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5. Februar

Agatha, Ingenuin, Albuin, Ida, Berta

St. Agatha, die Gottesbraut, macht, daß Schnee und Eis gern taut.

Agatha und Dorothee - reich an Schnee

 

Über die Märtyrerin Agatha schreibt Jacobus de Voragine in der "Legenda aurea": "Agatha die Jungfrau war edel von Geschlecht und schön von Angesicht und wohnte in der Stadt Catania." Quintiaqnus, der Landpfleger von Sizilien stellte sie vor die Wahl, den Göttern zu opfern oder mannigfache Martern zu erleiden. Sie weigerte sich und litt standhaft; "da ward Quintianus zornig und hieß ihr die Brüste peinigen und nach langer Pein abschneiden".

Legende:

Agatha (5. Februar, in der Diözese Brixen verlegt auf den 17. Februar) wurde 251 in Catanea, Sizilien gemartert. Während der Marter entstand ein Erdbeben, und der Richter ließ sie in den Kerker zurückführen, wo sie starb.

Die Heilige wird meist mit einer brennenden Kerze in den Händen dargestellt und mit langem, jungfräulichem Schleier, oft auch mit einer Zange oder glühendem Kohlenbecken.



heilige Agatha © Berit Mrugalska
Die heilige Agatha wird sehr häufig mit ihren abgeschnittenen Brüsten dargestellt
die Brüste liegen auf einm Tablett oder wie hier auf einem Buch
"Mariahilf-Kapelle" am Birkenberg, Telfs (Tirol)
© Berit Mrugalska, 4. Dezember 2005

Hintergrundinformation aus volkskundlicher Sicht:

Dies Wesen als Brotheilige und die Darstellung mit Kerze und Schleier führt uns den Weg zurück, den das Christentum von Palästina aus in das Römerreich gegangen ist. Es führt uns zur griechischen Göttin Demeter (Ceres der Römer), die als "Getreidemutter" galt, dargestellt mit Ähren oder einer Fackel in den Händen und mit einem kurzen Schleier. Die griechischen Bewohner Siziliens verehrten sie unter dem Beinamen Agatha. Und auf dem Wege zurück zum Heidentum (später auch der Germanen) begegnen wir dem Papste Gregor dem Großen (549-604), der seinen Glaubensverbreitern die Anweisung gibt: man müßte die Feste der Heiden allmählich in christliche verwandeln, ja, sie in manchen Stücken sogar nachahmen und in christliche umwandeln.

Wir werden diesem Vorgang öfters begegnen und wissen nun, daß die Märtyrerin Agatha mit Schleier und Kerze an die Stelle der Demeter mit Schleier und Fackel als "Brotheilige" trat.

Agatha ist darum auch Patronin gegen Hungersnot und wegen der Art ihres Martyriums gegen Brustkrankheit der Frauen und schließlich gegen Feuer.


Brauchtum:

Aus letzterem Grunde pilgern jährlich die Meraner zur Kirche St. Agatha in Lana, und auf einem alten Votivbilde im Rathause Merans ist die Stadt zu sehen, darüber in Wolken schwebend Maria mit dem Kinde und vor ihr kniet Agatha. Am Fuße des Gemäldes steht zu lesen: "Anno 1339 unter der Regierung Prinz Johannis von Haus Tierburg ist die Stadt ganz abgebrunnen. Anno 1347 ist der Röm. König Carl aus Böheim in Tirol eingefallen und hat unter anderen Verwüstungen die halbe Stadt in Aschen gelegt, daß sie also innerhalb 8 Jahren zwey erbärmliche Brünste erlitten. Im letztgemelten Jahr hat die Stadt um Abwendung zukünftiger Feuersbrünsten einen Kreuzgang den ersten Donnerstag in der Fasten nachher Lana zu der hl. Agatha verlobt."

Zur gleichen Heiligen pilgern die Bewohner des Dorfes Tirol. Die Saltner des letzten Herbstes sammeln zuvor Opfergeld mit einem silbernen Becher. Er war auf dem Mateilerhofe aufbewahrt.

