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  Carl Techet (Pseudonym Sepp Schluiferer)
  Gymnasiallehrer und Autor
 
Carl Techet wurde am 27. Februar 1877 in Wien geboren.
43jährig gestorben am 19. Jänner 1920 in Wien.
   
Assistent an der Zoologischen Station und Lehrer in Triest
ab 1907 Gymnasiallehrer für Biologie und Chemie in Kufstein
nach vier Monaten in Tirol vergebliche Versetzungsgesuche
1909 Flucht nach München nach Erscheinen des Buches "Fern von Europa"
26. Jänner 1910 Landesschulratssitzung zum Fall Carl Techet, nachdem seine Stelle schon vorher neu besetzt wurde.
August 1910 Strafversetzung von Kufstein nach Proßnitz (Mähren)
1915 nach langer Krankheit vorzeitiger Ruhestand
in Wien Kontakte mit Arthur Schnitzler und Josef Redlich
   
  Werke:
am 26. Oktober 1909 erscheint unter dem Pseudonym Sepp Schluiferer "Fern von Europa" im Münchner Verlag Lothar Joachim. Das Buch wird ein buchhändlerischer Erfolg und bis 1923 in 20 Auflagen über 25.000mal verkauft. In Tirol ist das Buch nur über Versand aus München erhältlich.
Völker, Vaterländer und Fürsten. Ein Beitrag zur Entwicklung Europas. München 1913
Wie sie sind. Ein Frauenbuch für Männer. München 1919
Menschen ohne Lachen. Eine Philistergeschichte aus stillen Tagen. München 1919
Vom toten Österreich. Satiren. Leipzig 1922
Meine kleine Welt
Sonderbare Geschichten
Unselige Liebe
 
  Pressestimmen zu "Fern von Europa" :

Christoph R. Jenny in:Tiroler Wastl, 21.11.1909:

„Ein Strolch allerordinärster Sorte ... hat mit Hilfe eines Druckers, der seine Werkstatt aus Liebe zum Schmutz in einem Abort oder einer Senkgrube aufgeschlagen, ein Pamphlet auf Land und Leute von Tirol herausgegeben, das an ordinärster Gemeinheit alles bisher dagewesene weit übertrifft. .. Der Lump ... scheint mitten unter uns zu leben und unser Brot zu essen. Das geht daraus hervor, daß der Kerl, für dessen Charakterisierung das Wort Schweinehund noch viel zu gut ist, über unsere Lokalverhältnisse ziemlich gut orientiert zu sein scheint... Besonders anschaulich weiß unser Columbus das Liebesleben der Tiroler zu schildern... Ans Heiraten denkt in Tirol natürlich niemand, weil nichts davon in der Bibel steht."

„Wenn je eine Lynchjustiz am Platz war, dann ist es dieser Fall, der nach Rache und Vergeltung brüllt. Vaterländer! Tut Euere Pflicht! Wer dieser Spottgeburt aus Dreck und Spülicht nur einen Bissen Brot, nur einen Tropfen Wasser reicht, dem faul' die Hand vom Leibe, und wer dieses Scheusal tötet und zu Aas macht, der sei gepriesen."

 

Allgemeiner Tiroler Anzeiger, 25.11.1909:

„Ehrlicher Zorn übermannt einen, liest man das elende Machwerk jenes gehässigen Heimtückers, der zu feig war, seinen Namen unter die giftigen Ausfälle gegen Tirol und Tiroler Sitte zu setzen ... was uns in jener Schandbroschüre unter der Maske eines gleißnerischen Stils vorgetäuscht wird, ist eine der gemeinsten Pauschalverleumdungen, die je ein Schurke ausgesprengt. Wir hätten am liebsten davon geschwiegen..."

 

Grazer Tagblatt, 13.11.1910:

„Das Buch ist eines der lustigsten Bücher, die wir kennen ... so köstlich, daß jede Kritik in Lachen erstickt - Wir in der Steiermark können seine Schilderungen (seine Verbannung ist ja nur ein Beweis mehr für die Richtigkeit seiner Wiedergabe gewisser Verhältnisse in Tirol), wir können Schluiferers Bekenntnisse vorurteilslos genießen."

 

Max Burckhard in: Pester Lloyd, 20.11.1910:

"Ein Büchlein aus dem Hasse heraus aber möchte ich nennen Sepp Schluiferers ,Fern von Europa'. Hier zeugt von dem Hasse schon der äußere Umstand, wie der Autor die Sprache derer, die er schildern will, schreibt. Falsch gehört ist es nicht, aber im Hasse ist es gehört und geschrieben. Gehört von einem, dem die Leute, unter denen er lebt, im höchsten Grade zuwider sind, so geschrieben, daß man beim Lesen die Empfindung hat, man höre den Autor beim Schreiben vor sich hinschmunzeln: ,Da werden sie sich giften!' Und so ist das Buch, und darum löst es das befreiende Lachen des Humors nicht aus, das sonst manche der Geschichten, die da zusammengestellt sind, vielleicht zu wecken vermöchte. Bei Sepp Schluiferer zum Beispiel höre ich im Lesen, wie er gelegentlich Worte wie Hunde, Schufte, Bestien und ähnliches dazwischen ruft. Man kann auch nicht etwa sagen, er übertreibe. Er generalisiert nur. Und zwar, sonst wäre ja das Generalisieren ganz in Ordnung, falsch. Er generalisiert nur das Schlechte und Häßliche. Das Gute kann er nicht generalisieren; denn er sieht es nicht, es ist für ihn nicht da... So gut einzelnes bei Charakterisierung jenes Gegensatzes zwischen religiös-sittlichem Schein und sinnlich-unsittlichem Wesen, der aber nicht nur in Tirol vorkommt, gesehen und getroffen ist. Diese lächerliche Blindheit und Übertriebenheit des Hasses, die so weit geht, daß sie in den Einheimischen nur eine Bande mißgestalteter, ungewaschener Idioten und Flegel sieht, ist es, die dem Buche, auch wo es mit Recht Kritik an Unduldsamkeit und anderem Bestehenden oder an herkömmlicher falscher Idealisierung übt, seinen Wert nimmt."

 

Robert Vinatzer in: Kufstein Aktuell, 5.7.1984:

"Wer Lust hat, über sich selbst, über die Tiroler und die böse Welt überhaupt zu lachen, der kann sich in diesem Büchel so richtig gehen lassen."

 
  Werke von Carl Techet auf SAGEN.at:
"Fern von Europa"
 
Quellen: Werner Gürtler, Fern von Europa - Im Jubeljahr 1909 und im Gedenkjahr 1984