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Forst.

Dort, wo die Etsch, von der Stromschnelle der Töll abgestürzt, sich wieder zu beruhigen beginnt und zugleich jene Wendung nach Süden macht, welcher sie treu bleibt, bis ihr Gletscherwasser sich mit der trüben Flut der Lagunen vermengt, erbebt sich die Feste Forst auf einer niedrigen Felskuppe, auf welcher Weinreben und Efeu grünen.

Burg Forst, www.SAGEN.at

Burg Forst

Auf ihrer Erhöhung fällt sie Allen denjenigen in die Augen, welche von Meran gegen Westen schauen. Im Hintergrunde ragen die Berge des Zilltales auf und an mancher Stelle erblickt man die Burg Forst als Staffage der Menschenhand vor den Stürzen der Etsch und denen des Zillbaches.

Die Geschichte meldet nichts von jenem sagenhaften Brudermord, an welchen ein rotes Kreuz an der Decke einer halb-verfallenen Stube in der Burg erinnern soll. Was sie uns zu berichten weiß - und ihre Angaben gehen bis auf das Jahr 1290 zurück - sind Dinge, welche mit der Romantik der Umgebung in wenig Einklang stehen: Kaufverträge, Belehnungen, Verpfändungen. Beim Durchgehen der Geschichtsbücher findet sich vielleicht die auffallendste Stelle dort, wo Ulrich und Wilhelm von Starkenberg in ihrer Fehde gegen Herzog Friedrich (1423) auch unter anderen Burgen diese Veste verloren.

Jetzt hausen arme Leute darin, und der Burghof, durch die Gegensätze greller Farben im verwahrlosten und abwitternden Gemäuer eine Malerstudie von hohem Reiz, steckt voll von allerlei Gerümpel und Trödel der mit der Hantierung dieser Leute zusammenhängt. Fest aber stehen noch die eisernen Mauern und ein Glöcklein schallt mitunter, vom Rauschen der Wogen halb überstimmt, auf die breite Heerstraße, auf welcher ein neues Geschlecht seinen Wanderzielen entgegenstrebt.

Quelle: Heinrich Noe, B. Johannes, Die Burgen von Tirol in Bild und Wort, Partenkirchen ca. 1890, Nr. 8.

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