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Vorwort.

In den nachfolgenden Blättern begleite ich eine Anzahl von Photographien mit Erläuterungen geschichtlichen oder landschaftlichen Inhaltes.

Bernhard Johannes hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, die Herrlichkeit des Landes Tirol ausgiebiger als es bis jetzt geschehen ist, durch seine Kunst in der Anschauung der gebildeten Welt Zu verbreiten. Er füllt mit diesem Streben eine Lücke aus, welche von den Schriftstellern und Malern übrig gelassen wird, während jene vor den natürlichen Schranken stehen bleiben müssen, welche die redende von den bildenden Künsten trennen, liegt es in der Natur der Dinge, daß die Werke der letzteren niemals einen so großen Kreis von Beschauern gewinnen, als die Erzeugnisse des Lichtbildners, welche einer unbegrenzten Vervielfältigung fähig sind.

Zudem gibt es viele, welche — ob mit Recht oder Unrecht, bleibe dahingestellt — zu den Darstellungen der Photographie mehr vertrauen hegen, als zu den Werken der Maler, welche frei schöpferisch die Gestaltungen der Körperwelt durch ihre eigene Einbildungskraft verklären, und hinter der zufälligen, gegebenen, eine ideale Wirklichkeit zur Geltung bringen.

Als Früchte seiner Tätigkeit haben wir Bilder aus dem märchenhaften Reiche der südtirolischen Dolomit-Gebirge aus den Wildnissen der Öztaler, Stubaier, Ortler und Venediger Eiswelt gesehen. Ebenso herrliche Ansichten aus den Hochregionen der Zillertaler Gruppe. Hier bringt er uns Darstellungen aus jenen Teilen des Berglandes, in welchen die Überlieferung einer farben- und tatenprächtigen Geschichte, das Andenken an so manche von der Dichtung verherrlichte Gestalt sich um das Felsengerüste der Täler schlingen.

Von Wolkenstein, dem "Felsen- und Wolkenschlosse," an, in's Land des Weines und des Minnesieges hinab zu den Geländen der Etsch und dann wieder hinaus ins grüne Inntal, geleiten uns diese Bilder zu den Marksteinen der Geschichte und der Dichtung des felsenfesten Landes.

Die landschaftliche Gallerie ist hier zugleich zur geschichtlichen geworden. Es ist im vollen Sinne ein „Album von Tirol". Mögen sich die vielbesungenen Gemäuer auf nackter Felsklippe, aus dunklem Fichtenwalde neben dem grünen See, oder aus endlosem Rebengarten erheben: wir erkennen an den Steinen den Griffel der Geschichte, und an den umgebenden Gründen die niemals genug zu preisende Mannigfaltigkeit und Schönheit des Alpenlandes Tirol.

Eine zweite und dritte Serie wird sich dieses Jahr anreihen.

Heinrich Noë.

Quelle: Heinrich Noe, B. Johannes, Die Burgen von Tirol in Bild und Wort, Partenkirchen ca. 1890, Nr. 2.

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