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17. März

Gertrude, Patrik, Josef v. A.

Sonniger Gertrudentag,
Freud dem Bauern bringen mag. -

Ist Gertrude sonnig,
wird's dem Gärtner wonnig. -

An St. Gertrud ist es gut,
wenn in die Erd' die Bohn man tut. -

Es führt St. Gertraud
die Kuh zum Kraut,
das Roß zum Pflug,
die Bienen zum Flug.

Gertrud mit der Maus
Treibt die Spinnerin aus.

St. Gertraud mit dem Spinnrocken © Berit Mrugalska
Die Äbtissin St. Gertraud mit dem Spinnrocken, Wandbild St. Gertraud, Ultental (Südtirol)
© Berit Mrugalska, 16. Mai 2005

St. Gertraud, wegen des Namengleichklanges als Schautzfrau der Gartenarbeit verehrt, wird am 17. März gefeiert. An diesem Tag soll die Gartenarbeit begonnen werden. Gleichzeitig aber wird mit den winterlichen Hausarbeiten , besonders mit dem Spinnen, Schluß gemacht.
Volksbrauch im Kirchenjahr, Hanns Koren, 1934, S. 104

Legende:

Gertraud (17. März) dargestellt als Äbtissin mit einem Spinnrocken, an dem eine Maus hinanläuft, oder gar zwei.

Sie lebte im 7. Jahrhundert und war - wie die Legende weiß - ihr Leben hindurch eine fleißige Spinnerin. Der Teufel konnte dem nicht länger zuschauen: er mußte die fromme Spinnerin auf ihre Geduld erproben, vielleicht gelang es ihm, sie in Zorn zu bringen. Er verwandelte sich in eine Maus, die den Spinnrocken hinaufklettert und in die Faden beißt. Alles vergeblich! Mit Geduld, und Gebet vertrieb die Äbtissin die Maus, die sie nun in Ruhe ließ. Seither ist Gertraud Patronin gegen schädliche Nagetiere und wurde angerufen auch bei den Feldfrüchten schädlichen Mäuseplagen.

heilige Gertrud © Berit Mrugalska
Die heilige Gertrud als Äbtissin mit der weißen Lilie
St. Georg in Obermieming (Tirol)
© Berit Mrugalska, 27. Februar 2005

Hintergrundinformation aus volkskundlicher Sicht:

Nach I. V. Zingerle galten die Mäuse bei den Indogermanen als die vornehmlichsten Seelentiere, die sich meist bei der Herdstätte, dem Aufenthalte der Hausgeister der Sippe befanden. Sie wurden als Seelen der Toten des Hauses betrachtet, die ja auch bei dem Herde ihre letzte Ruhestätte fanden.

In Dreikirchen teilt sich diesen Wallfahrtsort mit Quellenkult Gertrud mit Magdalena und Nikolaus. Ein Sankt Gertraud gibt es noch zuhinterst im Ultentale und in Sulden, nirgends aber in Welschtirol, Beweis, daß Gertraud ganz allein im alten Brauchtume der deutschen Volksstämme wurzelt, so auch in der Verbreitung ihres Namens.

Damit, daß die Maus den Faden abbeißt, soll angedeutet werden, daß die Spinnarbeit und jede Arbeit bei Licht beendet ist.

Nun wendet man sich der Außenarbeit zu auf den Feldern und in den Weingärten. Gertrud bedeutet ja den bäuerlichen Frühlingsbeginn und sie weckt als Lenzesbotin den Gedanken an Freya, der Frühlingskünderin unserer Ahnen, als Vorstufe. Die Bäurin aber weiß, daß die heilige Äbtissin auch Patronin der Gärtnerei ist, hat mit Freude den Spinnrocken bereits mit dem "Zarggele" (Garten-spaten) vertauscht und hebt vor dem Gehöfte an zu "garteln", denn

"Gerd
Steckt den Brand in die Erd'.

Der Boden ist aufgetaut, warm und empfangsbereit, nicht nur für Salatpflanzen und anderes Gemüse, sondern auch für schon seit Karl dem Großen bekannte Heilkräuter, und manche Blume für den "Dreißgenbuschen" um Maria Himmelfahrt gedeiht unter den Händen der sorglichen Pflegerin. Ist doch der Hausgarten einer Bäuerin gerechter Stolz.

Vielleicht steht beim Hofe irgendwo ein Bienenstock. Ei, auch hier wird es außen herum lebendig: die Honigproduzentinnen werden um Gertraudi flügge, und die beiden Gertrudenvögel Kuckuck und Specht rufen oder hacken den Frühling nur ein, wenn er gesichert erscheint.

Mit solchen Ausschwärmen mag es etwa gedanklich zusammenhängen, daß Gertraud auch als Patronin der Reisenden und Meerfahrer galt und beim Abschiede man die Gertrudenminne trank. Und bevor man auf die letzte Reise geht, wird diese Heilige auch um eine gute Sterbestunde angerufen. Nach einer Überlieferung aus dem 15. Jahrhundert braucht die Seele nach ihrem Scheiden vom Körper drei Tage, bis sie vor dem ewigen Richter steht: in der ersten Nacht wird sie von Gertraud beherbergt, in der zweiten vom heiligen Michael aufgenommen und in der dritten Nacht erst gerichtet.

Brauchtum:

Viel gewandert wird am Gertrauditag jedenfalls in Mittelvinschgau, nämlich zur Landsprachmarkt im Weiler Schanzen (Gemeinde Goldrain). Vor alters versammelten sich hier die freien Männer dieses Talteiles, hielten Gericht und erledigten wirtschaftliche Fragen. Streitfälle, die Benützung von Wun und Weide, Wald, Wasser, Jagd, Fischerei und alles ins bäuerliche Leben Einschlägige. Heute ist dort nur mehr ein Markt, auf dem allenfalls etliche wirtschaftliche Händel abgewickelt werden.

Quelle: Heilige im Südtiroler Volksleben, Hans Matscher, Brixen 1961, S. 14ff


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