SAGEN.at >>Informationen, Quellen, Links >> Dokumentation >> Grabsteine Bruneck

   
 
 

Die alten Grabsteine bei der Pfarrkirche von Bruneck

  © Dietrich Feil
   
 

Nr. 20

Grabstein des Joseph Ignaz Gall von Ansiedl und Teisegg

   
Bruneck - Grabstein des Joseph Ignaz Gall von Ansiedl und Teisegg (1725)
   
 

SISTE VIATOR ET AUDI:
HIC IACET
CUJUS ELEEMOSUNAS ENARRABUNT
ECCLESIAE SANCTORUM
NIMIRUM
PLURM. REV: PRAENOB: CLAR.MO
D: IOS: IGNAT. GALL
DE ANSIDL ET TEISEGG
PROTONOT: AP: ET PAROCHUS
IN TAUFFERS & C.
QUI OCULOS SUOS NON AVERTIT
A PAUPERE
ECLESII SIQUIDEM ET PAUPERIBUS
BRUNEGGENSIBUS
EXIMIUS EXSTITIT BENEFACTOR :

DeCIMa nona IanVarII
Is pIe In ChrIsto reqVIeVIt.

ASPICE VIATOR:
ET FAC SECUNDUM EXEMPLAR
QUIDCUMQUE FACERE POTEST
MANUS TUA IN PAUPERES
INSTANTER OPERARE
ETERNITATI LABORAS.

"Wappen und Inschrift. Joseph Ignaz Gall zu Ainsidl und Teisegg, Protonotar und Pfarrer von Taufers, gest. 1725." (Weingartner 288 Nr. 22).
Ehemals in der Kirche beim untersten Altar (Suppl. 59 Nr. 49).

Lebenslauf (nach Bertel II 75 Nr. 114):
geb. 16. 9. 1662 in Bruneck als Sohn des Veitfranz G., Pfleger zu Altrasen, und der Susanna von Mayrhofen ab Anger
humanistische Studien in Hall, Judenburg und Trient
Physik in Innsbruck 1681/82
8. 9. 1682 niedere Weihen in Brixen
20. 11. 1682-30. 4. 1686 Collegium Germanicum in Rom
21. 9. 1686 Priesterweihe in Brixen
5. 6. 1691 Pfarrer in Taufers, Protonotarius apostolicus
gest. 19. 1. 1725 in Taufers

“Der am 19. Jänner (1725) verstorbene Herr Joseph Ignatz von Gall, 36 Jahre lang geweßter Pfarrer in Taufers, vermachte in seinem Testamente, dass von seinem Vermögen, ein drittheil den Gotteshäusern zu Bruneck, ein drittheil der abgebrannten Burgerschaft (bei dem großen Stadtbrand  am 11. April 1723, der drei Viertel der Stadt betroffen hat) daselbst, und ein drittheil seinem Bruder Adam von Gall und seiner Schwester, einer verehelichten von Klebelsberg zufallen soll. Obwohl dieses Testament von der Obrigkeit in Taufers als gültig anerkannt wurde, so hat doch Herr Adam von Gall dasselbe umzustossen versucht, und hat vier Jahre lang einen kostspieligen Prozeß geführt; bis endlich zu Sterzingen durch eine Comission ein Vergleich gemacht wurde, vermög welchen denen Kirchen 4250 fl. (= Gulden), und den abgebrannten Bürgern und Einwohnern 4250 fl. zugesprochen wurde. Wegen der Verfechtung des Testamentes verdiente der Stadtrichter Joseph Ludwig von Klebelsberg [vgl. hier Grabstein Nr. 14] großen Dank, umso mehr als seine Frau die Schwester des Erblassers, und daher selbst Mit-Erbin war.
Auf sein Verlangen wurde der große Wohltäter Joseph Ignatz von Gall in der Pfarrkirche von Bruneck begraben, wo er auch schon im Jahr 1721 eine bedeutende Stiftung machte, von welcher noch später Meldung gemacht werden wird…“ (Tinkhauser 154 f.)

"Joseph Ignatz von Gall zu Ainsiedl und Teissegg Pfarrer in Taufers stiftete im Jahr 1721 in der Pfarrkirche zu Bruneck:
1. Alle Quatember ein Seelenamt und zwey Messen, am Sonntag das Bitten auf der Kanzel, nach dem Seelenamt seine Begräbniß zu besuchen, und den Armen 3 fl. auszutheilen.
2. Jährlich einen Jahrtag mit zwey musizierten Ämtern, nebst zwey h. Messen und 8 fl. den Armen auszutheilen.
3. Jährlich am St. Josephstag soll eine arme Mannsperson, nach der Meinung des Stifters, Beichten und Comuniciren, und hiefür von der Pfarrkirche ein Star Roggen zu beziehen haben. Hiefür wiedmete der Stifter aus einem nachlassenden Vermögen 2000 fl." (Tinkhauser 164 f.).

„Die Herrn von Gall waren in früheren Zeiten zu Brixen ansässig. Stephan von Gall wurde 1533 Stadtrichter zu Bruneck, wo diese Familie nun ihren Ansitz nahm. 1643 erkaufte sie die Ansitze Teissegg und Ainsiedl zu Oberragen in Bruneck. Als Bergwerksbeamte zu Herrengrund in Ungarn erwarben sie sich großes Vermögen. Ignatz von Gall Pfarrer von Taufers war einer der größten Wohlthäter als 1723 die Stadt Bruneck abbrannte. Ihr Wohlstand verlor sich mit Anton von Gall, der 1827 starb. Sein Sohn Franz von Gall lebt als kaiserlicher Beamter zu Innsbruck, und besitzt noch einige Gülten in Enneberg. Teisegg und Ainsiedl erkauften die Herrn von Klebelsberg.“ (Tinkhauser 195).

   
   
  zurück zur Übersicht: Die alten Grabsteine bei der Pfarrkirche von Bruneck - 2. Teil