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  Andreas Ulmer
  Priester und Heimatforscher
   
Andreas Ulmer wurde am 24. Juni 1880 geboren.
Gestorben am 1. November 1953 in Feldkirch.
   
  Leben:
Er kam nach dem frühen Tod seiner Eltern zu seiner Tante nach Feldkirch.
•  5 Jahre städtische Volksschule.
Ab 1891 wurde er Zögling im zweiten Pensionat der Stella Matutina.
•  Er hatte ein gewisses zeichnerisches Talent und betätigte sich in der Jugend gerne als Zeichner und Maler, später illustrierte er Bücher.
•  1899 legte er die Matura mit Vorzug ab und gab "Philosophie" als Studienziel an.
•  In der Zeit bei der Stella Matutina zog er sich eine schwere beidseitige Ohrenentzündung zu, die zu einer lebenslangen Schwerhörigkeit führte.
•  1899 inskribierte er an der k. k. Universität Innsbruck Theologie. Daneben ersuchte er beim fürstbischöflichen Ordinariat in Brixen um Aufnahme als Diözesantheologe und bat um Erlaubnis die Studien im Innsbrucker Convikt machen zu dürfen.
•  Er strebte die Priesterweihe an, musste sich wegen seiner Ohrenentzündung vorher aber noch einmal untersuchen lassen. Dr. Beck in Feldkirch attestierte ihm keine Verschlechterung.
•  Am 26. Juli 1903 wurde er in der Dreifaltigkeitskirche zu Innsbruck von Fürstbischof Aichner zum Priester geweiht. Die Primiz feierte er drei Tage später in der Gnadenkapelle von Einsiedeln.
•  1905 promovierte er mit dem Dissertationsthema "Darstellung des Herrn, Erscheinung der Weisen und Flucht nach Ägypten, eine chronologische Untersuchung". Die Fachrigorosen aus Kirchenrecht und Kirchengeschichte legt er "cum applausu" ab.
•  1901 wurde er bei der Musterung der Einsatzreserve des Heeres als Militärkaplan zugeteilt. Der Kiegsdienst blieb ihm erspart.
•  1901 unternahm er gemeinsam mit seiner Schwester Marie mit dem Tiroler Pilgerzug eine Jerusalemfahrt. Insgesamt fuhren 32 Vorarlberger bei diesem Pilgerzug mit.
•  1902 begründet er aus Interesse den "Verein für christliche Kunst und Wissenschaft" mit. Er besorgte im Pfarramt größtenteils die Marikenführung und ordnete das Stadtpfarrarchiv neu.
•  Von 1905 bis 1918 war Ulmer Seelsorger in Feldkirch.
•  1910 gründete er gemeinsam mit dem Feldkircher Kaufmann Anton Heinzle, Schmiedgasse, den "Katholischen Arbeiterverein für Feldkirch und Umgebung".
•  1916 wurde er Mitglied der fürstbischöflichen Kommission für Kunst und Denkmalpflege für Vorarlberg, Sektion bildende Kunst.
•  Bereits früh veröffentliche er Beiträge im Feldkircher Anzeiger. Eine Arbeit über die Feldkircher Schattenburg veranlasste Bischof Waitz ihm die Fortführung der Beschreibung des Generalvikariates Vorarlberg, das Rapp begonnen hatte, fortzuführen. So wurde Ulmer Kirchenarchivar für Vorarlberg und nahm seinen Sitz im Landesarchiv in Bregenz.
•  Im August 1932 fuhr er als erster Vorarlberger Pilgerseelsorger nach Lourdes.
•  1944 musste er aus Gesundheitsgründen (wegen starkem Asthma) nach Feldkirch übersiedeln.
•  Ab 1945 begann er sofort wieder zu publizieren. Er schrieb im Feldkircher Anzeiger, die Landeszeitungen und für den ORF.
•  1953 konnte er das goldene Priesterjubiläum in St. Gerold feiern.
•  Zeit seines Lebens litt er an einer Asthmaerkrankung und war deshalb auch öfters in Hall in Tirol auf Erholungsurlaub.
•  1953 starb er in seiner Feldkircher Wohnung in der Herrengasse.
   
  Werke:
1925 bis 1931 erschien bei der Vorarlberger Verlagsanstalt in 14 Lieferungen das Werke "Die Burgen und Edelsitze Vorarlbergs und Liechtensteins", 1112 Seiten stark. Das Werk umfasste 334 Abbildungen sowie eine Übersichtskarte. Bis heute ist dieses Werk eines der wichtigsten Vorarlberger Geschichtswerke (erschien 1978 im unveränderten Nachdruck der Vorarlberger Verlagsanstalt).
1940 stellte er die topographisch-historische Beschreibung des Generalvikariates Vorarlberg im Manuskript fertig. Zu seinen Lebzeiten (1937) erschien aber nur mehr der Band Dekanat Sonnenberg I, der jedoch größtenteils von den Nazionalsozialisten eingestampft wurde. Weitere Bände erschienen erst 1965 und 1971.
Neben seiner eigentlichen Berufsarbeit verfassten Ulmer weiter über 100 Aufsätze sowie die selbstständig im Druck erschienenen Arbeiten: das große "Burgenwerk", "Vorarlberger Gotteshäuser in Wort und Bild", "Schützenscheiben des Hauptschießstandes Feldkirch" etc. Viele Besprechungen, die er fortwährend anfertigte. Nach dem Anschluss 1938 wurden auch Satz und Klischee des "Burgenwerkes" vernichtet. In der NS-Ära wurde Ulmer einmal die Verhaftung angedroht und das Pfarrblatt einmal mit einer Strafe von 500 Reichsmark belegt.
Trotzdem erschienen von 1938 bis 1939 wiederum fünf Arbeiten von Ulmer: der "Kirchenführer für Bregenz und Feldkirch" sowie der "Gebhartsberg bei Bregenz".
261 Seiten starkes Manuskript (Regenstenverzeichnis) über die Urkunden Nr. 1 - 608 im Feldkircher Stadtarchiv, welches einer grossen Quellenarbeit bedurfte. Auch die Urkunden Nr 609 - 1320 hat er beschrieben, die handschriftlichen Regesten liegen dort jeweils bei.
   
   
Quellen: Christoph Vallaster: Dr. Andreas Ulmer 1880-1953. Ein Leben für die Sakral- und Profangeschichte Vorarlbergs. Bregenz 1978.
Email-Zusendung von Burghart Häfele, 10. März 2006