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19. März

Josef, Ida, Adeltrud, Friedburg

Wenn's einmal um Josefi is,
so endet auch der Winter g'wiß.
Ist's am loseftag klar,
so folgt ein fruchtbar Jahr.

***

Ist es an Josephus klar,
wird es ein gesegnt' Jahr.

Um "Josefi" zogen aus Tirol (vor allem Oberland) die "Schwabenkinder" fort - siehe Schwabenkinder - Die Fortzieher von Grins. Durch Kaiserin Maria Theresia (Regierungszeit 1740 - 1780) wurde der heilige Josef, der Namenspaton des Thronfolgers Erzherzog Joseph II., zum Patron Tirols. Der ehemalige Landespatron Tirols, der heilige Georg, ist im Juni 2005 zum zweiten Landespatron erklärt worden.

Legende:

Josef (19. März) ziert die Altäre als barhäuptiger, schlichter Mann, meist in etwas demütiger Haltung, mit einer Lilie in der Hand, der Axt oder dem Richtmaß eines Zimmermannes, welche beiden Attribute ihn deutlich genug als Patron des werktätigen Volkes, der Arbeiter, kennzeichnen, drum hat ihn auch Kolping als Schutzherrn der Gesellenvereine gewählt und dadurch viel zu seiner Verehrung beigetragen.

Denn Josef, der stille, bescheidene Handwerker im Städtchen Nazareth, blieb viele Jahrhunderte im Dunkel und keine Kerze brannte für ihn. Was wußte man viel aus seinem Leben? Wo lag er begraben? Weder Reliquien gab es von ihm, noch hörte man von Wundertaten. Er verschwand in den Evangelien aus dem Leben Christi, lange bevor dieser mit dreißig Jahren in die Öffentlichkeit trat.

Weil Josef in den Armen Christi und Marias seine Seele aushauchte, steigt zu ihm die Bitte um eine glückliche Sterbestunde.

Ganz besonders ist dieser Heilige Schützer der Ehe und der Familie. Die Weihnachtskrippe zeigt ihn uns in unzähligen Darstellungen aller Künste, wie auch Christus als Zimmermannsgeselle neben seinem Vater (Dürer).

Puchheimer Gewandkrippe © Berit Mrugalska
Die Anbetung der Könige (Epiphanie), Puchheimer Gewandkrippe aus Neapel 1750
zentral der heilige Josef, links Maria Muttergottes und in der Krippe das nackte Jesuskind
Kaiserin Maria Theresia übergab 1877 den Redemptoristen diese wertvolle Krippe
sie ist ganzjährig in der Wallfahrtskirche Maria Puchheim, Oberösterreich, ausgestellt
© Berit Mrugalska, August 2005

Hintergrundinformation aus volkskundlicher Sicht:

Das Mittelalter kannte ihn noch nicht als Heiligen, drum sind seine Kirchenpatrozinien alle aus neuerer Zeit. Erst im 15. Jahrhundert bekam er einen einfachen Festtag und 1621 wurde dieser zum gebotenen Feiertag erhoben.

Dann aber erging es ihm wie einem napoleonischen Soldaten mit dem Marschallstab im Tornister: 1729 nahm ihn Papst Benedikt XIII, in die Allerheiligenlitanei auf. 1780 erklärte ihn Papst Pius IX. als Patron und Schutzherrn der Gesamtkirche, weil besonders würdig, daß er, wie er einst die Familie von Nazareth in allem mit der heiligen Sorgfalt betreute, so auch jetzt die heilige Kirche mit seinem hohen Schütze vom Himmel aus schirme und verteidige. Und Pius XI. hielt Josef besonders geeignet, den Frieden im Reiche der Christen herbeizuführen gegen den atheistischen Weltkommunismus.

Daß er nach Maria als der höchst verehrte Heilige gilt, bewirkten seit der Wende des 17. und 18. Jahrhundert auch die Habsburger, die in ihrem Hause manchen Josef hatten, und in derem Reiche sechs Länder ihn als Landespatron erwählten (Tirol, Salzburg, Kärnten, Steiermark, Krain, Küstenland).

Von diesen Provinzen kann wohl Tirol sich als "Seppl-Land" rühmen, d. h. es konnte, denn auch hier haben verschiedene Zeitströmungen bedauerlicher Weise die vielen Seppl. Peppi, Sephen hinweggeschwemmt, wie auch den Namen Marias und ihrer Mutter Anna. Der politisch von Herodes verfolgte Flüchtling nach Ägypten ist zum Schutzpatron dieser Zeiterscheinung geworden und aller Herbergsuchenden.

Von inniger Lieblichkeit war wohl einst der Brauch des "Kindlwiegens", der auf kirchliche Mysterienspiele zurückgeht. Im Sterzinger Weihnachtsspiel (1533) ladet Maria Josef ein:

"Josef, lieber gemachl mein,
Nu hilf mir wiegn das Kindelein.
Gott, der will dein loner sein.
Im Himmelreich
Der junkfrae Kind
Maria."

Eine eingehende Beschreibung solcher Spiele bringt die Brixner Dommesner-Ordnung (1560). Aus der Kirche ist das Kindlwiegen wie andere Mysterienspiele ins Wohnhaus gewandert und in Frauenklöster, bei den Klarissinnen in Brixen noch um 1870.

Als Familienbeschützer ist Josef natürlich auch Patron der Ehe. Junge Eheleute widmeten ihm einen Tag nach der Hochzeit mit Andachtsübungen. Bei den Griechen wurde der erste Tag nach der Hochzeit von Dämonen umdroht gehalten und der Vollzug der Ehe daher verschoben.

In der Brixner Gegend haben die Ehemänner ihr Bundesfest und ihre Standesunterweisung. Da ist in Zinggen um ein Uhr nachmittag im Freien die Predigt, besucht auch von vielen aus der Umgebung.

Eine Tiroler Handschrift des 17. Jahrhunderts empfiehlt gegen verschiedene Anfechtungen, Leiden und Epilepsie Josefsringe, die sich im Laufe des 19. Jahrhunderts zum Josefsgürtel entwickelten, verwendet in der Volksmedizin bei verschiedenen Krankheiten.

"Der Duft der Königin" © Berit Mrugalska
Das Deutschmeister Grab im Innsbrucker Dom St. Jakob
die Installation "Der Duft der Königin" von Georg Planer
bezieht sich mit Bienen und Wachswaben auf eine
altchristliche Symbolik,
Projekt zur Fastenzeit 2006
© Berit Mrugalska, 11. März 2006

Brauchtum:

Es gibt auch einen Bienensegen, daß Josef als Frühlingsheiliger den Bienen ihren Flug wieder möglich mache.


"Josef klar,
Gibt ein gutes Honigjahr."
"Ist's am Josephitag schön
Wird ein gutes Jahr man sehn."

Quelle: Heilige im Südtiroler Volksleben, Hans Matscher, Brixen 1961, S. 17ff

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