man diese Ausnahmserscheinung eines Riesen im christlichen Himmel aus mytischen Motiven, aus Vorgängern des Heidentums abzuleiten suchte.

Man verfiel dabei sogar auf Herakles, der sich auf seine Keule stützt und mit der anderen Hand den kleinen Ajax trägt oder einen geflügelten Eros auf der Schulter hat. Durch ihn sollte er ja bei Omphale erfahren, wie nichtig seine Kraft war.

Der großen Volkstümlichkeit verdankt es dieser sonst so schlichte Heilige, daß er auch in die deutsche Mythologie ein- oder aus ihr hervorgegangen ist. Dort findet man ihn zusammen mit dem Riesen Gargantua als Sinnbild der Treue.

Weitaus mehr Ähnlichkeit hat aber Christoph mit dem Gotte Donar (Thor). Der reichte von der Erde bis in den Himmel, er trug einen Gürtel, der ihm Stärke verlieh, war geschmückt mit einem rotblonden Vollbart, den auch die spätere Gotik unserem Heiligen zubilligte; auch Thor ist ein Flußvater und watet durch Ströme mit dem Knaben Oervandill. Mit Donar, dem Donnerer, Herrn der Ungewitter und Wassersnot, kann Christoph als Schutzpatron gegen solche Unbill verglichen werden. Dabei gilt aber unser Heiliger nicht als "Wetterherr" und hat auch keinen Lostag im Bauernkalender, doch fällt sein Namenstag in die Zeit der Gewitter und ihrer Folgen. Das flatternde Gewand der spätgotischen Maler soll auch auf Sturmwind deuten, davor einen St. Christoph zu schützen vermag.

Unter dem Bilde des Heiligen an der Außenseite des Kirchleins zu Margen (Terenten) bringt bezüglich diesem einen Hinweis die Inschrift: "... Insunderheit aber den Heiligen Christofforus als einen sonderbaren Patron für das Hochgewitter und Tandern (Donnern) zu sunderen Ehren hat die ganze Nachbarschaft diesen Christoff auf ihren eignen Unkosten machen lassen."

Als Helfer war er noch gegen eine anderweitige "Nässe" gut und gegen nachfolgende Donnerwetter, nämlich gegen das tolle Zutrinken und Vollsaufen am ausgehenden Mittelalter, dagegen auch später die Christophorden und Christophbruderschaften Stellung nahmen und rechtschaffene Gastfreundschaft pflegten.
Solchen Bruderschaften in Tirol ist auch das Hospiz am Arlberg seit 1386 zu danken. Schon aus der Legende geht hervor, daß der Riese noch vor seiner "Taufe" durch das Christkind sich der Reisenden annahm und besonders im Mittelalter wurden solche eist ihres Lebens froh, wenn sie das Bild des Heiligen erblickten. Deshalb findet man es so häufig an der Außenseite' von Kirchen und Türmen, auch auf heute ganz abseits gelegenen Wegen und so gehäuft im Durchzugslande Südtirol, während es im Salzburgischen fehlt. Eines der ältesten Christophbilder (13. Jahrhundert) sieht man außen an der Johanneskirche in Taufers (Vinschgau). Ja, man wurde seines Lebens erst richtig froh, wenn man den Heiligen erblicken konnte, denn er schützte auch vor jähem Tode. Man verblich an diesem Tage nicht.

Heiliger Christopherus © Martin Morscher
Heiliger Christopherus mit Jesusknaben, Pfarrkiche Taufers (Südtirol)
© Dr. Martin Morscher, Mai 2005

Aberglaube:

Als solchen Talisman schnitzelte man kleine Späne von seinen Holzstatuen und namentlich die auf dem Arlberg hatte besonders darunter zu leiden. Hiezu sei ein Brauch aus Südtirol vermerkt aus dem Glauben heraus, daß Sand und Kalk aus Christoph-Fresken besondere Bedeutung hätten zufolge eines alten Spruches "Ein Körnchen vom Fuße Christoffel macht der Bäurin am Samstag den Krapfenteig recht wuchern." So zeigt der Christoph auf der Kirche von Meransen (Pustertal) am Zehenteil kleine weiße Wecken, die bezeugen, wie hier Material abgekratzt worden ist. Hoffentlich sind die Krapfen wünschenswert aufgegangen.

 

Quelle: Heilige im Südtiroler Volksleben, Hans Matscher, Brixen 1961, S. 47ff

 


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