Heißt Lichtmeß auch "Schlenggeltag", an dem im Pustertale die abwandernden Dienstleute (Ehehalten) Krapfen bekommen, im Sarntale am Lichtmeßvorabende die sogenannten "Hußausküchl" aufgetischt kriegen, so findet das "Schlenggeln", der Wechsel der Dienstplätze, meist erst am Agathentage statt.

An manchem Hofe, wo noch der Brauch des Abendrosenkranzes geübt wird, beten die neu eingetretenen Ehehalten mit im Schimmer der erstmalig entzündeten Lichtmeßkerze.

Doch unsere Heilige spielt nicht nur beim Schlenggeln mit, sondern auch in die Lostage hinein.

Der Tag der heiligen Agatha wird in der Meraner Gegend auch Truhentag genannt:

Am meisten begünstigt der Talgebrauch die Dienstboten der Umgegend Merans. Dort dauern ihre Ferien eine ganze Woche oder noch länger. Der eigentliche "Schlenggeltag"" ist daselbst nämlich nicht Lichtmeß, sondern St. Agatha (5. Februar), aber nur dem Namen nach, denn in Wirklichkeit geht dieses Ereignis erst am folgenden "Truhentag" vor sich. Lichtmeß ist also ohnedies Festtag, dann kommt der Blasiustag, wo jeder fromme Hausvater Knechte und Mägde "einblasigen" läßt 2); auf diesen folgt der "Flickwerktag", wo die Dienstboten ihre Kleider flicken, um nichts Zerrissenes in den neuen Dienstort mitzubringen. St. Agatha ist wieder ein Bauernfeiertag und am "Truhentag" wird gewandert. Fällt aber Agatha auf einen Sonntag, so wird der Truhentag auf den nächsten Samstag verschoben und die Knechte und Mägde haben die ganze folgende Woche Freizeit. Truhentag heißt der genannte Tag deswegen, weil die Habseligkeiten nicht in einem Bündel, sondern in einer Truhe, und zwar durch Pferd oder Ochsen und Wagen weiter befördert werden. Das gibt eine allgemeine große Schlittenfahrt; kreuz und quer sieht man Fuhrwerke fahren, hinter jedem Schlitten aber folgt in weißer Schürze und Hemdärmeln die Magd, die von Zeit zu Zeit ihrem Kutscher - dem Knechte des neuen Dienstherrn - mit einer Flasche "Kerscheler" Gesundheit zutrinkt. Daneben wirft sie wohl auch einen Seitenblick auf ihre in anständiger Größe prangende "Truhe", auf welche ein paar Kittel auswendig hinaufgebunden sind als prahlerische Aufschrift: "Mein G'wand hat da drinnen nicht alles Platz."

Die Vorarlberger "Agathabrötle" wurden nicht nur bei Feuer- und Wassergefahr verwendet, sie gelten auch als ein Mittel gegen Heimweh.

Sagen zur heiligen Agatha:

- aus Vorarlberg St. Katharina und St. Agatha

Agatha mit ihrem Attribut, den abgeschnittenen Brüsten, Roggenburg

Agatha mit ihrem Attribut, den abgeschnittenen Brüsten. Statue (um 1760) in der Kirche des Prämonstratenser-Chorherrenstifts Roggenburg (Kreis Neu-Ulm, Regierungsbezirk Schwaben, Bayern)

 

Martyrium der hl. Agatha, Sillegny

Das Martyrium der hl. Agatha, Fresko (um 1500) eines unbekannten Malers in der Kirche von Sillegny (Departement Moselle, Lothringen, Frankreich)

 

Agatha mit den Attributen ihres Martyriums (Zange und abgeschnittene Brust), Tiengen

Agatha mit den Attributen ihres Martyriums (Zange und abgeschnittene Brust) in der 1735/55 erbauten Pfarrkirche "Maria Himmelfahrt" in Tiengen (Waldshut-Tiengen, Baden-Württemberg)



Quellen: Heilige im Südtiroler Volksleben, Hans Matscher, Brixen 1961, S. 7ff
Ludwig von Hörmann, Tiroler Volksleben, Stuttgart 1909. S. 3 - 9.,
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