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  Ludwig Lintner
  Arbeiter, Dichter
 

Ludwig Lintner

Ludwig Lintner 1914

 

Ludwig Lintner

Ludwig Lintner wurde am 20. März 1872 in Kiefersfelden, Bayern geboren.
gestorben xx.
   
  Leben:
in ärmlichen Verhältnissen, bald elternlos, aufgewachsen
zweiklassige Volksschule
mit 15 Jahren Lehre bei einem Bildhauer in Bozen
1900 - 1901 Marmorschleifer in Winterthur
Schleifer in der Marmorindustrie, "Kieferer Marmorindustrie"
Selbststudium mit Büchern von Pfarrer Gierl in Kiefersfelden
 
  Werke:
1903 "Wildrosen", Dresden 1903, Gedichte
1914 "Hochlandsblüten", Kiefersfelden 1914, neue Gedichte (Selbstverlag, Druck: Buchdruckerei Lippott Kufstein, 112 Seiten)
"Aus der Pestzeit", epische Dichtungen
"Die Hechtseesage", epische Dichtungen
"Der Glaubensstreit", geschichtliche Erinnerungen
"Lebensroman", Selbstbiographie
"Treu bis in den Tod", Theaterstück
"Das Schicksal Hammerschlag", Theaterstück
volkstümliche Geschichten und Skizzen
   
Quellen: Rudolf Sinwel, Ludwig Lintner - Zur Vollendung seines 60. Lebensjahres (20. März 1932), in: Tiroler Heimatblätter, 10. Jahrgang, Heft 3 / 1932, S. 85; Hochlandsblüten, Vorwort und Bild 1;
   
   
  Ein Mißverständnis.
Von Ludwig Lintner.

Auf dem Lande pflegt man den Kindern ängstlich geheimzuhalten, wenn ein junger Erdenbürger zur Welt kommt.

Und ist er einmal da, so hat ihn der Bach angeschwemmt oder gar ein Engelein des Nachts ins Haus gebracht.

Trotz alledem sind jedoch die Kinder von heute meist recht gut unterrichtet und lächeln nur geheimnisvoll, will man ihnen einen blauen Rauch vormachen.

Da hat sich nun bei einem solchen Vorkommnis in Schwoich, einem freundlichen Dorfe in der Nähe Kufsteins, eine heitere Geschichte zugetragen. Eine Tochter vom Krallerschen Anwesen, verheiratet mit einem Zimmermanne, sieht ihrer Niederkunft entgegen.

Als am Mittwoch, den 13. November im Jahre des Heils 1907, sich die neue Weltbürgerin anschickte, in dieses Tal der Tränen zu treten, schickte der Großvater derselben einen dort angenommenen zehnjährigen Jungen zu dem am Neubau der Moosmühle beschäftigten Vater mit dem Bemerken, er soll schnell heimkommen, der "Imbb" (Bienenschwarm) treibt.

Der Bube eilte fort. In Moosheim, wo ihn sein Weg hindurchführte, fragte ihn ein Mädel, wo er denn so schnell hinlaufe? Der Junge antwortete in seinem Dialekte, daß er zum Heinrich hinunter müsse, denn "drinnen fehlt's" (auf gut Deutsch: zu Hause fehle etwas) und rannte weiter.

Ein wegen seiner Neugierde bekannter Bauer aus Moosheim trat nun auf das Mädel zu und frug sie, was der Bube gesagt habe.

Die Kleine, welche wohl falsch verstanden hatte, antwortete ihm: "brinna tuats" (brennen tut's). Mit drei Sprüngen war nun der vielleicht zehn Minuten von der Dorfkirche entfernte Bauer dort und ließ Sturm läuten.

Zur selben Zeit war man gerade im Begriffe, einen alten Mann, genannt der Bachwirtspeter, zur ewigen Ruhe zu tragen. Als nun die Leidtragenden das Sturmläuten hörten und auf ihre Frage, was es gebe, die Antwort erhielten, daß es beim Kraller brenne, ließen sie den Toten stehen und eilten, um den Lebenden Hilfe zu bringen.

Der ganze Ort war in Aufregung, die Hühner flatterten ängstlich hin und her... Einer wollte sogar mit einem Basse Sturm blasen, wurde aber daran verhindert, weil sich solches nicht schicke.

Vergeblich harrt der Pfarrherr auf den Leichenzug ...

Inzwischen kam auch die Feuerspritze von Sonnendorf, mit Wehrmännern voll besetzt, angefahren.

Bei dem Bauerngute ist keine Spur von einem Brande zu sehen und die Gefoppten schauen einander starr in die Augen, als der alte Großvater ihnen erklärt, man hätte eine Hebamme nötig... sonst nichts ... "Heiliger Veit, wann wer'n ma g'scheidt?" - Man beruhigt sich, geht lachend auseinander - und begräbt den alten Peter...

Viel Interessantes gibt es auf der Welt. Aber daß man ein Mädchen, so ein kleines Liebesbrändchen, ehe es noch da ist, mit der Feuerspritze taufen will, kommt nicht so leicht vor.

Quelle: Ludwig Lintner, Ein Mißverständnis, in: Tiroler Heimatblätter, 10. Jahrgang, Heft 3, 1932, S. 128.

Nachwirkung

Würde nicht aus alten Zeiten
Hie und da ein warmer Ton
Leis mir durch die Seele gleiten,
Wär' ich längst erkaltet schon.

Doch so kommt in süßen Tönen
Halb Gebet und halb ein Lied,
Eine Ahnung mir des Schönen,
Die mich wieder aufwärts zieht.

Quelle: Ludwig Lintner, Hochlandsblüten, Gedichte; Kiefersfelden 1914, S. 35.