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8. Juni

Medardus, Johann St., Maria

Macht Medardus feucht und naß,
regnet's ohne Unterlaß.
Schier dasselbe gelten mag,
von St. Margareten's Tag. -

Was St. Medardus für Wetter hält,
solch Wetter auch in die Ernte fällt.

Medar
sagt 40 Tage wahr.

Legende:

Medardus (8. Juni), Bischof von Noyon, über dem ein Adler oder drei weiße Tauben schweben.

Ist Urban ein altbeliebter Heiliger, so wird Medardus namentlich von den Bauern umso scheeler angesehen. Natürlich kann der Heilige nichts für diese Mißgünstigkeit. Es ist die Zeit, in die sein Tag fällt und ihn zu einem Wetterherrn stempelt. Und er verübt seine ländliche Untat gerade in den wichtigen Tagen des Heuens, weshalb er auch - höflich gefügt - "Heunässer" genannt wird.

Wie der Heilige zu seinem Beinamen "Heunässer" gekommen, erzählt eine - allerdings französische -Legende:

Medardus hatte einmal das Mißgeschick, seine Hose zu verunreinigen und bat seine Haushälterin, die gerade beim Waschen war, die Hose zu reinigen.

"Ich bin mit der Wäsche fertig und will nicht von nuem anfangen. Die Hose wird schon auch am Leibe trocknen!"

Da habe der Heilige ihr die Hose hingeworfen und gesagt, es werde sie schon Gott waschen, doch ihre Wäsche verfaulen machen. Darauf regnete es vierzig Tage. Und die Folge? Die Hose Medardi's ward gründlich gewaschen, das Zeug der Wäscherin aber ging zugrunde.

Diese französische Legende bezeugt übrigens, daß um Medardi auch in Frankreich gerne ein Landregen niederrauscht.

Volkskundliche Hintergrundinformationen:

Also das Wetter zu Medardi wird, wenn es näßt, ein Dauer- oder Landregen. Und er näßt gern um diese Zeit und verdirbt damit das Heu. Er wird dann auch zum Unsegen für das Feld.

Immerhin stiftet anhaltende Trockenheit auch ihren Schaden, und dann wird der Heilige um Regen angerufen.

 

Brauchtum:

Bei großer Dürre wallfahrtete man aus manchen Orten nach Tarsch bei Latsch.

Dort war seit Anfang des 13. Jahrhunderts aus einem Hospiz eine Kirche erwachsen und dem heiligen Medardus zugeeignet. Aber auch da hatte er es mit dem Wasser zu tun. Beim linken Seitenaltare entspringt eine Quelle, die eine Heilquelle wurde, insbesondere für Fieberkranke, die es früher häufig wegen der Möser bis über Bozen hinunter gab. Auch Kreuzgänge von Naturns und Marling sind verbucht.

Quelle: Heilige im Südtiroler Volksleben, Hans Matscher, Brixen 1961, S. 31ff



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